Selbstentlüftende Bremsen? Schleiffrei wäre besser!
Das muss man Fox lassen - eine selbstentlüftende Bremse ist technisch spannend. Niemand entlüftet gerne Bremsen, und wenn sich dieser Wartungsschritt irgendwann von selbst erledigt, ist das grundsätzlich eine gute Nachricht. Nur stellt sich hier diese Frage: Löst die Innovation das Problem, das Mountainbiker tatsächlich haben?
Denn seien wir ehrlich. Die meisten Fahrer und Mechaniker verbringen deutlich mehr Zeit damit, eine schleifende Bremse zu richten, als eine Bremse zu entlüften. Das Entlüften ist zwar lästig, kommt aber vergleichsweise selten vor. Das nervige „zing-zing-zing“ einer leicht schleifenden Scheibe dagegen gehört fast schon zur akustischen Grundausstattung vieler Bikes. Kaum hat man den Bremssattel perfekt ausgerichtet, schleift es nach dem nächsten Laufradeinbau wieder. Oder nach einer harten Kurve. Oder nach einer ruppigen Abfahrt. Oder einfach so, weil die Bremse offenbar beschlossen hat, heute eigene Wege zu gehen.
Das Problem: Hier stösst die Industrie an deutlich härtere Grenzen als beim Entlüften. Eine Scheibenbremse sitzt genau an der Schnittstelle verschiedener Komponenten. Rahmen oder Hinterbau kommen von einem Hersteller, die Gabel von einem anderen, die Nabe vom nächsten, die Bremse von wieder einem anderen. Dazu kommen Fertigungstoleranzen, minimale Verzüge unter Last und die Tatsache, dass eine Bremsscheibe möglichst nahe an den Belägen laufen muss. Mit anderen Worten: Die Bremse funktioniert in einem System, das selten aus einer Hand stammt.
Genau deshalb ist das Schleifen seit Jahren ein treuer Begleiter vieler Mountainbiker. Und genau deshalb wäre eine wirklich schleiffreie Scheibenbremse vermutlich die grössere Revolution als eine selbstentlüftende.