Vom Singletrail-Verbot zum Stillstand im bayrischen Miesbach | Ride MTB

Vom Singletrail-Verbot zum Stillstand im bayrischen Miesbach

DIMB Bayern Mountainbike Singletrails

Das Landkreis Miesbach in Oberbayern muss seine Landschaftsschutzgebiete neu festlegen. Einige wollen dies mit einer weitreichenden Singletrail-Sperre verknüpfen. Doch daraus wird erstmal nichts, das Vorhaben war rechtlich zu wacklig. Jetzt droht sogar die Aufhebung sämtlicher Schutzgebiete, wenn vor Ende Jahr keine neuen Grenzen definiert werden.

«Jetzt versucht es ein bayrischer Landkreis mit der 1,5-Meter-Regel», titelte Ride im vergangenen Sommer. Gemeint ist Miesbach in den bayrischen Voralpen. Dort versuchen politische und Verwaltungsbehörden seit langem, die Naturschutzgebiete neu zu definieren. Fun Fact: Nötig wurde das, weil die Karten verloren gegangen sind, auf denen die Grenzen eingezeichnet waren. 
 
Diesen Prozess haben gewisse Kräfte als Gelegenheit betrachtet, das Mountainbiken kräftig einzuschränken: auf Wege von mindestens 1,5 Meter Breite sowie eigens für Mountainbikerinnen freigegebene Singletrails und Strecken.
 
Die DIMB und der DAV wehren sich gemeinsam gegen diese Regel, die nach ihrer Ansicht einem pauschalen Bikeverbot nahekäme. Dieselbe Postion vertritt der lokale Gravitationssportverein, der die zwei einzigen offiziellen Biketrails, ein kleines Trailcenter und eine Skills Area betreibt; in einem Landkreis mit rund 100'000 Einwohnerinnen.
 
Gegen die Regelung sind nicht nur DIMB und DAV, sondern auch der lokale Gastronomie- und Hotellerieverband, die einen Rückschlag für den Tourismus befürchten. 

Einführung der Singletrail-Sperre auf dem Verwaltungsweg scheitert

Im Dezember 2025 wurde die Situation noch brenzliger. Denn die Befürworter des Singletrail-Fahrverbots hatten scheinbar einen Dreh gefunden, wie sie die 1,5-Meter-Regel auch ohne Parlamentsbeschluss in Kraft setzen können würden. «Das Landratsamt will nun beschließen, dass die Verwaltung – gemeinsam mit REO, Gemeinden sowie Land- und Forstwirtschaft – Zonen vorschlägt, in denen Radfahren weiterhin auf Wegen unter 1,5 Meter Breite verboten werden soll», schrieben DIMB und DAV damals. REO steht für Regionalentwicklung Oberland, eine halbstaatliche Standortförder-Organisation, die unter anderem ein neues Mountainbike-Streckennetz entwickelt. Dazu weiter unten mehr.

Die Zonierung muss bis zum 1. April 2027 erfolgt sein. Der Trick war, dass wenn bis zu diesem Stichtag keine Einigung erzielt worden wäre, alle Wege schmaler als 1,5 m gesperrt worden  wären, auch wenn das eigentliche Ziel, die Schutzzonen festzulegen nicht erreicht wird. DIMB-Referentin Sonja Schreiter erklärt: «Das heisst, die Mountainbikegegner unter den Kreisräten hätten ein großes Interesse, dass es zu keiner Einigung kommt, was für sie leicht zu bewerkstelligen wäre.»
 
Doch dann kommt es anders. Denn Anfang April 2026 übernimmt ein neuer Landrat – der Regierungschef des Landkreises. «Der ist selbst Jurist und aus seiner Wahlwerbung konnte man herauslesen, dass er einige Formulierungen aus den Verordnungsentwürfen ebenfalls für rechtlich wacklig hält», beschreibt Schreiter. Das Mountainbike steht dabei allerdings gar nicht im Zentrum, sondern Themen wie die Bewirtschaftung gewisser Flächen oder die Grenzen der Schutzgebiete. Und schon der vorherige Landrat sei wohl zum Schluss gekommen, dass einige Formulierungen in den Verordnungsentwürfen rechtlich unsicher sind.

Schutz der Landschaftszonen läuft Ende 2026 aus

Die 1,5-Meter-Regel am Parlament vorbei auf dem Verwaltungsweg einzuführen, ist also nicht so einfach wie gedacht. Mit dem Landrat wurde zudem auch das Parlament zu rund einem Drittel neu besetzt. Diese Mitglieder der Legislative müssen sich erstmal in die Materie – das Zonieren der Schutzgebiete – einarbeiten. Jetzt soll ein Gutachter aufzeigen, wie sich das Verfahren mit grösstmöglicher Rechtssicherheit und unter Berücksichtigung der begründeten Einwände durchführen lässt, wie die Lokalzeitung «Das Gelbe Blatt» schreibt. 
 
Für die Landschaftsschutzgebiete kommt es aber möglicherweise noch dicker. Noch einmal das Lokalblatt: «Die Neuausweisung könnte dauern. Bis Ende des Jahres sind die Landschaftsschutzgebiete noch gesichert.» Sonja Schreiter bestätigt: «Werden bis dahin keine neuen Landschaftsschutzgebiets-Verordnungen erstellt, fallen diese erst einmal ersatzlos weg.»

Was würde das für das Mountainbiken bedeuten? Schreiter ist überzeugt, dass der Landschaftsschutz auch im Interesse der Mountainbikenden ist, «denn auch sie suchen das Naturerlebnis.» Rechtlich würde sich für das Mountainbiken durch den möglichen Wegfall von Landschaftschutzzonen jedoch nichts ändern. Es war vorher nicht eingeschränkt und ist es ohne Schutzzone ebenfalls nicht. 
 
Hinzukommt, dass die Regionalentwicklung Oberland seit Jahren an der «Konzeption, Entwicklung sowie Umsetzung des Mountainbike-Streckennetzes der Region» arbeitet. Der Stand des Projekts gemäss Website: 39 Touren ohne Trail-Anteil, 565 Kilometer Mountainbikestrecken auf Forststrassen und sechs ausgeschilderte offizielle Trails. Schreiter sagt zu diesem Projekt, sie hätte davon schon länger nichts mehr gehört: «Die Erfahrung zeigt: Dort wo MTB-Planungen am Bedarf vorbei gehen, verfehlen sie auch ihre Lenkungswirkung. Wir sind gespannt, ob und in welcher Form der neue Kreistag am REO-Projekt festhalten wird.»