Test: Cane Creek Tigon – das Beste aus zwei Welten
Das Wichtigste in Kürze
Der Einsatz des Hybrid-Dämpfers ist nicht bei allen Bikes sinnvoll. Modelle mit einer Kinematik mit konstruktionsbedingt hoher Progression profitieren weniger als solche mit einer niedrigeren linearen Progression. Der Test wurde mit einem Yeti SB16o, mit einer Endprogression von 17 Prozent, was eher linear ist, durchgeführt.
Cane Creek gibt vor, die «Ramp Tube» mit maximal 30 psi zu befüllen. Sie empfehlen, anfangs das System in Schritten von 10 psi zu testen, und sich dann vorzu mit kleineren Veränderungen zu befassen, bis der passende Druck für die erhöhte Progression gefunden ist. Durch das Befüllen der Luftkammer wird nicht nur die Endprogression gesteuert, sondern auch der Support im mittleren Federwegsbereich. Mit der Ramp Tube ist das Tigon in der Lage, 20 bis 35 Prozent mehr Progression zu bieten als ein typischer Stahlfederdämpfer.
Erster Eindruck
Die Verarbeitungsqualität wirkt absolut top und die goldenen Akzente geben dem Tigon das gewisse Etwas. Der stufenlose Climb Switch ist gut erreichbar und lässt sich ohne Kraft bedienen. Nicht so die Verstellung der High Speed Compression, das braucht gehörig Kraft in den Fingern. Da nutzt man besser den im Federbein «parkierten» 3-mm-Inbusschlüssel. Der passt gut in das Verstellrad und gibt die nötige Hebelkraft, um dieses zu drehen. Der Inbus wird primär für das Einstellen der Low Speed Compression und des Rebound-Verhaltens benötigt. Ungewöhnlich für ein Stahlfederbein, aber sehr praktisch: der eingelaserte SAG-Meter am Schaft. Je nach Dämpferpumpe muss der Climb Switch geschlossen werden, damit der Zugang zum Luftventil frei ist.
Im Einsatz
Wie von einer Stahlfeder zu erwarten, spricht das Tigon schon bei kleinsten Unebenheiten an. Das Fahrwerk fühlt sich auch ohne befüllte Ramp Tube progressiver an als mit einem Standard-Stahlfederbein. Das kommt von der Valt-Feder, die aufgrund ihrer enger werdenden Windungen an sich schon eine leichte Progression gewährt. Geht es auf Trails bergauf, verhindert die Pedal-Plattform das Wippen des soften Dämpfers effizient. Wer mit offenem System und mit Luft in der Ramp Tube fährt, profitiert von einem erhöhten Gegendruck im mittleren Federwegsbereich, was die Klettereigenschaften verbessert. In der Abfahrt und speziell bei sehr ruppigem Terrain oder unsanften Landungen nach Sprüngen zeigt sich, was die einstellbare Endprogression bringt. Da gibt sie besten Gegendruck und das Heck schlägt nie durch. Ansonsten leistet das Tigon gute Dienste, es braucht aber wegen der zahlreichen Einstellmöglichkein entsprechendes Know-how.
Ein paar Fahrten sind nötig bis der passende Druck in der Ramp Tube gefunden ist. Eine Empfehlung abzugeben ist unmöglich, da je nach Kinematik des Bikes andere Kräfte und Einflüsse auf das Fahrwerk einwirken. Mit dem Yeti waren 10 psi perfekt.
Fazit
Nach ein paar Abfahrten ist das passende Setup gefunden. Je nach Druck in der Ramp Tube gilt es, auch die Compression-Einstellungen anzupassen. Neben der variierbaren Endprogression gefällt beim Tigon der erhöhte sogenannte Mid-Strike-Support. Leider lassen sich die Drehknöpfe allgemein nur mit viel Handkraft oder mit dem Werkzeug verstellen, das hat noch Optimierungspotenzial.
Im Vergleich zu klassischen Stahlfederbeinen erhöht das Tigon die Performance spürbar. Gegenüber einem gut eingestellten Luftdämpfer ist der Unterschied gering. Da ist es eher eine Sache der Vorliebe bezüglich Fahrperformance, ob Luft- oder Hybrid-Dämpfer besser passen.
Empfehlung
Um an das passende Setup zu kommen, empfiehlt es sich, mit 30 psi zu beginnen und dann mit der Bracketing-Methode sich erst in 10- und später in 5-psi-Schritten an das gewünschte Resultat heranzupirschen.
Preis: CHF 749.00 / EUR 615.95