Isartrails bei München: Die unendliche Saga geht in die nächste Runde | Ride MTB

Isartrails bei München: Die unendliche Saga geht in die nächste Runde

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Die Isartrails am Rand von München scheinen ihrer Realisierung wieder einen Schritt näher. Im Winter 2026-27 sollen die Bauarbeiten beginnen. Zehn Jahre nach dem ersten behördlich akzeptierten Konzept, könnten die offiziellen Trails im Isartal realisiert sein. Vielleicht dauert es aber auch noch etwas länger.

Alle paar Jahre wieder heisst es: «Die Isartrails werden gebaut». Schon 2017 war ein erstes Nutzungskonzept fertig. Corona verschärfte die Situation, weil es die Frequenzen in der Auenlandschaft am Rande Münchens in neue Rekordhöhen steigen liess. Ride berichtete 2024, Stadt und Landkreise München stellten 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Trailbau-Unternehmen werde den Ausbau voraussichtlich 2025 in Angriff nehmen, sagte damals einer der Zuständigen.

Gebikt wird an den Ufern der Isar bei München seit den Neunzigerjahren. Nach und nach sind so die Linien entstanden, die es heute gibt: manche entlang der Höhenlinien, auf Graten und Geländerücken, andere quer in die Tiefe stechend, vereinzelt gibt es Anlieger und Sprünge. Natürlich alles ohne behördlichen Segen. Die Geschichte der Isartrails und der Diskussion über ihre Berechtigung und Zukunft fasst der Beitrag des ehemaligen DAV-Vorstands Peter Dill sehr schön zusammen. Tiefpunkt aus Sicht der Mountainbiker: die Sperrung des Bombenkrater-Areals.

Die Auenlandschaft um die Isar südlich von München, ist auch ein wertvoller Naturraum. Diesen zu schützen und den Zehntausenden von Mountainbikerinnen in der Region weiterhin Raum zu geben, ist das Ziel der Isartrails. Seit 2009 suchen diverse Akteure nach einer Lösung.

Der DAV übernimmt

2025 haben Stadt und Landkreis München und die Sektion München des Deutschen Alpenvereins e.V. den Vertrag für die Umsetzung, des inzwischen überarbeiteten Nutzungskonzepts besiegelt. Der Alpenverein bringt sein Know-how aus dem Wegbau im Gebirge sowie viel organisatorische und personelle Power mit. Davor waren die DIMB und der Isartalverein als Betreiber im Gespräch, für beide wäre der Unterhalt der Trails personell jedoch ein sehr grosser Brocken gewesen. Die DIMB schiebt nach, dass der DAV als Naturschutzverband besser geeignet sei, im Schutzgebiet der Isarauen tätig zu werden. Die DIMB bringe ihr Know-how in der Steuerungsgruppe des Projekts ein.

Inzwischen sind es sogar 2,7 Millionen Euro, die in ein offizielles Trailnetz investiert werden sollen. Kern der Umsetzung ist, die Linien zu bündeln, sensible Gebiete zu meiden und der Natur grössere zusammenhängende Flächen zurückzugeben. Es werden deshalb auch Linien geschlossen. Und zwar so, dass es zu keinen Konflikt mit anderen Nutzungsgruppen kommt, erklärt ein Vertreter des ebenfalls am Projekt beteiligten Vereins Mountainbike München im Münchner Merkur

Bea Draese, die Projektleiterin der Sektion München DAV, erklärt im Gespräch mit Ride, dass die Fördermittel erst noch bewilligt werden müssten. Den Entscheid fällt die Regierung von Oberbayern. Aktuell liefen die Abklärungen der Umweltverträglichkeit, die zeigen müssten, ob die Isartrails, wie sie die Trailbau-Spezialisten vorschlagen, in dem teilweise instabilen Gelände realisierbar und  umweltschutzrechtlich bewilligungsfähig sind.

Es gibt auch Widerstand

Die Vorschläge, wie aus dem bestehenden informellen Trailnetz die offiziellen Isartrails werden sollen, kommen vom deutschen Ableger des Schweizer Unternehmens Bikeplan. Welche Firma die Isar-Trails bauen wird, steht laut Draese noch nicht fest. Zuerst muss die Regierung die Vorschläge annehmen und die Mittel für die Realisierung genehmigen.

Die Genehmigung ist mehr als eien Formsache. Bea Draese bejaht auf Nachfrage, dass es auch Gruppen gebe, die weiterhin versuchten, die Isartrails zu verhindern. «Es gibt noch Hürden, vor allem was den Routenverlauf anbelangt, ob wir ändern oder reduzieren müssen», beschreibt sie. Die Regierung stehe dem Projekt zwar positiv gegenüber, «es gibt aber immer noch Potenzial, dass es nicht bewilligt wird».

Der Projektplan sieht vor, dass im Frühsommer der Entscheid fällt und der DAV darauf den konkreten Auftrag an mögliche ausführende Trailbau-Firmen formulieren kann. Gebaut werden darf nur im Winter. Dies wegen der Brut- und Schonzeit im Schutzgebiet (genauer: im Gebiet, das der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie FFH untersteht). Vorgesehen sind mindestens zwei Bauphasen, die erste im Winter 2026-27. 2028 sollen die Isartrails in Betrieb gehen. Vielleicht dauert es aber auch ein weiteres Mal etwas länger. Bis dahin fahren die Mountainbiker die Trails, auf denen sie seit Jahrzehnten unterwegs sind.


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