Kommentar: Was ist Hype – oder was kann weg, was soll bleiben? | Ride MTB

Kommentar: Was ist Hype – oder was kann weg, was soll bleiben?

Der Mountainbike-Markt bietet eine noch nie dagewesene Vielfalt, die Kunden verwirren mag. Ride forstet sich durch das Dickicht von unzähligen Markt-Trends und zeigt (auch mit Augenzwinkern), welche Produkte und Trends aus dem Jahr 2016 weiterhin Bestand haben.

Ob das Mountainbike von morgen nur noch mit Motor fährt, sei dahingestellt. So wie sich die Industrie aber heute verhält, ist eines sicher: Das E-Mountainbike fährt definitiv fast ausschliesslich auf Plus-Reifen. Denn das macht gleich mehrfach Sinn. Mit zusätzlichen Watt an Bord spielt es keine Rolle, wenn die Reifen etwas üppiger und schwerer sind. Und E-Mountainbikes öffnen den Sport einer neuen Zielgruppe und diese wird froh sein um das tolerante Fahrverhalten von Plus-Bereifung.

Dropper Post werden langhubiger

Wenn Naben ein bisschen breiter werden, dann macht die Industrie einen gewaltigen Hype daraus. Ganz nebensächlich geht die Entwicklung DES wichtigsten Produkts der letzten Jahre weiter: Der Dropper Post. Die absenkbare Sattelstütze schenkt dem Piloten unglaublich viel Fahrspass und Sicherheit. Der kanadische Stützenspezialist 9point8 marschierte voran und zeigt Dropper Posts mit einer Absenkung von 170 und gar 200 Millimeter – da waren vor kurzem noch 100 oder 125 Millimeter angegesagt.

Im Jahr 2017 sind Dropper Post mit 150 Millimeter Drop das Mass der Dinge und sorgen für Beweglichkeit auf dem Trail. Mit dem österreichischen Startup Eightpins wird auch die Systemintegration von Dropper Posts vorangetrieben. Die Senkstütze ist so wichtig für das Mountainbike, das diese künftig integraler Bestandteil sein soll und nicht nur ein Accessoire.

Die Dreifach-Kurbel ist sowas von tot

Sram beerdigt nicht nur die Dreifach-Kurbel, sondern sendet auch gleich die Zweifach-Kurbel in Rente. Mit der Eagle-Gruppe spricht Sram ein Machtwort, die massive Bandbreite von 10-50 Zähnen soll Zweifler verstummen lassen, ob genügend leichte und schwere Gänge zur Verfügung stehen. Wer aber weiterhin auf fein abgestufte Gänge steht, wird Freude an einer Zweifach-Kurbel haben. Shimano startet im Februar eine Info-Kampagne, für wen Einfach- und Zweifach passt. Die Antwort von Shimano dazu? Der Trail entscheidet, ob ein Umwerfer ans Bike gehört oder nicht. Das Schicksal der Mehrfach-Kurbel und des Umwefers ist demnach noch nicht entschieden.

Digitalisierung!

Dass mit den E-Mountainbikes die Digitalisierung Einzug hält ist klar. Doch Shimano hat 2016 die XT Di2 vorgestellt und damit die Elektro-Gruppe demokratisiert- Denn bislang war nur die sündhaft teure XTR im Di2-Format zu haben. Dazu bieten die Japaner eine Smartphone- und Tablet-App für das Einstellen der Di2-Schaltung. Es bricht also die Zeit an, in der man sich via Bluetooth mit der Schaltung verbindet, um diese nicht nur einzustellen, sondern genau auf seine Bedürfnisse einzustellen.

Fatbikes rollen ins Schneeloch

Ja, Fatbikes machen Spass, so wird behauptet. Doch der Hype der Industrie dazu war unterträglich und dieser ist zum Glück jetzt auch durch. Der rasante Siegeszug der Plus-Bereifung und der bis vor kurzem äusserst schneearme Winter geben den Fatbikes den Gnadenstoss. In der Saison 2017 rollen Fatbikes dahin, wo sie her kommen: In die Nische.

Die Branche bleibt sich treu: Trend jagt Trend

Wo geht die Reise hin? Zuerst 29er, dann 27.5, dann Fatbikes, dann Boost, dann Plus...

Die Industrie bietet in einem Crescendo in kurzer Zeit zahlreiche Neuerung. Diese News, die bestehende Bikes rasch zu Alteisen mutieren lassen, verwirren oder frustrieren die Kunden. Die stagnierenden Absatzzahlen sprechen eine deutliche Sprache. Doch die Industrie scheint auch weiterhin das Muster beizubehallten: Bald kommt wohl Super-Boost und Super-Plus, in Kürze ist wohl Midi-Fat angesagt und Plus schon lange Schnee von gestern...