Berner Waldbesitzer wollen weiterhin Geld für Trails. Aber weniger | Ride MTB

Berner Waldbesitzer wollen weiterhin Geld für Trails. Aber weniger

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Die Berner Waldbesitzer haben mit ihren stolzen Entschädigungsforderungen Furore gemacht. Ein Jahr später relativiert Vize-Präsident Ernst Wandfluh die Beiträge, spricht von einem Missverständnis. Geld verlangt er weiterhin und er hat eine Idee, wie dieses eingetrieben werden könnte. 

«Wir sind keine Bike-Verhinderer», beteuert Ernst Wandfluh im Gespräch mit «PlattformJ», einem Berner Oberländer Newsportal. «Aber es geht um unser Eigentum, wir wollen geregelte Verhältnisse», fährt der Vize-Präsident des Verbands Berner Waldbesitzer BWB fort.

Was darunter zu verstehen ist, hat der BWB in einem Mustervertrag dargelegt, den er im März 2025 publiziert hat. Er empfiehlt darin seinen Mitgliedern, keine Einverständniserklärung zu unterzeichnen, ohne eine Entschädigungssumme vereinbart zu haben. Was die Waldeigentümer verlangen könnten, gibt er im Papier an: bei neu gebauten Biketrails 1 bis 5 Franken pro Quadratmeter und Jahr, wobei unabhängig von der Breite des Trails ein Streifen von 3 Metern angenommen werden soll; multipliziert mit der Länge der Strecke. Für bestehende Wege, die als MTB-Routen signalisiert werden, sollen 50 Rappen bis 2 Franken pro Laufmeter und Jahr fällig werden. 

Das Papier ist nach wie vor beim BWB abrufbar. Die Zahlen finden sich dort. Was für gesalzene Abgaben dabei über die Jahre für Trail-Projekte anfallen, hat Ride damals in einigen Beispielen vorgerechnet. 

Auf der Suche nach dem Missverständnis

«PlattformJ» zitiert Wandfluh mit der Aussage, es sei ein Missverständnis, dass die Waldbesitzer so viel Geld forderten, dass ein Trail-Projekt wie jenes im Naturpark Gantrisch unfinanzierbar werde. Worin genau das Missverständnis besteht, geht aus dem Text nicht hervor. Ride bittet ihn deshalb um Klärung. Der Vize-Präsident, der auch für die SVP im Nationalrat sitzt, lässt über das BWB-Sekretariat ausrichten, er habe die Ressourcen nicht, die Fragen zu beantworten. 

Das übernimmt die Geschäftsführerin Anja Leser: «Bei den genannten Beträgen handelt es sich um eine Orientierung für den Verhandlungsspielraum. Grundsätzlich ist es die Sache der einzelnen Waldeigentümer einen für sich und den Begebenheiten vor Ort angepassten Preis auszuhandeln. Insofern ist es nicht korrekt zu behaupten, es würden durchs Band und überall CHF 5.00 gefordert; daher die Bezeichnung Missverständnis.»

Die fünf Franken als Pauschalpreis tauchen im Beitrag auf PlattformJ nicht auf. Und Ride hat schon vor einem Jahr die Forderung des BWB in allen Details dargestellt – so, wie sie auch heute noch auf der BWB-Website abrufbar ist.

Präsident relativiert Mustervertrag seiner Organisation

Interessant ist, was Ernst Wandfluh im Video-Interview des PlattformJ-Beitrags auch noch sagt: MIt den im Musterbetrag genannten Beträgen habe man eine Benchmark herausgegeben, in der sich die Waldeigentümer in den Verhandlungen bewegen könnten, aber: «Fünf Franken sind wohl etwas hoch gegriffen».

Die Entschädigungsdiskussion im Kanton Bern steht auch im Zusammenhang mit dem Projekt eines MTB-Trailnetzes im Naturpark Gantrisch. Dieses wird mit NRP-Geld von Bund und Kanton gefördert. Wandfluh meint dazu, dass viel Geld in die Projekte fliesse und alle ein Stück des Kuchens abhaben möchten. Der Verein Bike Voralpen, der das Projekt umsetzt, erklärt auf Anfage, sie hätten bislang keine Entschädigungsforderungen von Grundeigentümern erhalten, aber auch noch keine Vereinbarungen abgeschlossen. Die Gespräche verliefen konstruktiv, als nächster Schritt stehe ein 12-monatiger Testbetrieb an.

Der Vize-Präsident der Berner Waldbesitzer präsentiert im Interview zum Schluss eine neue Idee: Alle Mountainbiker – oder Velofahrerinnen, das wird nicht klar – sollen jährlich eine Vignette lösen. Wörtlich: «Wer ein Fahrrad kauft, der sollte dieses kostenpflichtig einlösen müssen.» Aus dem Erlös sollen der Unterhalt bezahlt und die Waldbesitzer entschädigt werden.

Diese Idee wird der BWB gemäss Wandfluh aber nicht vorantreiben. Und offenbar hat er das auch als Nationalrat nicht vor. Vielmehr sollen sich seiner Ansicht nach die «Velo-Organisationen auf nationaler Stufe» darum bemühen. Anders gesagt, die Mountainbiker sollen sich dafür einsetzen, künftig im Wald flächendeckend Wegzoll bezahlen zu dürfen – als einzige Nutzer dieser öffentlichen Wege. Die Idee wird auch in der Bike Community diskutiert und von einigen als notwendiger Schritt betrachtet, wie eine Reportage in der neusten Ride Ausgabe (°101) zeigt.