Das sind die besten Handschuhe, die ich je hatte
Es war ein Spontankauf, am Teilchenbeschleuniger Fahrrad-Flohmarkt. Handschuhe kann ich immer brauchen, sie gehen ja auch immer wieder kaputt. Die Dinger mit der Aufschrift Grippp sahen interessant aus und fühlten sich beim ersten Anziehen gut an. Wie viel ich bezahlt habe, weiss ich nicht mehr. Gelohnt hätten sie sich auch zum vollen Preis
Das Leder auf der Innenseite ist so weich und geschmeidig, wie ich das bei keinem anderen der unzähligen Mountainbike-Handschuhe erlebt habe, die ich schon um die Finger hatte. Auf dem Trail sind die Handschuhe wirklich einmalig griffig. Die Hand klebt geradezu am Lenkergriff. Das könnte auch daran liegen, dass der Hersteller zuerst Golfhandschuhe produziert hat, bevor er sein Know-how auf den Radsport übertrug.
Die Marke Hirzl war mir bis dahin völlig unbekannt. Und sie ist mir auch seit diesem Kauf kaum je begegnet. Ihr Ursprung liegt in der Schweiz, ob der Hügel namens Hirzel an der Grenze zwischen den Kantonen Zürich und Zug etwas damit zu tun hat, konnte mir die Unternehmens-Kommunikation nicht sagen. Der Sitz ist St. Gallen. Vermarktet werden die Handschuhe aber von Isny im Allgäu aus.
Speziell gegerbtes Känguru-Leder
Das Geheimnis des weichen und griffigen Leders ist noch etwas weiter weg zuhause. Es stammt vom Känguru. Seine Eigenschaften erhält das Leder dank eines geheim gehaltenen mehrstufigen Verfahrens, erklärt Jan von der Vertriebsfirma ESBT. So komme der Grippp auf «bis zu dreimal mehr Gripp bei Trockenheit und bis zu fünfmal mehr Gripp bei Regen als vergleichbare Handschuhe.»
Kängurus sind in Australien nach wie vor sehr verbreitet und mit Ausnahme einzelner Unterarten nicht gefährdet – auch weil die Regierung streng darüber wacht, dass das so bleibt. Wie Wildtier-Populationen in den Alpenländern wird jene der Kängurus in Australien durch Jagd konstant gehalten. Wenn es in einer Region besonders viele Tiere gibt, zahlt die australische Regierung sogar Abschussprämien, wie das aktuell in Süd-Australien der Fall ist. Klar ist: Auch wenn ihr Fleisch und ihre Haut nicht mehr industriell genutzt würden, würden weiterhin Kängurus getötet, weil sie sonst so viele würden, dass sie sie andere Tier- und Pflanzenarten gefährden würden.
Für jene, die Tierprodukte generell ablehnen, sind Handschuhe aus Känguruleder natürlich trotzdem nichts.
Erstaunlich ist, dass die Handschuhe noch nach Jahren geschmeidiger sind, als andere direkt nach dem Kauf. Zudem sind sie so gut verarbeitet, dass sie auch nach unzähligen Stunden im Einsatz noch völlig intakt sind. Einzig die Farben sind nicht mehr ganz die, die sie einmal hatten. Trotzdem werde ich mir demnächst ein weiteres Paar kaufen, nur schon, um Ersatz zu haben, falls meine ersten Grippps mal nicht greifbar sein sollten.