Die Bikepark-Falle | Ride MTB

Die Bikepark-Falle

Bergpuls

Für viele kleinere Skigebiete unter rund 1'500 Metern wird der Winter zum Risiko. Regen fällt häufiger als Schnee. Beschneiung kostet mehr und bringt weniger Planungssicherheit. Gleichzeitig ziehen grosse Destinationen Gäste, Kapital und Aufmerksamkeit an sich. In dieser Lage wirkt der Sommer wie ein Ausweg. Der Lift soll weiterlaufen, diesmal mit Mountainbikern. Ein neuer Park soll Geld bringen. Gebaggerte Lines sollen ersetzen, was auf der Piste fehlt.

Das kann klappen. Aber nur dort, wo Gelände, Nachfrage, Kapital und Konzept zusammenpassen. Zu oft wird ein Sommerprodukt auf ein Modell gesetzt, das sich im Winter längst nicht mehr rechnet.

Ein Fall, der alles zeigt

Königsberg-Hollenstein in Niederösterreich zeigt diese Logik in aller Härte. nde 2025 meldete die Betreibergesellschaft Konkurs an. In der letzten Saison standen mehr als 650'000 Euro an operativen Kosten einem Bilanzverlust von 452'500 Euro gegenüber. Den rund 767'000 Euro Schulden stand ein restliches Vermögen von lediglich etwa 120'000 Euro gegenüber. Der Winterbetrieb lief an genau drei Tagen. 

Der Standort hatte nicht nur fünf Schlepplifte, einen Kinderseillift und rund 14 Pistenkilometer, sondern auch einen Sommer-Bikepark. Der Bikepark war nicht die Ursache des Kollapses. Aber er war auch nicht die Rettung. Genau das ist der Punkt. Wenn der Winter fast ausfällt, kann ein Sommerprodukt das Loch nicht einfach schliessen. Schon gar nicht dann, wenn es selbst Infrastruktur, Pflege, Personal und laufenden Unterhalt braucht.

Vier Märkte, ein Druck

Königsberg ist kein Ausreisser. Der Fall steht für einen grösseren Druck, der sich quer durch den Alpenraum zieht. Am Dreiländereck in Kärnten brach der Betrieb unter 3,2 Millionen Euro Schulden zusammen. In Jungholz rutschten die Skilifte 2024 in die Insolvenz. Selbst am Sudelfeld in Bayern ging es nicht ohne wiederholte staatliche Beihilfen in Millionenhöhe weiter. Und in Norditalien mussten wegen akutem Schneemangel mehrere Gebiete früh schliessen, darunter Predaia, Terminillo und Merano 2000.

Diese Fälle beweisen nicht alle dasselbe. Und sie belegen nicht, dass jeder Bikepark ein Gebiet in die Pleite führt. Sie zeigen etwas Wichtigeres: Kleine und mittlere Skigebiete stehen heute unter so starkem strukturellem Druck, dass jede neue Sommer-Investition sofort zur Wette wird. Wer in dieser Lage einen Bikepark plant, baut nicht in einen freien Markt. Er baut in einen Markt, der bereits unter Klima-, Kosten- und Konkurrenzdruck steht.

Der Fehler steckt in der Rechnung

Ein gebauter Bikepark ist kein Wegweiser im Wald. Er ist ein Betrieb. Gebaggerte Lines, Anlieger, Absprünge, Drainagen, Holzfeatures, Beschilderung, Sicherheit, Rettung, Reparaturen: All das kostet jedes Jahr Geld. Was auf dem Papier wie Fortschritt aussieht, wird in der Praxis zu Maschinenstunden, Haftung und Unterhalt.

Für eine grosse Destination gehört das zum System. Für eine kleine Liftgesellschaft kann es der nächste Klotz am Bein werden. Genau hier kippt die Rechnung vieler Projekte. Der Park soll neue Gäste bringen. Tatsächlich bringt er zuerst neue Verpflichtungen.
Befürworter solcher Projekte haben dennoch einen Punkt. Bikeparks können Gäste anziehen. Sie können jüngeres Publikum bringen. Sie können Verleih, Gastronomie und Hotellerie beleben. Nur reicht das nicht automatisch. Wenn der Winter zu schwach, der Lift zu alt und die Bilanz schon vorher zu dünn ist, wird der Sommer nicht zur Sanierung. Er wird zur Verlängerung des Problems mit neuen Kosten.

Die bessere Antwort ist kleiner

Die Antwort darauf kann nicht sein, das Mountainbike abzuschreiben. Im Gegenteil. Viele Regionen sollten es ernster nehmen als bisher. Aber nicht als billige Kopie der grossen Bikeparks.

Für viele kleine Täler liegt die Chance eher in guten Touren, gepflegten bestehenden Wegen, klarer Beschilderung, legalen Zugängen und einer möglichst langen, liftunabhängigen Bikesaison als in einem halben Bikepark auf Pump. Das ist weniger spektakulär auf dem Prospekt. Aber oft näher an dem, was viele Mountainbiker tatsächlich suchen: gute Trails, ehrliche Touren, Landschaft, Ruhe und eine Einkehr, die nicht am Ende eines defizitären Liftmodells hängt.

Mountainbiken ist eine Chance. Aber es ist kein Reanimationsprogramm für ein Wintersystem, das wirtschaftlich bereits kippt. Wer das verwechselt, baut nicht Zukunft. Er baut neue Kosten in ein altes Problem.