Zwei Schritte vor, einer zurück – so war das Trail-Jahr 2025 in der Schweiz
Ein Klassiker ist plötzlich gesperrt
Für die Zürcher Biker begann 2025 mit der Sperrung eines Klassikers am Uetliberg, der seit Jahrzehnten gefahren wird: Der Leiterli-Weg war zugeholzt worden. Züritrails machte sich für die Räumung stark, diverse Biker forderten mit Mails an die Stadt Zürich das Gleiche. Grün Stadt Zürich meldete schliesslich, es sei nie etwas anderes geplant gewesen als das Freiräumen des historischen Wegs. Wer den Weg schliesslich wieder befahrbar gemacht hat, bleibt in der Zürcher Community.
Die ersten offiziellen Trails im Kanton Thurgau
Thurgau ist ein politisch ein schwieriges Pflaster für Trailbiker. Umso erfreulicher, dass das Projekt Toptrails Tannzapfenland in Fischingen die Bau-Bewilligung erhalten hat. Fünf Jahre haben die Initianten dafür gekämpft. Im August folgte der Spatenstich, darauf mehrere Community-Bautage. Gewisse Strecken werden bereits gefahren, auch wenn das Trailcenter noch nicht offiziell eröffnet ist.
Berner Waldbesitzer greifen nach dem Geldbeutel des Bikesports
In Bern ist einiges in Gang gekommen und das scheint die Waldbesitzer auf eine neue Idee gebracht zu haben: Wenn sie Mountainbiker auf ihrem Waldboden akzeptieren müssen, sollen sie dafür entschädigt werden und zwar für jeden einzelnen Meter. Sei es eine neu gebaute Strecke oder ein alter Weg und selbst für das Gravelbiken auf Forststrassen soll Geld fliessen. Das Ganze in einer Höhe, die manches nicht kommerzielle Trail-Projekt unbezahlbar machen würde. Der Beitrag auf Ride war einer der meistgelesenen des Jahres, die Berner Zeitung nahm das Thema auf. Seither hat man nicht mehr viel von diesem Vorhaben gehört.
Hickhack am Pilatus
Zäh bleibt die Situation auch im Kanton Luzern, wo sich die Regierung zwar zur Koexistenz bekennt, die Trailbiker aber immer wieder am Widerstand der Waldbesitzer auflaufen. Seit Jahren arbeitet Mountainbike Luzern unter anderem an einer Lösung für den Pilatus Nordhang. Die Warnschilder, die plötzlich an den beliebtesten Wegen standen, zeigten genau diesen Widerspruch. Inzwischen wird angeblich an einer inoffizielle Lösung gearbeitet, mit der beide Seiten leben können. Bis die Biker im Innerschweizer Kanton legal auch unbefestigte schmale Wege befahren dürfen, bleibt noch viel zu tun.
Trail-Freiheit in Nidwalden
Andere Signale sendet seit Jahren der Kanton Nidwalden aus. Im Oktober hat das Parlament das neue Fuss-, Wanderweg- und Mountainbikeweggesetz verabschiedet. 3,8 Millionen Franken sollen in den kommenden acht Jahren in die Planung, den Bau und Ausbau des Mountainbike-Wegnetzes fliessen. Im Gesetz ist auch festgehalten, dass Wanderwege auch Mountainbikerinnen offen stehen. Vertiefende Informationen dazu gibt es bei Mountinbike Nidwalden.
Kanton Solothurn wendet Singletrail-Fahrverbot ab
Freude herrscht auch im Kanton Solothurn, wo ein erster Entwurf des neuen Waldgesetzes ein faktisches Fahrverbot für Singletrails gebracht hätte. Das geschickte Lobbying der IG MTB Solothurn brachte eine parlamentarische Mehrheit für ein zeitgemässes Waldgesetz, das Bikern den Zugang zu schmalen Wegen freihält.
Zähes Ringen im Kanton Aargau
Bewegung ist auch im Mountainbike-kritischen Kanton Aargau. Cross-Country-Urgestein Beat Stirnemann baut mit seiner Trailcrew in der Region Gränichen Trails und kämpft mit Mountainbike Aargau für Singletrails im ganzen Kanton. In Gränichen entsteht so ein Puzzle aus kurzen Trailabschnitten, die sich zu spassigen Runden kombinieren lassen. In Hägglingen hat der lokale Veloclub nach sechs Jahren Kampf die Bewilligung für ein kleines Trailcenter erhalten. Steter Tropfen höhlt den Stein, ist das Motto im Kanton Aargau.
Kanton Zürich bestätigt Trailfreiheit und will ausbauen
Ein grosses Weihnachtsgeschenk gabs für alle, die gerne Singletrails im Kanton Zürich fahren. Das Mountainbike-Konzept dieses Kantons stellt ein für alle Mal klar, dass das alle in den offiziellen Landesarten verzeichneten Wege befahren werden dürfen. Zudem soll die MTB-Infrastruktur dem Bedarf im bevölkerungsreichsten Kanton der Schweiz angepasst, sprich deutlich ausgebaut werden. Koexistenz ist die Regel, wo nötig gibt es Bike-Strecken. So würde man sich das in der ganzen Schweiz wünschen.
Mehr Trails für Mountain-Handbiker
Zuletzt noch ein Trend, der Trails für eine Gruppe zugänglicher macht, von der bis vor Kurzem kaum jemand gesprochen hat: die Mountainbiker mit Einschränkungen. Brigels baut einen Trail so aus, dass er auch mit Mountain-Handbikes fahrbar ist, Flims will das Gleiche auf dem Runca-Trail erreichen. Die IMBA Schweiz treibt diese Entwicklung voran. Weitere Adaptive Trails sollen folgen.