Blog: Langweiler-Trails führen langfristig in die Sackgasse | Ride MTB

Blog: Langweiler-Trails führen langfristig in die Sackgasse

Sind die Trail-Bauer auf dem richtigen Weg?

Im Frühling fahren sie auf, die Bagger der Trail-Bauer. Dann wird wieder an neuen Bike-Strecken geschaufelt. Nicht selten lautet dabei der Auftrag: eine Strecke für alle! Es entstehen austauschbare Langweiler-Routen während gleichzeitig die Fahrtechnik der Mountainbiker laufend steigt. Eine absurde Situation, meint Thomas Giger in seinem Blog-Beitrag.

Wir schreiben das Jahr 2010. Ich habe damals entdeckt, dass quasi vor der Haustüre mit der geschickten Kombination der Bergbahnen eine Mountainbike-Tour gefahren  werden kann mit 10‘000 Höhen­meter Singletrail-Abfahrt in ­einem Tag. Es war die Geburtsstunde der Bahnentour Davos. Mir war klar: Diese Tour wird ein­schlagen. Die Kombination aus Heraus­forderung, Natur-Erlebnis und Spass entsprach genau dem Zeitgeist.

Mit meinem Enthusiasmus war ich aber weitgehend alleine unterwegs. Das Angebot sei zu extrem. Die Trails zu schwierig. Für solche Angebote gäbe es keinen Markt. Allem Gegenwind zum Trotz entwickelten wir die Bahnen­tour faktisch im Allein­gang als buchbares Angebot. Am Tag der Saison­eröffnung wussten die Bergbahnen dann nicht, wohin mit all diesen Mountainbikern. Die Bahnentour hat eingeschlagen.

Das war vor knapp 14 Jahren. Der Muster­knabe war geboren und der Beweis erbracht. Mountainbiker erwarten (auch) knackige Angebote. Wenn man heute aber durch die Alpen und die Agglo­merationen zieht, haben das nur die wenigsten erkannt. Aus Sicht der Mountainbiker ein ernüchterndes Bild.

Die Kids von heute wollen in Zukunft keine flachgebügelten Langweiler-Trails

Kommunen planen immergleiche und aalglatte Trails, die auch der Schwiegermutter ­taugen sollen. Touristiker präsentieren Mountainbike-Routen ohne Charakter, damit auch Klethi und Prethi heil im Tal ankommen. Und wenn dann eine Route mit ­Familien-Strecke angeschrieben ist, dann ist sie mit Sicherheit eine flachgebügelte Anfänger­strecke. Gerade bei den Kindern zeigt sich jedoch, wie wenig Fachverständnis an den Tag gelegt wird. Denn Kinder bringen mittler­weile viel bessere Fahr­technik mit. Die Trail-Kids sind ein Sinnbild für die Perspektiv­losigkeit bei der Mountainbike-Infra­struktur. Denn sind Lina und Luis in einigen Jahren erwachsen, werden sie über eine nie dagewesene Fahrtechnik verfügen. Und sich nicht mit aal­glatten Flow-Trails abspeisen ­lassen. Gähnen statt Grinsen. Trotzdem ist die Anzahl der Langweiler-Trails in den letzten Jahren förmlich explodiert. Ganz offensichtlich steuern die Planer, Bauer und Touristiker sehenden Auges in die untaugliche Mountain­bike-Infrastruktur. 

Dabei gäbe es mit der Bahnentour das augenfällige Exempel, wie es funktionieren kann. Und wie eine Infrastruktur genutzt wird, die in Jahren den Kids von heute taugen wird. Wer bei der Angebotsplanung aber zu stark auf den Schwiegervater schaut, hat den Fokus verloren. 

Weitere Blog-Beiträge von Thomas Giger

ride-mtb.com/blog/giger

 

Reportage zum Trail-Bau in Ride N°90

Hinweis: Die aktuelle Ride-Printausgabe (N°90) umfasst einen ausführlichen und lesenswerten Artikel über die verschiedenen Philosophien des Trail-Baus. Die Ausgabe gibts im Online-Shop oder als PDF-Download: ride-mtb.com/download

Reportage Ride N°90: Die unterschiedlichen Philosophien im Bau und Unterhalt von Trails