Endstation Bahnsteig: Warum Mountainbiker beim Reisen scheitern
Das Ticket ist gebucht, der Ausflug geplant. Doch statt einer unkomplizierten Anreise reiht sich Hürde an Hürde: Reservierungspflicht, fehlender Stellplatz, zu schmale Haken. Je nach Land kommen weitere Probleme hinzu. Warum scheitert der Plan «Zug plus Mountainbike» so oft schon am Bahnsteig?
Drei Länder, drei Regeln
In der Schweiz sind die Tarife für Velos vergleichsweise übersichtlich. Für längere Strecken reicht meist die Velo-Tageskarte. Im Fernverkehr wird es jedoch komplizierter. Zwischen dem 21. März und dem 31. Oktober verlangt die SBB in fast allen InterCity-Zügen eine Reservierung, auf manchen Linien sogar täglich. Wer spontan reist, muss früh prüfen, ob noch ein Platz frei ist.
In Deutschland liegt das Problem woanders. Im Fernverkehr gilt Reservierungspflicht, im Nahverkehr variieren die Regeln je nach Bundesland und Verkehrsverbund. Hinzu kommt der knappe Platz: Im ICE 4 gibt es nur acht Fahrradstellplätze. Auf beliebten Sommerstrecken sind diese oft früh ausgebucht. Für Mountainbiker heißt das: Ohne Planung bleibt man schnell stehen.
In Österreich ist die Mitnahme ebenfalls streng geregelt. Im Fernverkehr ist eine Reservierung Pflicht. Spontane Fahrten werden durch ein kompliziertes Preissystem oft teurer. Besonders problematisch sind die technischen Vorgaben: Die ÖBB erlauben eine maximale Reifenbreite von 4,2 Zentimetern. Viele moderne Mountainbikes überschreiten diesen Wert.
Was das für Mountainbiker bedeutet
Mountainbiker trifft das besonders hart. Moderne Enduros und E-Mountainbikes sind schwerer, breiter und unhandlicher als Alltagsräder. Genau hier beginnen die Probleme. Senkrechte Haken in älteren Waggons sind für breite Reifen oft zu eng. Hinzu kommt der Platzmangel. Im Fernverkehr bleiben Stellplätze rar. Im Nahverkehr teilen sich Biker den Mehrzweckbereich mit Kinderwagen, Gepäck und Rollstühlen. Die Prioritäten sind klar: Rollstühle und Kinderwagen haben Vorrang. Fahrräder stehen hinten an. Selbst mit gültigem Ticket kann das bedeuten, dass ein Biker am Bahnsteig zurückbleibt.
Politisch tut sich etwas. Die EU schreibt bei neuen oder modernisierten Zügen mindestens vier Fahrradstellplätze pro Zug vor. In Deutschland gibt es zudem gesetzlich verankerte Fahrradbeförderungspläne. Doch im Alltag vieler Mountainbiker ändert das wenig. Die Kombination aus Bahn und Rad gilt seit Jahren als Teil der Verkehrswende. Doch solange Stellplätze knapp bleiben und viele Regeln nicht zu modernen Mountainbikes passen, endet der gute Plan oft dort, wo er beginnen sollte: am Bahnsteig.