Die Zukunft der Schaltung, Teil 1
Das «P1.18» ist ein Stirnrad-Schaltgetriebe, bestehend aus zwei hintereinander geschalteten Teilgetrieben und 18 gleichmässig abgestuften Gängen. Die Schaltbox bietet ein integriertes Tretlager und wird im Rahmen zentral – mittels einer «Pinion-Brücke» - zwischen Unterrohr, Sitzrohr und Kettenstreben montiert.
Bei der Konsultation der Firmenpräsenz im Web sind zahlreiche Vorteile der Schaltung nachzulesen: tiefer, zentraler Schwerpunkt, keine trägen Massen am Hinterrad, optimales Arbeiten der Hinterradfederung, mehr Bodenfreiheit, keine Gefahr von beschädigten Schaltwerken. Dazu obendrauf noch: grosse Übersetzungsbrandbreite, gleichmässige Gangsprünge, hohe Wartungsarmut, schnelles Schalten, geringer Verschleiss sowie Schalten im Stand. Somit alles Punkte, die eine konventionelle Ketten- oder Nabenschaltung unisono nicht für sich verbuchen können.
Kennenlernen bei Porsche
Christoph Lermen und Michael Schmitz, die beiden Geschäftsführer der Pinion GmbH mit Sitz in Denkendorf bei Stuttgart, lernen sich zu Beginn des Jahres 2006 während dem Studium im Porsche-Entwicklungszentrum für Motoren und Getriebe kennen. Die Jahre 2006 bis 2009 sind geprägt von Entwürfen, Prototypen, Patentanmeldung, Firmengründung und aufwändiger Investorensuche.
Testen im Hochgebirge
Das Jahr 2010 entwickelt sich zum Meilenstein in der Geschichte des jungen Unternehmens. Der Extrem-Biker Felix Fröhlich durchquert im Sommer mit einem Pinion-Prototypen das Himalaya Gebirge. Das Getriebe hält den Test durch, das Ersatzgetriebe im Rucksack von Fröhlich kommt nicht zum Einsatz. Dieser erfolgrreiche Testlauf gibt Lermen und Schmitz die nötige Motivation, um ihr Projekt weiter voran zu treiben.
Überwältigende Resonanz
An der Eurobike 2010 zeigen Lermen und Schmitz – auf kleiner Fläche am Stand von Fahrradhersteller Endorfin – einen weiterentwickelten Prototypen mit der Bezeichnung P1. Das Produkt sorgt für Furore an der weltweit grössten Fahrradmesse und katapultiert die beiden Jungunternehmen in den Fokus der Medien und der Fahrradproduzenten.
Neuer Rahmenstandard
Im Frühjahr 2011 beginnen die ersten Fahrradhersteller mit der Rahmenentwicklung für das Getriebe. Ein neuer Standard wird lanciert, denn zur Montage der Getriebeeinheit wird eine Brücke zwischen Unterrohr, Sitzrohr und Kettenstreben benötigt. An der 2011er Eurobike zeigen mehrere Fahrradhersteller Vorserien-Räder und Pinion selbst schaut mit einer Konzeptstudie für eine Elektromotor-Getriebeeinheit in die Zukunft.
Erste Auslieferung
Im November 2011 bringt der Hersteller das «P1.18»-Getriebe auf den Serienstandard und die Serienfertigung wird in Angriff genommen. Die Auslieferungen der ersten Getriebe zögert sich bis in den Juli 2012 hinaus, da ein Zulieferer aus der Autombilbranche sein Terminversprechen nicht einhält.
Schweizer Hersteller mischen mit
Zur Zeit kooperiert Pinion mit 20 Fahrrad- und Rahmenherstellern. In der Schweiz sind die Hersteller MTB Cycletech und Hilite mit an Bord. MTB Cycletech rüstet seinen Reiseradklassiker Papalagi mit dem «P1.18» aus. Das Getriebe-Rennrad von Hilite findet in der Fachpresse Beachtung, der Hersteller aus Basel baut auch Reiseräder, Hardtails wie Fullies mit dem Getriebe.
Weitere Hersteller sind interessiert
Seit dem Sommer 2012 erhielten neue, interessierte Fahrradhersteller erste Muster-Seriengetriebe zur eigenen Modellentwicklung.
In Teil 2 von «Die Zukunft der Schaltung» spricht Christoph Lermen im Interview über die Entwicklung, die Lancierung des Getriebes und wagt einen Ausblick auf die Zukunft von Pionion.