Deutsche Fahrrad-Industrie verzeichnete 2025 weniger Verluste
Es ist alles eine Frage der Perspektive. Statt über erneut rückläufige Umsatz- sowie Absatzzahlen der Fahrrad-Industrie zu lamentieren, verwies der Geschäftsführer des deutschen Zweirad Industrie Verbandes (ZIV), Burkhard Stork, auf die katastrophale Lage bei den Auto-Herstellern und erklärte bei der Bilanz-Pressekonferenz für das Jahr 2025: «Wir sind sehr viel resilienter als andere Industrien.» Trotz eines herausfordernden Umfeldes habe die deutsche Fahrradindustrie ihre Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, unter Beweis gestellt. Denn das abgelaufene Jahr war erneut ein schwieriges für die Zweirad-Branche. Volle Lager und ein gesättigter Markt sorgten zum wiederholten Male für Rückgänge bei den Umsätzen, den Verkäufen und den Preisen, doch das Minus fiel nur mehr leicht aus. Angesichts der aussergewöhnlich starken Corona-Jahre, die stets als Vergleichswerte herangezogen werden, könne man sogar daher von einer langsamen Stabilisierung sprechen.
«Krise ist das keine»
In absoluten Zahlen bedeutet das für die deutsche Fahrrad-Industrie, dass 2025 insgesamt 3,8 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft wurden, was einem Minus von 3,9 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Für den ZIV pendelt sich die Zahl damit auf dem Vor-Corona-Niveau ein und angesichts der allgemeinen Konsumschwäche falle der Rückgang moderat aus. Vergleicht man die Zahlen der vergangenen zehn Jahre, so lagen die Gesamtverkäufe allerdings nur 2017 mit 3,9 Millionen verkaufter Fahrräder ähnlich nieder. ZIV-Geschäftsführer Stork sagt dazu: «Krise ist das keine. Wir liegen im Durchschnitt bei etwa 4 Millionen verkaufter Fahrräder. Die Idee eines gleichbleibenden Allzeithochs wie zu Corona-Zeiten war falsch.»
Gleichbleibend ist das Verhältnis zwischen verkauften E-Bikes und Fahrrädern ohne Motor. Wie schon in den vergangenen zwei Jahren liegt das bei 53 Prozent E-Bikes zu 47 Prozent Fahrräder ohne Motor. Allerdings sind bei den E-Bikes insgesamt die Preise rückläufig, was auf volle Lager und Rabattaktionen zurückzuführen sei. Dadurch sank das Preisniveau in diesem Segment um 3,8 Prozent auf 2.550 Euro, während es bei Fahrrädern ohne Motor bei rund 500 Euro stabil blieb. Die Rückgänge bei den E-Bikes seien aber zum Teil durch die anhaltend hohe Nachfrage bei hochpreisigen Gravel- und Rennrädern ausgeglichen worden, sodass man beim ZIV auch hier von Stabilität spricht.
Hoher Verkaufswert
Rückläufig war 2025 auch der Umsatz aus dem Verkauf von Fahrrädern. Auch wenn dieses Minus geringer ausgefallen ist als noch 2024 (-10 Prozent), so sank er doch um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Betrachte man aber das gesamte Bild, so liege man damit immer noch deutlich über dem Vor-Corona-Niveau, als 2019 mit 4 Milliarden Euro Jahresumsatz ein Rekordwert erreicht worden war. Das spricht für einen gestiegenen Verkaufswert der Fahrräder in Deutschland.
Positive Neuigkeiten gibt es bei den Exporten, die 2025 wieder annähernd auf das Niveau von 2023 gestiegen sind. Insgesamt exportierten die deutschen Hersteller 1,39 Millionen Fahrräder. Und auch der deutsche Fahrrad-Fachhandel, der durch den Verbund Service und Fahrrad (VSF), bei der Bilanz-Pressekonferenz vertreten war, hatte positive Neuigkeiten zu vermelden. Beim Werkstatt-Geschäft konnte 2025 ein sattes Plus von 13,5 Prozent verbucht werden. Die durchschnittlichen Verkaufspreise seien stabil geblieben und der Umsatz in den Fachgeschäften liege nach wie vor deutlich über jenem, der Vor-Corona-Zeit, wie VSF-Geschäftsführer Uwe Wöll erklärte. Wobei er einräumte, dass das Umsatz-Minus von 6,8 Prozent im Jahr 2025 «weh tut und viele hart getroffen hat».
Lagerbestände leeren sich
Insgesamt blickt die deutsche Fahrrad-Industrie aber vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Das Thema Lagerbestände sei 2025 weiter ein Problem gewesen, doch mit Ende 2026 rechnet der ZIV mit einer Normalisierung. Aktuell liege die so genannte Lagerdrehzahl, die angibt wie oft ein Lagerbestand während eines Geschäftsjahres aus dem Lager genommen und ersetzt wurde, in der Fahrradbranche bei nur 1,7. Wünschenswert wäre eine Lagerdrehzahl von 2,7 oder 3, erklärte Stork. Zum Vergleich: bei einem Lebensmitteldiskonter kann diese Zahl bei 40 liegen, bei Juwelieren oft sogar unter 1.
Die wirtschaftliche Situation 2025 sei nicht einfach gewesen, das habe auch die Fahrradbranche zu spüren bekommen. Aber sie habe sich behauptet, sagte Stork. Die Produktion stabilisiere sich auf hohem Niveau. Klassische Fahrräder haben leicht zugelegt, E-Bikes pendeln sich auf hohem Niveau ein. Damit diese Konsolidierung anhält, gelte es bisher ungenutzte Möglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette, wie Service, Versicherungen und Werkstätten ins Visier zu nehmen. Entscheidend werde zudem sein, ob es der Branche gelinge, bisher unterrepräsentierte Zielgruppen, wie Frauen und Kinder, anzusprechen. Gleich wie im Vorjahr erneuerte der ZIV seine Forderung an die Politik, Radfahren durch entsprechende Maßnahmen noch attraktiver zu machen und in die dafür nötige Infrastruktur sowie Rahmenbedingungen zu investieren.