Verdrängt 32 Zoll kleine Rennfahrer vom Siegerpodest? | Ride MTB

Verdrängt 32 Zoll kleine Rennfahrer vom Siegerpodest?

Setzt sich 32-Zoll im Rennsport durch, haben dann kleine Fahrer das Nachsehen?

Der Hype um die neue Laufrad­grösse 32 Zoll betrifft vor allem den Rennsport. Sollten die grossen Laufräder wirklich schneller sein als Twentyniner, wirds für kleine Fahrer im Cross Country eng. In seinem Blog sinniert Balz Weber darüber, ob dieses konstruktionsbedingte Hindernis ähnlich wie im Basketball zu einer Zweiklassengesellschaft führen könnte: Man kann noch so viel Talent haben: Wer zu klein ist, wird es nie schaffen.

Noch ist das kein bewiesenes Szenario. Noch stehen wir am Anfang einer Entwicklung, die vielleicht wieder verpufft, vielleicht aber den nächsten Umbruch im Mountainbikesport, vor allem im Rennsport auslöst. Doch die Diskussion ist real. Mehrere Hersteller arbeiten an entsprechenden Konzepten, halten sich aber noch bedeckt. BMC testete bereits einen 32-Zoll-Prototyp im Umfeld des Cross-Country-Weltcups, kleine Hersteller wie Stoll, Actofive, Koba oder Salsa haben bereits Bikes mit 32-Zoll-Laufrädern präsentiert – wenn auch nicht zwingend für den Rennsport. Doch genau im Rennsport wird es spannend.

Die Argumente für die grossen Räder sind schnell erzählt. Sie rollen ruhiger über Hindernisse, bieten mehr Auflagefläche, mehr Traktion und können auf schnellen, ruppigen Kursen Zeit bringen. Genau dort, wo im Weltcup jedes Prozent zählt, wird aus einem technischen Vorteil sofort ein sportlicher Zwang. Wenn die Uhr sagt, dass 32 Zoll schneller ist, wird kaum ein Topfahrer freiwillig bei 29 Zoll bleiben.

Doch grössere Räder brauchen Platz. Und Platz ist bei kleinen Rahmen das knappste Gut. Ein 32-Zoll-Bike ist nicht einfach ein Twentyniner mit grösseren Laufrädern. Kettenstreben, Reifenfreiheit, Sitzrohr, Front, Überstandshöhe, Bewegungsfreiheit auf dem Bike: Alles muss neu gedacht werden. Vor allem bei kleinen Fahrern zählt jeder Millimeter. Was bei einem grossen Athleten elegant lösbar ist, kann bei einem XS-Rahmen zum ergonomischen Kompromiss oder sogar zum Ausschlusskriterium werden.

Genau hier liegt die Brisanz. Der Sport könnte in eine Richtung kippen, in der Körpergrösse plötzlich mehr bedeutet als Technik, Mut oder Trainingsfleiss. Nicht weil kleine Fahrer weniger leisten. Sondern weil das schnellste Material ihnen vielleicht gar nicht mehr passt. Das wäre eine stille, aber massive Verschiebung. Kein offizielles Verbot, keine sichtbare Schranke, aber am Ende doch eine Grenze.

Natürlich arbeiten Ingenieure daran, genau das zu verhindern. Es gibt Berichte von kleineren Prototypen, positiven Testfahrten und Herstellern, die betonen, dass 32 Zoll nicht nur grossen Fahrern vorbehalten sein darf. Auch das Beispiel Salsa zeigt, dass eine fast komplette Grössenpalette möglich ist, allerdings beginnt das 32-Zoll-Modell dort erst bei Small, während beim 29er auch XS existiert.

Auf den Rennsport bezogen wird sich 32 Zoll am Ende vielleicht nur auf bestimmten Strecken durchsetzen. Vielleicht bleibt es eine Nische für grosse Fahrer, Marathonisten und Technik-Freaks. Vielleicht finden die Entwickler aber auch Lösungen, die heute noch unmöglich wirken. Doch falls 32 Zoll im Weltcup wirklich zum neuen Massstab wird, muss der Sport eine unbequeme Frage stellen: Wollen wir, dass Rennen durch Talent entschieden werden, oder durch die Frage, ob der Körper gross genug für das schnellste Rad ist?

Zukunft 32 Zoll, aber für wen?