Wie die Corona-Lüge uns Mountainbiker heute zerfrisst | Ride MTB

Wie die Corona-Lüge uns Mountainbiker heute zerfrisst

Die Coronalüge trifft auf den Mountainbike-Trail

In der Schweiz soll der Mountainbikesport um einen Viertel geschrumpft sein, liest man aus einer aktuellen Studie. Was für ein Blödsinn. Wer die Zahlen genauer liest, erkennt: Die Sportart ist eigentlich sehr konstant. Dieser Fall zeigt mit aller Deutlichkeit, wie Corona bis heute das Bild des Mountainbikesports verfälscht. Es ist eine Art Corona-Lüge, der wir andauernd aufsitzen.

Wenn es nach den aktuellen Schlagzeilen geht, schaufeln wir Mountainbiker uns gerade das eigene Grab. Die Fahrradbranche heult im Kollektiv, Hiobsbotschaften dominieren den Markt, und jetzt setzt die neue Baspo-Studie dem Jammertal die vermeintliche Krone auf: Ein Rückgang von 25 Prozent beim Mountainbiken! Tönt dramatisch. Doch wer die Zahlen unaufgeregt liest, merkt schnell: Wir sind Opfer einer kollektiven Selbsttäuschung.

Es ist eine absurde Behauptung, unsere Sportart befinde sich im Niedergang, nur weil wir nicht mehr mit den überdrehten Pandemie-Zahlen mithalten können. Wer das Pandemie-Jahr als Massstab ansetzt, hat in Statistik schlichtweg geschlafen. Damals flutete die Bevölkerung mangels Alternativen den Wald und die Trails. Dass dieses Strohfeuer erlöschen würde, war schon damals klar.

Was wir erleben, ist kein Einbruch, kein Sturzflug, sondern schlicht die Rückkehr zur gesunden Realität.

Liest man die Baspo-Daten mit etwas Distanz, zeigt sich die nüchterne Wahrheit: Wir liegen heute mit dem Mountainbikesport über dem Niveau von vor Corona. Was wir erleben, ist kein Einbruch, kein Sturzflug, sondern schlicht die Rückkehr zur gesunden Realität. Die angebliche Krise ist kein Nachfrageproblem auf den Trails, sondern schlicht eine Falschinterpretation der Statistik. Ich nenne sie Corona-Lüge, weil sie genau das ist: eine Falschaussage, ausgelöst durch Corona.

MTB ist tot, es lebe der Schotter – wie bitte?

Wir reden den Mountainbikesport aber schon vor der jüngsten Studie unnötig klein. Zum Beispiel, indem wir uns andauernd mit dem Gravel-Rad duellieren. «MTB ist tot, es lebe der Schotter!», rufen die Trendscouts. Ein Blick in die Statistik entlarvt die Lächerlichkeit dieser Debatte: Das Schotterrad dümpelt bei mageren 7 Prozent herum, während das Mountainbike satte 35 Prozent dominiert. Gravel mag der laute Liebling der Marketing-Abteilungen und einiger windiger Tourismus-Manager sein – das Rückgrat des Radsports bleibt der Stollenreifen. Den Gravel-Hype hat es ebenfalls erst mit Corona hochgespült, und er passt bestens in meine Definition der Corona-Lüge: Die Disziplin ist kein nachhaltiger Megatrend, sondern eine, nach Corona aufgeblasene Nische.

Auch in der Fahrradbranche ist nach der Corona-Hausse nur zu oft Trübsal blasen angesagt. Die Situation mit zu hohen Lagermengen, zu tiefen Preisen und zu vielen Excel-Managern ist zugegebenermassen schwierig. Ich beneide keinen einzigen Produktmanager der Fahrradbranche. Weil die meisten im Verkaufsjubel der Pandemie aber den Hals nicht voll kriegten, leidet die Branche jetzt an vollen Lagern und leeren Kassen. Auch sie sind am Schluss einer Corona-Lüge aufgesessen: dass der Markt nachhaltig durch die Decke gehe. Und dass hier auf ewig das grosse Geld zu machen sei.

Wir brauchen Geschichten!

Unsere Gesellschaft hat sich gut und solide erholt von der Corona-Pandemie. Mit Ausnahme des Mountainbikesports. Er leidet an einer Form von Long Covid. Die Symptome zeigen sich in Form von verfälschten Statistiken und implodierten Geschäftsmodellen. Es ist eine Negativspirale, die uns nicht loslässt. Dabei betreiben wir eine der dynamischsten, schönsten und lebensbejahendsten Sportarten überhaupt. Statt dieser Selbstkasteiung bräuchten wir wieder grosse Geschichten, echte Abenteuer und pure Lebensfreude. Und keine Corona-Lügen.

Man braucht eigentlich kein Statistiker sein, um zu erkennen, dass Corona einen Auscchlag noch oben erzielt hat, die Zahlen sonst aber sehr konstant sind.