Schurter setzt künftig auf das Mittelmass 650B
Auch wenn der optische Unterschied kaum jemandem aufgefallen ist, so sind Scotts Zugpferde Nino Schurter und Florian Vogel auf einem Scale mit 650B-Laufrädern in die Saison gestartet. Im Fachjargon werden die Räder unterdessen auch als 27.5-Zöller bezeichnet. Dem neuen Bike wurde aber nicht bloss eine entsprechende Gabel und grössere Räder verpasst, der Prototyp basiert vielmehr auf einer spezifischen Geometrie für das neue Laufradmass. Bisher stehen die neuartigen Rennmaschinen einzig den beiden Spitzenathleten Schurter und Vogel zur Verfügung, welche seit November 2011 die neue Laufradgrösse testen. Beim Weltcup-Auftakt in Pietermaritzburg haben die Räder ihre Feuertaufe mit dem Sieg eindrucksvoll bestanden. Dass Vogel im Rennen der Tubular-Reifen von der Felge gerutscht ist, hat die Ursache nicht im neuartigen Radumfang.
Das Beste aus beiden Welten
Auch wenn 29er-Bikes seit dem letzten Jahr mit Weltcupsieger und Weltmeister Jaroslav Kulhavy den definitiven Durchbruch im Rennsport geschafft haben, bleiben einige Nachteile der ganz grossen Räder unbestritten. Nino Schurter hat sich nach eigenen Aussagen mit seinem aggressiven Fahrstil und seiner kleinen Körpergrösse auf dem «Scale 29» nie wohl gefühlt. Während man sich für 29er-Bikes einen leicht anderen Fahrstil aneignen muss, scheint dieses Problem bei 27.5-Zöllern hinfällig zu sein. «Auch wenn ich mich an mein 29er-Bike relativ schnell gewöhnt habe, war eine Umstellung nötig. Auf dem Mittelmass hab ich mich jedoch ab dem ersten Meter wohl gefühlt», so Thomas Frischknecht, Teammanager des Scott-Swisspower-Teams. In engen Kurven und bei harten Bremsmanövern sollen 27.5-Zöller das direkte Lenkverhalten und die Agilität von 26-Zoll-Bikes besitzen. Dies ist vor allem auf steifere Laufräder und Federgabeln zurückzuführen. In schnellen Abschnitten liegen die Bikes jedoch fast genau so satt auf dem Trail wie ein 29er-Bike. Durch die höhere Laufruhe und die reduzierte Nervosität des gesamten Systems kann der Fahrer sich besser erholen und fühlt sich sicherer. ¬Zudem verfügen die Reifen über eine leicht bessere Traktion.
Erst am Anfang
Die Entwicklung der 650B-Bikes liegt zwar noch am Anfang, jedoch muss das Rad kinematisch und statisch dank der Erfahrungen mit 29er-Bikes nicht komplett neu erfunden werden. Mit ihrem Scale-Prototyp hat Scott vorgelegt und der Weltcup-Erfolg gibt der Marke Recht. Es ist anzunehmen, dass weitere namhafte Hersteller in diesem Bereich nachziehen. Es darf ein spannender Sommer erwartet werden, in welchem viele Hersteller ihre Modellreihe 2013 präsentieren und das Stichwort 650B mehr als einmal fallen dürfte.