Die Zukunft der Schaltung, Teil 2
Christoph Lermen, woher hatten Sie die Inspiration für das Pinion-Getriebe?
Beim Mountainbiken mit meinem Geschäftspartner Michael Schmitz fielen uns die Nachteile der Kettenschaltung ständig auf. Bei einem Betriebsausflug bei Porsche, wir arbeiteten während dem Studium im Entwicklungszentrum für Motoren und Getriebe, kam beim Bier die Idee, ein Getriebe für das Mountainbike zu bauen. Das war im Jahr 2006.
Wo sahen Sie die Nachteile der konventionellen Schaltung?
Die Kette ist ein Maschinenbauelement, das im Oel laufen sollte. Am Rad läuft die Kette ungeschützt und mit Schräglauf, als Maschinenbauer ist das ein Greuel.
Wie sahen die ersten Schritte aus?
2006 und 2007 bauten wir verschiedene Getriebe-Konzepte, die wir mehrfach verworfen und überarbeitet haben. Wir waren nicht nur als Maschinenbauer gefordert, sondern hatten auch das Gründen und Aufbauen der Unternehmung zu bewältigen. Besonders das Finden des geeigneten Investors war aufwändig und zeitraubend.
War die Fahrradbranche von Anfang eingeweiht?
Wir entwickelten das Getriebe beinahe gänzlich ohne Kontakt zur Fahrradindustrie. Da ein Getriebe ein Maschinenbauteil und keine spezifische Fahrradkomponente ist, konnten wir das grösstenteils im Alleingang durchziehen. Einzig der Hersteller Endorfin war eingeweiht und kooperierte mit uns.
Sie kommen vom Maschinenbau und von der Autoindustrie. Wo sehen Sie die Unterschiede zur Fahrradbranche?
Die Fahrradbranche ist sehr experimentierfreundlich. Teilweise arbeitet man im Versuch- und Irrtum-Verfahren, das gäbe es in der Automobilbranche nicht. Die Radbranche tickt anders, es ist hemdsärmliger und pragmatischer. Der Umgang ist lockerer. Die Automobilindustre ist wissenschaftlicher und professioneller. Beide Arbeitsweisen haben ihre Vor- und Nachteile.
Sind Sie auf Ablehnung seitens der Fahrradindustrie gestossen?
Vor 10 oder 15 Jahren wäre es schwerer gewesen, das Getriebe und den Montagestandard zu lancieren. Heute sind Hydroforming und spezielle Rohrformen Gang und Gäbe, das hat uns die Zusammenarbeit mit den Fahrradherstellern stark erleichtert. Zudem gibt es sicherlich Hersteller, zu denen unser Produkt nicht passt.
Sie haben die Schaltung am Rad «neu» erfunden. Sehen Sie an anderen Orten die Notwendigkeit, das Mountainbike neu zu erfinden?
Die Bremsen am Mountainbike haben einen guten Stand erreicht, ebenso die Federungen scheinen ausgereift. Die Möglichkeiten beim E-Bike sind sicher noch nicht ausgeschöpft. Hier sehen wir noch grosses Potential, insbesondere in Kombination mit unserer Getriebetechnik.
An der Eurobike 2011 hat Pinion eine Konzeptstudie zu einem Elektromotor-Getriebe vorgestellt. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Wir treiben diese Idee voran, doch nicht mit höchster Priorität.
Wo steht die Unternehmung Pinion in zehn Jahren?
In zehn Jahren wird es von Pinion eine ganze Produktefamilie geben, nicht nur ein Getriebe. Wir denken derzeit neben der Elektromotor-Variante über ein Getriebe nach, das weniger als 18 Gänge bietet. Wir sind ein junges Unternehmen und wir müssen zuerst Vertrauen schaffen bei den Kunden und den Herstellern. Je länger es uns gibt, desto mehr Türen werden sich für uns öffnen.