Pumpen am Kilimanjaro: Tansania hat seinen ersten Pumptrack
Tansanias erster Velosolutions Pumptrack wurde nicht etwa in einer Stadt oder an einem Touristenort gebaut. Er befindet sich im ländlichen Dorf Kahe in der Kilimanjaro-Region, rund 45 Kilometer vom Dach Afrikas, dem 5895 Meter hohen Kilimanjaro entfernt. Möglich gemacht wurde die spassbringende Wellenbahn durch Velosolutions’ Initiative «Pump for Peace» sowie die lokale Organisation «One Bike Tanzania».
«Radfahren wurde zuvor kaum als Sport oder als Lebensstil wahrgenommen.»
Hillary Matemu, Gründer von One Bike Tanzania
Vom Transportmittel zum Sportgerät
«Seit vielen Jahren werden mein Team und ich von einer tiefen Leidenschaft fürs Velofahren und von der Überzeugung angetrieben, dass Fahrräder Gemeinschaften verändern können», sagt Hillary Matemu, Gründer von One Bike Tanzania.
«Als wir unsere Arbeit in der Kilimanjaro-Region begannen, wurde Radfahren kaum als Sport oder als Lebensstil wahrgenommen. Für die meisten Menschen in Tansania war ein Fahrrad einfach ein grundlegendes Transportmittel. Doch wir waren überzeugt, dass viel mehr darin steckt, dass es den Tourismus fördern, die Gesundheit verbessern, jungen Menschen Chancen eröffnen und stärkere Gemeinschaften schaffen kann.
Der Glaube ans Fahrrad
Wir gehörten zu den Ersten, die im Kilimanjaro-Gebiet einen spezialisierten Bikeshop eröffneten, in der Hoffnung, rund um eine der ikonischsten Landschaften der Welt eine Velokultur aufzubauen», erklärt Matemu weiter. Am Anfang hätten viele Menschen diese Vision nicht verstanden. Manche bezweifelten, dass sich das Radfahren hier jemals zu etwas Grösserem entwickeln könnte. Doch Jahr für Jahr arbeiteten One Bike Tanzania weiter auf dieses Ziel hin. Langsam begann die Gemeinschaft zu wachsen. Zunehmend mehr Radfahrer tauchten auf den Strassen und Wegen auf, und immer mehr Menschen begannen daran zu glauben, dass doch mehr an diesen Zweirädern ist, als einst gedacht.
Mobilität ist zentral, Freude die Vision
One Bike Tanzania arbeitete gleichzeitig an einer weiteren wichtigen Herausforderung, der Mobilität in ländlichen Gemeinden.
«In vielen Dörfern der Region ist Transport im Alltag nach wie vor ein grosses Problem. Die Distanzen sind lang, der öffentliche Verkehr ist eingeschränkt, und viele Menschen gehen stundenlang zu Fuss, nur um zur Schule, zum Markt oder zu Gesundheitsdiensten zu gelangen. Seit Jahren spendet unsere Organisation Fahrräder, vor allem an Frauen und Schülerinnen und Schüler, damit sie sich freier bewegen und Chancen nutzen können, die sonst unerreichbar wären», so Hillary Matemu.
Doch Fahrräder sollten nicht nur aus Notwendigkeit existieren. Diese Vision hat nun in Kahe Gestalt angenommen. Kahe gehört seit Langem zu den Gemeinden, in denen Fahrräder verteilt wurden. Aufgrund dieser Geschichte fühlte es sich für die Organisation logisch an, den Pumptrack genau dort zu bauen, sagt Matemu und fügt an: «Die Gemeinschaft fährt bereits Rad, und jetzt hat sie einen Ort, an dem sie einfach aus Freude daran fahren kann!»
«Zu sehen, wie Kinder lachend durch die Kurven pumpen und sich gegenseitig anfeuern, zeigt, wie kraftvoll etwas so Einfaches wie ein Fahrrad sein kann.»
Hillary Matemu
Seltenheit auf dem Lande
In Tansania war Radfahren traditionell mit Notwendigkeit verbunden, als eine Möglichkeit, sich fortzubewegen, wenn andere Optionen ausser Reichweite waren. Der Pumptrack zeigt nun eine andere Seite dieser Fortbewegungsart: Freiheit, Kreativität, Sport und Gemeinschaft. Für die Kinder des Dorfes ist Strecke viel mehr als Asphalt und Räder. Er ist ein Ort, an dem sie sich nach der Schule treffen, Freunde herausfordern, neue Fahrtechniken lernen und die Freude entdecken können, einfach zum Spass zu fahren. In ländlichen Gemeinden wie dieser sind Orte, die speziell für Sport und Spiel gedacht sind, äusserst selten.
Neue Bestimmung für ungeeignetes Ackerland
«Zu sehen, wie Kinder lachend durch die Kurven pumpen und sich gegenseitig anfeuern, zeigt, wie kraftvoll etwas so Einfaches wie ein Fahrrad sein kann. Dieses Projekt ist für mich auch etwas sehr Persönliches. Das Land, auf dem der Pumtrack heute steht, wurde von meinem Vater gespendet. In dieser Gegend ist Landwirtschaft die wichtigste Lebensgrundlage, doch der Boden dieses bestimmten Grundstücks eignete sich nicht für den Ackerbau. Mit der Zeit wurde deutlich, dass dieses Land eine andere Bestimmung brauchte. Dieses Land in einen Ort zu verwandeln, an dem sich junge Menschen treffen, Radfahren und Selbstvertrauen aufbauen können, fühlt sich wie die sinnvollste und bedeutungsvollste Veränderung an.»
Der erste Pumptrack in Tansania
Das Video, das diese Geschichte begleitet, hält genau diesen Moment fest: die Begeisterung der Kinder, als sie den Track zum ersten Mal entdecken, die Energie der Gemeinschaft, die sich darum versammelt, und das Gefühl, dass für das Velofahren in Tansania etwas Neues begonnen hat.