Mit BIXS in Südkorea: Schlamm, Fake Facts und Kaffeestopps | Ride MTB

Weltcup-Rückblick mit Fotograf Phil Bucher

Mit BIXS in Südkorea: Schlamm, Fake Facts und Kaffeestopps

Beim Weltcup in Südkorea erlebt das BIXS Race Team eine intensive Woche zwischen Anreise, Training, Team-Alltag und Rennen. Vom ersten Streckencheck bis zum schlammigen Finale zeigt sich, wie viel Organisation, Feingefühl und Zusammenhalt hinter einem Weltcupeinsatz stehen, und wie schnell Pläne im Regen neu geschrieben werden. Ein Rückblick aus dem Blickwinkel des Fotografen.

«Geil, wies machsch. Zämääää.» Manchmal reicht ein Wort, und plötzlich ist eine ganze Woche erklärt. In Südkorea war es dieses «zämä». Erst sagt es einer, dann zwei, irgendwann alle. Zämä hier, zämä da. Ein Running Gag, ein Stück Team-Gefühl, ein kleines Stück Schweiz mitten in Yongpyong. Aber der Reihe nach.

Phil Bucher, Fotograf und Erzähler

Nerven, Routine und Kuchen zum Check-in

Der Start am Flughafen Zürich ist gleich der erste Geduldstest. Gepäckabgabe: Speziell, nicht dramatisch, aber zäh. Dreimal wechselt das Personal, ohne dass man wirklich neu ansteht. Es dauert, zieht sich, aber am Ende geht irgendwie trotzdem alles locker durch. Luk (Team-Chef Lukas Flückiger) bleibt ruhig. Wie immer. Der Teammanager hat verdammt gute Nerven, und man merkt sofort, der weiss, wie der Laden läuft.

Dann steht Luca Schätti da. Der Short-Track-Europameister verteilt selbst gebackenen Karottenkuchen. Einfach so – herzlich, unerwartet, perfekt passend zum Vibe im Team. Wenig später sitzen wir im Nachtflug nach Seoul. Ich ziehe den Jackpot: eine Dreierreihe für mich allein. Lukas Winterberg, der Mechaniker, macht es pragmatischer: Irgendetwas reinwerfen, Decke drüber, weg. Zwölf Stunden später landen wir morgens um acht in Korea.

Fakten zum Start

Schon aus dem Fenster fällt auf: Ebbe. Nicht ein bisschen, sondern mehrere Meter. Beim Fotografieren denke ich: Shit, das ist viel! Beim Gepäck liefert Luca direkt den ersten Fakt der Woche. Irgendwas mit Ebbe und Flut, grösster Unterschied weltweit, vielleicht, ungefähr, garantiert. Halbwissen, volle Überzeugung. Ab dem Moment ist klar: Diese Woche bekommt nicht nur Weltcup-Action, sondern auch Fake Facts. Danke Luca, danke Timon!

Seoul funktioniert schnell, sauber, organisiert – beeindruckend. Luk organisiert direkt einen Lastwagen fürs Material, am Ende geteilt mit einem anderen Team. Zusammenarbeiten statt eingenbrödeln. Wir fahren im Kleinbus weiter nach Yongpyong, kommen im Hotel an, und ehe ich durchatmen kann, sitzen die Jungs schon auf dem Bike. Eine Stunde locker rollen, während die Werkzeugvirtuosen Lukas und Severin vor dem Hotel die weiteren Bikes aufbauen. Willkommen im Weltcup, Pause ist relativ!

Selfietime in der Spiegelung.

Schon aus dem Fenster fällt auf: Ebbe. Nicht ein bisschen, sondern mehrere Meter!

Phil Bucher

Ungewohnt lässig

Das Frühstück am nächsten Morgen ist stark. Koreanisch, salzig, ungewohnt – genau das, was man eigentlich will, wenn man schon hier ist. Ob’s für die Magen der Athleten auch taugt? Das Hotel ist top, die Zimmer hammer. Nur das Abendessen bleibt ein kleines Fragezeichen: Pizza, Pasta, von allem etwas, aber nichts so richtig. Kaum echtes koreanisches Essen. Da fragt ich mich schon, warum ich denn hier bin (nicht nur wegen dem Essen).

Am zweiten Tag steht das offizielle Fahrer-Shooting an. Ich bin mit der Kamera dabei, aber diesmal nur Behind the Scenes, irgendwo zwischen Setup, lockerem Chaos und professionellem Durchziehen. Luca und Timon (Rüegg) liefern dazu weiter ihre Fun Facts. Meistens fragwürdig, immer ausgeschmückt, aber mit maximaler Überzeugung. Es ist fast egal, ob es stimmt. Wenn es gut erzählt ist, bleibt es hängen.

Später geht es runter in die City. Kaffee trinken. Luk hat einen Spot entdeckt, der sofort zu seinem neuen Lieblingsladen wird. Kurz raus aus der Bubble, weg von Strecke, Hotel, Material und Massageplan. Einfach Kaffee, schauen, lachen, ankommen. Danach wieder zurück, die Jungs locker aufs Bike. Der Rhythmus beginnt.

Film einziehen, Umgebung reinziehen

Am dritten Tag fahren die Jungs Richtung Meer. Dreissig Kilometer über einen Pass, und wir begleiten sie im Auto. Ich mit Kamera – rolling Shots. Immer wieder anhalten, Perspektive wechseln, Landschaft einsaugen. So sieht man ein Land anders. Nicht nur Flughafen, Hotel, Rennstrecke, sondern Strassen, Dörfer, Hügel, Meerluft – und eben Kaffee.

Das Ziel ist eine Kaffeerösterei, welche die Jungs schon entdeckt haben. Also Kaffee, Süssigkeiten, Eiskaffee. Überall Eiskaffee. Ein bisschen bitter, aber passend. Der Stopp ist mehr als Koffein. Es ist Team, Lachen, Kennenlernen abseits vom Rennbetrieb. Man merkt: Unter diesen Jungs funktioniert es.

Danach geht es zum ersten Mal aufs Gelände. Strecke anschauen. Linien checken, Passagen verstehen. Für mich ist es das erste Mal so nah dran. Und sofort wird klar: Das ist eine andere Welt. Fette Drops, viel Speed, sehr wenig Raum für Fehler. Schon beim Anschauen denkt man: happig. Die Jungs sehen das natürlich auch, aber anders. Nicht sorglos, sondern ruhig. Neugierig. Locker. Für sie ist die Strecke kein Monster, sondern ein Puzzle. In meinen Augen ein schnelles, steiles, brutales Puzzle.

Action am Lenker und am Auslöser

Am vierten Tag folgt die erste richtige Session auf der Strecke. Für mich: erstes Mal Actionshots. Wo kommen sie? Wo springen sie? Welche Linie fahren sie? Wo kann ich stehen, ohne im Weg zu sein? Man kann planen, aber wirklich verstehen tut man es erst, wenn die Fahrer mit Speed auf einen zukommen.

Training

Die meisten sind schon zurück, da kommt Timon nochmals: «Ich mach nochmal den Drop.» Er will den Shot. Mit Whip. Zwei, drei Versuche, immer wieder hoch, wieder runter. Für ihn Training, aber auch ein Riesenspass, für mich genau das Ding. Fahrer, Timing, Licht, Linie, Kamera – alles muss passen. Irgendwann ist das Foto im Kasten.

Nebenbei läuft der Team-Alltag wie ein eigenes Rennen. Massagen jeden Tag. Seraina, unsere «Mama», kümmert sich um Essen, Organisation, Körper und Köpfe. Sie hält zusammen, was sonst auseinanderfliegen könnte. Am anderen Ort der Service: Bikes aufgebockt, alles offen. Reifenwechsel, Kettenblatt mit 32 statt 34 Zähnen. Feintuning. Was bringt Speed, was Kontrolle? Was erfordert die Strecke? Was braucht der Fahrer?

Muskel- und Bike-Pflege

Der erste Startschuss

Dann Freitag. Short Track, der erste Renntag mit den Top 40 der Welt. Marcel Guerrini und Luca sind dabei, Timon nicht. Bei mir kommt Nervosität auf. Zum ersten Mal richtig an der Strecke, zum ersten Mal muss ich liefern. Die Frauen starten vorher, perfekt für mich zum warm werden. Dann die Jungs. Einrollen, Fokus, Start!

Luca kommt gut weg, ist vorne mit dabei. Marcel liegt im vorderen Mittelfeld. Und sofort ist klar: Das ist brutal schnell. Die Runden fliegen vorbei, kaum Zeit zum Denken. Überholen geht nur an wenigen Stellen, sonst Singletrail, Ellbogen raus, Druck, kein Platz. Marcel arbeitet sich stark nach vorne, dann der Rückschlag: Plattfuss. Kaum noch Luft. Er fällt zurück. Bitter. Am Ende sind beide in den Top 24 – wichtig für Sonntag. Die dritte Startreihe. Aber man sieht es danach. Das erste Bild von Luca: Enttäuschung. Still, aber präsent.

Ruhe vor dem Sturm

Samstag. Letztes Training vor dem grossen Rennen. Lange Strecke, zwei, drei Runden, fein abstimmen, nicht mehr voll pushen. Ich teste für mich: Wo stehe ich morgen? Was funktioniert? Wo bekomme ich die Bilder, die dieses Rennen erzählen?

Zwischendrin Shooting mit dem Service-Team. Und Severin entdeckt sein neues Hobby: Dad-Cam. Point and shoot, immer drauf. Er filmt alles. Wirklich alles. Man fragt sich irgendwann nur: Wer schaut das alles durch? Aber genau deshalb ist es gut. Diese rohen, wackligen, echten Momente erzählen manchmal mehr als jede perfekte Aufnahme.

Am Abend wird es ruhiger. Portrait-Shooting, Massage, Nachtessen, runterfahren. Man spürt es im Raum: Morgen zählt es.

Und dann kommt der Regen

Über Nacht. Nicht ein bisschen, sondern richtig. Am Sonntagmorgen ist die Strecke kaum wiederzuerkennen. Schlamm. Tief. Schwer. Langsam. Die Jungs sagen sofort: Das wird ein anderes Rennen. Und genau so kommt es. Kein Flow mehr, kein sauberes Fahren. Das Feld reisst auseinander. Viele Abschnitte werden zu Laufen, Stossen, Kämpfen. Mehr Hike-a-Bike als Mountainbike-Rennen.

Ich stehe draussen, Kamera bereit, aber heute geht es nicht um schöne Linien. Heute geht es ums Durchkommen. Luca hat Mühe, findet keinen Rhythmus, kommt nicht in sein Fahren. Man sieht die Enttäuschung, und die ist komplett verständlich. Es ist nicht sein Tag. Timon dagegen blüht auf. Schlamm, Chaos, Stossen, Beissen. Als ehemaliger Radcross-Spezialist ist das seine Bühne. Er sagt sogar: «Geil, ich finde das geil.» Und dann zieht er einfach durch.

Am Ende belegt Timon den 25. Rang, Marcel den 31. Keine perfekten Bedingungen, keine perfekte Geschichte. Aber ein Rennen, das zeigt, worum es geht, wenn nichts mehr leicht ist.

Wenns zäh ist, machts der Vibe

Vielleicht ist genau das der Kern dieser Woche. Ich bin zum ersten Mal dabei, aber es fühlt sich nicht so an. Vom ersten Moment an bin ich angekommen. Der Vibe ist stark, das Team-Gefühl crazy gut. Kein Gehabe, keine künstliche Show. Einfach Menschen, die wissen, was zu tun ist – und es machen.

Luk organisiert, fährt, wäscht, kauft ein, löst Probleme. Marcel ist ruhig, zurückhaltend, fokussiert. Profi durch und durch. Luca, der kleine Wilde, ist immer ready für einen Spruch, nie ganz still, amtierender Europameister und trotzdem nahbar. Timon ist voller Energie, voller Power, gemacht für Chaos. Lukas und Severin liefern beim Bike-Service ab, Tag für Tag. Und Seraina hält als gute Seele alles zusammen wie Superkleber.

Eine Woche Südkorea. Ankommen. Reinkommen. Verstehen. Mitlaufen. Kaffee trinken. Fake Facts sammeln. Karottenkuchen essen. Drops fotografieren. Reifen wechseln. «Zämä» sagen. Und am Ende: Schlamm. Chaos. Realität.

Genau dort zeigt sich, wer man bist. Kein grosses Ding. Keine Show. Einfach ein Team das funktioniert.

Und genau das bleibt!

bixs.com/bixsraceteam

instagram.com/bixsraceteam

Fotograf und Autor

Man könnte etwas böse behaupten, dass Mountainbike-Fotografen alle ähnliche Bilder schießen. Klar, durchweg Top-Arbeiten, im Stil leicht unterschiedlich, aber doch ähnlich und vielleicht auch zu perfekt. Bixs hat in Südkorea einen anderen Weg eingeschlagen: einen Fotografen mitgeschickt, dessen Bilder sich von denen der anderen Fotografen abheben – und einen, der zuvor noch kein Mountainbike-Rennen fotografiert hat. Der Fotograf heißt Phil Bucher, und er ist mehr als das. Bucher ist ein Snowboard-Connaisseur in Reinform, und er ist Mitbegründer der Kleidermarke Nnim sowie des Schweizer Start-ups Berg Drinks GmbH, das hinter dem Erfrischungsgetränk Zämä steht. So überrascht es nicht, dass sich «zämä» während des Korea-Trips im Sprachgebrauch des BIXS Race Teams eingenistet hat.

instagram.com/phil.bucher

Note: This content has been automatically translated from German. Please report any incorrect translations.