MTB-EM 2026 im Tessin – wird sie eine Beute der 32er? | Ride MTB

MTB-EM 2026 im Tessin – wird sie eine Beute der 32er?

Schurter Carrod Flückiger Monte Tamaro EM 2020

Nach der MTB-WM ist vor der MTB-EM – ganz besonders für die Schweiz, denn die Kontintnental-Meisterschaften finden im Tessin, am Monte Tamaro, statt. Swiss Cycling rückt in der Vorbereitung die 32-Zoll-Diskussion in den Mittelpunkt.

Mountainbike-Europameisterschaften haben nach wie vor nicht die Bedeutung der WM und schon gar nicht der Olympischen Spiele. Das zeigt sich auch darin, wie lange vorher diese Kontinentalmeisterschaften ein Thema sind. Das Wallis baute die WM 2025 während Jahren kommunikativ auf. Dass 2026 schon wieder MTB-Titel und Trikots in der Schweiz vergeben werden, ist bis jetzt kein grosses Thema.

Swiss Cycling informiert nun, gut zwei Monate vor Beginn über die UEC Mountain Bike European Championships. Von den lokalen Organisatoren tritt am Kick-off-Event niemand auf. Einzig Lokalmatador Filippo Colombo tut seine Freude kund, auf einem seiner Hometrails um Titel fahren zu können. «Ich bin drei Kilometer von der Strecke entfernt aufgewachsen. Mein Club organisiert die Wettkämpfe, meine Freunde und Familie werden an der Strecke stehen. Das sehr speziell für mich.»

Der Chef Leistungssport von Swiss Cycling Patrick Müller sieht die EM 2026 in einer Reihe mit der WM 2026 in Val die Sole, der Riesen-WM 2027 in der Haute-Savoie (Strasse, MTB, BMX) und schliesslich dem Endziel des aktuellen Zyklus, den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die EM sei in den letzten Jahren wichtiger geworden, argumentiert er im Gespräch mit Ride, immer mehr Top-Fahrer nähmen teil. «Für die Schweizer Athletinnen und Athleten ist es ein wichtiger Anlass, weil er im eigenen Land stattfindet.»

2020 hat schon eine EM in Rivera am Monte Tamaro stattgefunden – die «Corona-EM» im Oktober. Nino Schurter schnappte Titouan Carrod mit einem nicht unumstrittenenen Manöver den Titel auf der letzten Runde weg. Mathias Flückiger wurde Dritter. «Im Medaillenspiegel lag damals Frankreich auf Platz 1, die Schweiz auf Platz 2. 2026 wollen wir den Platz ganz oben», verkündet Patrick Müller.

Wird des die EM der 32er Bikes?

Was Swiss Cycling dafür tut, erläutert Nationaltrainer Beat Müller. Er kommt direkt auf das nächste grosse Ding der Mountainbike-Entwicklung zu sprechen: die 32-Zoll-Räder. Er präsentiert die eigenen Tests mit den Wagenrädern und leitet dabei die eindrückliche Formel 

Pη = Cr m g v + s m g ν + m a ν + 0.5 Cd A ρ ν3 

her, die den Vorteil quantifizieren soll. Das Resultat: 1,9 Prozent Zeitgewinn sollen 32 Zoll im Vergleich zu 29 Zoll auf einer geeigneten Strecke bringen. «Das sind in einem Cross-Country-Olympic-Rennen rund 100 Sekunden», beschreibt Beat Müller. 29 Zoll hätten im Vergleich zu 26 Zoll noch einen Vorteil von 2,4 Prozent gebracht, zieht er einen Vergleich. Und eine realistische Leistungssteigerung eines Spitzenathleten von einer Saison zur nächsten liege bei 1 Prozent. Vorteile brächten 32er auf ruppigen Strecken, weil die grossen Räder Hindernisse und Löcher mit weniger vertikaler Bewegung überrollen. Heisst: Es rüttelt weniger. Verwinkelte Parcours mit engen Kurven sind hingegen nicht das bevorzugte Terrain der neuen Radgrösse.

Wer wagt den Wechsel zuerst?

Im Gespräch mit Lars Forster, Alessandra Keller, Fabio Püntener, Patrick und Beat Müller wird klar: Alle Teams und Fahrer schauen, was die anderen tun. Wer wagt sich zuerst an die Startlinie mit einem 32er – und wie schneidet er oder sie damit ab? Viele haben getestet, die Ergebnisse seien noch nicht aussagekräftig, die Reifenauswahl ist noch sehr bescheiden und es gebe noch kaum wirklich passenden Gabeln sagen die Athleten. Aber wenn der erste Fahrer oder das erste Team den Wechsel macht, dann könnte es schnell gehen. Alessandra Keller präzisiert: «Am Cape Epic ist einer eine Etappe mit dem 32er Bike gefahren und es ist nichts Grosses passiert. Aber wenn einer mit dem 32er gewinnt, sieht es anders aus.» Wenn es aber soweit ist, sieht sie sich als grossgewachsene Fahrerin im Vorteil.

Beat Müller ist überzeugt, dass die 32er auf der ruppigen EM-Strecke am Monte Tamaro wie auch auf der WM-Strecke im Val di Sole Vorteile bringen. «Die Frage ist, ob der Markt schon bereit ist für den Wechsel, denn die Hersteller haben noch viele 29er, die sie loswerden wollen.» Er erwarte den Wechsel dennoch schon in der laufenden Saison, legt er sich fest. Ob schon vor der EM ein Fahrer grünes Licht für die grossen Räder bekommt, könne er nicht sagen. «Die Leistungsdichte ist besonders bei den Männern unglaublich hoch. Da machen die 1,9 Prozent, die wir errechnet haben einen grossen Unterschied. Wenn einer aus der Spitzengruppe diesen Vorteil abholt, ist es gut möglich, dass der neue Europameister einer auf 32 Zoll ist.»


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