Wie sieht die Zukunft der Schweizer Velobranche aus?
Für den Infotech-Veranstalter Velosuisse – der Branchenverband der Schweizer Velolieferanten – und für alle Teilnehmer aus den Bikeshops gab es eine Premiere: Die Fachhändlerweiterbildung fand erstmals in Nottwil statt, in den Tagungsräumen des Schweizer Paraplegikerzentrums. Bereits zum 16. Mal steigt die Infotech, bei der sich die Fachhändler unkompliziert und umfassend auf die neue Saison einstimmen lassen. Wer den Anlass besucht, nimmt zahlreiche Inputs mit - rund um Fahrradtechnik bis hin zur Präsentation der passenden Betriebssoftware.
Digitalisierung im Fokus
Während an der Infotech 2016 der Frankenschock ein prägnantes Thema war, war bereits an der Ausgabe von 2017 die Digitalisierung in den Fokus gerückt. Das war auch heuer so, die Seminaranbieter versuchten, den Fachhändler auf die Herausforderungen der Digitalisierung – und damit beispielsweise auf geänderte Konsumentenerwartungen und neue Informations- und Verkaufskanäle einzustimmen. Es gab dementsprechend Workshops, wie man heute mit Facebook, Instagram oder WhattsApp umgehen kann oder soll. Erstmals präsentierte sich auch ein Anbieter, der im Franchise-System für Fachhändler eine Online-Buchungsplattform bereit hält, um dann vor des Kunden Haustüre Veloreparaturen durchzuführen.
Ganz im Zeichen der Digitalisierung zeigte sich am Anlass auch die Podiumsdiskussion. Dort stand zur Debatte, wo, von wem und wie im Jahr 2025 Velos verkauft respektive gekauft werden. Die Diskussion gestaltete sich weniger lebhaft, nach emotionaleren Themen wie E-Mountainbike oder Einkaufen im Ausland in den Vorjahren ist das wohl auch wenig erstaunlich. Doch die etwas ungewohnt unspektakulär verlaufende Diskussion zeigte auch, dass sich die Digitalisierung für viele Akteure als schwierig (be-)greifbar darstellt. Gerade bei einem Produkt wie dem Fahrrad, das für den Service weitgehend auf eine stationäre Werkstatt angewiesen ist.
Der Fachhändler konnte aber dennoch deutliche Botschaften mitnehmen. So wurde aufgezeigt, dass Online-Verkäufe von Fahrrädern künftig zunehmen werden, und dass Hersteller wie Fachhändler eine (gemeinsame) Strategie brauchen, um mit diesem Trend mitzugehen. Zur Sprache kamen unterschiedliche Zukunftsmodelle, beispielsweise in denen der Fachhändler verstärkt als Auslieferdienstleister für Online-Fahrradanbieter arbeiten könnte oder müsste.
Nicht nur Instagram und Adwords
Wer sich nicht nur für Instagram, Omnichannel und Adwords interessierte, kam an der Infotech indes auch auf seine Kosten. So standen parallel zu den betriebswirtschaftlich ausgerichteten Vorträgen zahlreiche technische Seminare auf dem Programm. Diese sorgen dafür, dass die Arbeit in der Werkstatt leichter von der Hand geht und man sich behände mit dem neuesten Material zu helfen weiss, was spätestens in der Hochsaison im Fachhandel hoch willkommen ist.
Wie gewohnt kam der gesellige Teil an der 2018er Infotech nicht zu kurz: Am Apéro nach der Podiumsdiskussion und dem anschliessenden Nachtessen konnten sich die Branchenprofis im informellen Rahmen dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch widmen.