«Herbe Enttäuschung» – MTB-Vertreter kritisieren Koalitions-Programm | Ride MTB

«Herbe Enttäuschung» – MTB-Vertreter kritisieren Koalitions-Programm

Murgtal-Trails (Baiersbronn)

Die neue Regierung Baden-Württembergs will flächendeckend Singletrails. Und sie will auch das Gegenteil davon, nämlich die Zwei-Meter-Regel. Die politisch engagierten Mountainbiker hatten Hoffnung in die Koalition gesetzt und kritisieren deren Programm jetzt in deutlichen Worten.

Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Diese Frage stellt sich Mountainbikern in Baden-Württemberg. Die neu gewählte Regierung bekennt sich in ihrem Koalitionsprogramm zum Ziel, im Bundesland müsse es flächendeckend legale Singletrails geben. Gleichzeitig will Schwarz-Grün an der Zwei-Meter-Regel festhalten, also am Verbot bestehende schmale Wege mit dem Mountainbike zu befahren. Erlaubt soll dies nur dort sein, wo Strecken extra dafür gebaut oder Wege explizit dafür freigegeben worden sind.

Für die Mountainbikenden in Baden-Württemberg ist das Glas offenbar halbleer. Das zeigen ihre Reaktionen auf das Koalitionsprogramm. Nico Graaff, Geschäftsführer des Mountainbike Forums Deutschland meint: «Das Festhalten an der Zwei-Meter-Regel ist eine herbe Enttäuschung für alle Radfahrenden in Baden-Württemberg.» Er bezeichnet es zudem als verpasste Chance für die Förderung von Gesundheit, Regionalentwicklung und Tourismus.

Janet Weick, Sprecherin der DIMB IG Rems-Murr, argumentiert: «Die Zwei-Meter-Regel bringt aus meiner Sicht weder einen belegbaren Mehrwert für Naturschutz noch für Sicherheit, verursacht aber enormen bürokratischen Aufwand, Rechtsunsicherheit und Frustration im Ehrenamt.» Sie verweist auf das DIMB-Projekt im Rems-Murr-Kreis und ist sicher, dieses wäre unter den heutigen naturschutzrechtlichen Anforderungen kaum noch realisierbar. 

Die Folge laut Weick: «Statt wie zu Beginn pragmatisch legale und naturverträgliche Trails zu ermöglichen, bleiben aktuell vielerorts inoffizielle Trails bestehen, weil Kommunen und Ehrenamtliche die Hürden kaum noch bewältigen können.» Umso enttäuschender sei es, dass die Zwei-Meter-Regel im Koalitionsvertrag ausdrücklich festgeschrieben wurde.

Wie realistisch sind flächendeckende Singletrails?

Die Kritiker nehmen die volle Hälfte des Glases durchaus zur Kenntnis. Graaff dazu: «Das Bekenntnis, Single-Trails flächendeckend etablieren zu wollen, ist ein wichtiges und richtiges Ziel, das wir ausdrücklich begrüßen – die Verantwortung dafür wird jedoch auf die kommunale Ebene verschoben. Wir werden diese Koalition daran messen, wie sie die Kommunen dabei konkret unterstützt.»

Konkret sichert die Landesregierung den Kommunen nicht näher definierte Hilfe bei der Durchführung von runden Tischen zu, die Lösungen in der Singeltrail-Frage finden sollen. Dass auf lokaler Ebene Singletrails geschaffen werden, statt aus Stuttgart heraus befohlen, klingt sinnvoll. Die Vertreterinnen der Community befürchten aber, dass die «flächendeckenden Singletrails» so ein hehres Ziel bleiben und sich an der Situation im Zwei-Meter-Land Baden-Württemberg nichts ändern wird.

Die Singletrail-Politik der neuen Regierung Baden-Württembergs ist Thema einer Podiumsdiskussion am Mountainbike-Kongress 2026 vom 16. bis 18. Juni in Aalen. Wer die Regierung dort vertritt, ist noch nicht klar. Die Personen werden es auf jeden Fall mit Janet Weick zu tun bekommen, die die Sache der Trailbikerinnen verteidigt.