Einwandfrei versichert – bis es ernst wird?
Im Kleingedruckten stehen die Sätze, die keiner liest. Manche Verträge schliessen Downhill, Rennstrecken oder Trails ab Schwierigkeitsstufe S3 aus. Für viele Fahrer gehört das nicht zu exotischen Grenzbereichen, sondern zu einem normalen Wochenende. Das Mountainbike liegt im Gebüsch, der Rahmen ist gebrochen. Genau dort, wo der Sport für viele erst anfängt, endet bei manchen Policen der Schutz. Und selbst wenn nicht das Mountainbike das Hauptproblem ist, beginnt die eigentliche Kostenfrage oft erst danach.
Wenn der Sturz teuer wird
Die Zahlen sind eindeutig: Ein E-Bike-Unfall kostet in der Schweiz im Schnitt 7'400 Franken, mehr als dreimal so viel wie ein Unfall mit einem normalen Fahrrad. Spitzenfälle erreichen bis zu 250'000 Franken. Eine Differenz, die keine Versicherung ignorieren kann.
Dazu kommen mehr schwere Unfälle. In der Schweiz hat sich die Zahl schwerer E-Bike-Unfälle innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. In Deutschland starben 2025 von 462 getöteten Radfahrern 217 auf einem E-Bike. Das entspricht fast der Hälfte, obwohl E-Bikes einen deutlich kleineren Anteil am Gesamtbestand ausmachen. In Österreich stieg der Anteil von E-MTB-Unfällen an allen dokumentierten Mountainbike-Unfällen in wenigen Jahren von einem auf elf Prozent. Die Folgen landen am Ende immer an derselben Stelle: bei Kassen, Versicherungen und Fahrern. Hier geht es nicht um den Motor, sondern um die Rechnung danach.
Was die Bergung kostet
Im alpinen Gelände beginnt der teure Teil oft erst nach dem Sturz. Ein Heli-Einsatz kostet 3'000 bis 8'000 Euro, bei längeren Einsätzen fallen 60 bis 90 Euro pro Flugminute an. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung Rettung und Bergung nur begrenzt. Ein konkretes Beispiel: 4'128 Franken pro Person für eine Evakuierung ohne medizinische Notwendigkeit. In Deutschland zahlen gesetzliche Kassen nur bei medizinischer Notwendigkeit. In Österreich sind Bergrettung und Heli oft gar nicht Teil der gesetzlichen Deckung.
Zusatzschutz über DAV, ÖAV oder ÖAMTC kann helfen, löst das Problem aber nicht: Die Deckungssummen enden bei 50’000, 25’000 oder 10’000 Euro. Das klingt nach viel Geld, ist es aber nicht mehr, wenn ein schwerer Sturz, ein langer Einsatz und ein demoliertes Bike zusammenkommen.
Vor der Prämie kommt die Logik
Die Kosten steigen, der Schutz bleibt lückenhaft. Es gibt bislang keinen belegten Sondertarif nur für E-MTB-Fahrer. Die nächste Frage liegt auf der Hand. Wo Schäden wachsen, wird gerechnet. Irgendwann folgt daraus die Prämienfrage. In der Schweiz kommt ein weiterer Punkt hinzu: Wird ein Unfall als Wagnis eingestuft, kann die Unfallversicherung Taggeld und Renten um mindestens 50 Prozent kürzen.
Das E-MTB bringt mehr Leute auf den Berg. Jetzt zeigt sich, was das kostet. Versicherer haben immer gerechnet. Manche Fahrer glauben noch immer, sie seien auf jedem Trail automatisch gedeckt. Dass das nicht stimmt, merken sie oft erst, wenn die Rechnung kommt.