Blog: Geht der Schweiz der Bike-Nachwuchs aus? Sicher nicht! | Ride MTB

Blog: Geht der Schweiz der Bike-Nachwuchs aus? Sicher nicht!

Müssen wir vor der Zeit nach der Ära Schurter und Neff Angst haben? Sterben den Bike-Touristikern die Gäste weg? Ich sage: Beides wird nicht eintreten. Der Mountainbikesport ist so etabliert wie noch nie zuvor in der Gesellschaft. Nicht nur im Rennsport, auch für den Tourismus und die Industrie werden zahlreiche junge und vielversprechende Biker nachrücken.

In den letzten Jahren hat die Schweiz regelmässig in den Nachwuchskategorien an Europa- und Weltmeisterschaften Medaillen eingefahren. Mit Nino Schurter, Mathias Flückiger, Thomas Litscher, Lars Forster, Jolanda Neff und Linda Indergand sind einige Nachwuchsmedaillengewinner in der Elite-Kategorie äusserst erfolgreich. In den nächsten Jahren werden einige starke Nachwuchsfahrer hinzukommen. Vor allem bei den Frauen darf man sich auf den Wechsel aus der U-23 Kategorie freuen. Sina Frei dominierte die U-23 Weltcuprennen der letzen Saison und hat schon mehrmals bewiesen, dass sie bei den «Grossen» mithalten kann, die Junioren-Weltmeisterin Alessandra Keller würde noch in der gleichen Kategorie startberechtigt sein, hat sich letzte Saison aber bereits dreimal als sechste an einem Elite-Weltcup platziert. Zur Erinnerung: Sina Frei ist erst 19 Jahre alt. Mit ihr werden in den nächsten Jahren noch die U-23 Weltmeisterin von Andorra, Ramona Forchini und die Junioren Weltmeisterin Nicole Koller nachrücken. Nicht weniger rosig schaut die Zukunft bei den Herren aus. An den letzten Weltmeisterschaften in Nove Mesto hat in der U-23 Kategorie Marcel Guerrini die Bronzemedaille errungen, Vital Albin im Juniorenrennen die silberne Auszeichnung.

Woher kommt die Leistungsdichte bei den Schweizer Mountainbikern?

Ein Grund für die guten Resultate beim Nachwuchs ist sicher der Swiss Bike Cup. Seit zwölf Jahren ist die nationale Serie die Talentschmiede der Schweiz. Nicht nur wie der Start in den Rennzirkus ermöglicht wird, ist ausschlaggebend. Die gleichen Rennen wie die grossen Vorbilder Schurter und Neff zu bestreiten, ist ein zusätzlicher Motivationsschub. Die Schweizer Top-Cracks sind publikumsnah und mittlerweile alle aus dem Swiss Bike Cup hervorgegangen. Die Top-Fahrer wissen aus eigener Erfahrung wie es ist als junge Fahrer die ersten Rennen zu bestreiten und können sich in den Nachwuchs einfühlen. Sie verhalten sich entsprechend zuvorkommend und offen mit den jüngsten Teilnehmern und stehen immer wieder mit Rat und Tat zu Seite. Ein grosser Dienst erweisen auch die Bike-Clubs. Vorbei ist die Zeit der tempobolzenden Veloclubs. Dem Erlebnis und der Fahrtechnik beim Mountainbike wird  immer grössere Aufmerksamkeit geschenkt. Resultate sind mehr Spass und weniger Druck beim Nachwuchs.

Bringt die Generation der Ü-40 Biker den Nachwuchs für die Touristiker?

Nicht nur der Rennsport braucht den Nachwuchs, auch der Tourismus ist auf junge, nachwachsende Biker angewiesen. Die Generation der «Ü-40 Biker mit Kind» ist der ideale Nachwuchslieferant. Meist seit Jahren aktiver Biker und den Nachwuchs bereits mit dem Bike-Fieber infiziert - ideale Vorraussetzungen für einen gemeinsamen Bike-Ausflug. Die Touristiker entwerfen immer mehr Angebot für die ganze Familien - das Angebot an Transportanlagen für Mountainbikes wird immer grösser. Die Lifte und Hotels müssen auch in Zukunft gefüllt werden. Mountainbike hält auch immer mehr Einzug in den Schulsport. In der Stadt Zürich wird richtungsweisend bereits ein Wahlfach Mountainbike angeboten - in Biketreffs werden vermehrt auch sehr junge Biker willkommen geheissen. Die Begeisterung für das Mountainbike wird immer mehr auch in öffentlichen Institutionen vermittelt und gewinnt an Gewicht. Eine Tatsache die im Endeffekt auch die Industrie und die zahlreichen Bikeshops mächtig freuen dürfte. Trendsport Mountainbike

Auch dank den jüngsten Erfolgen unserer Rennfahrer ist Mountainbiking ist zum Trendsport geworden, die diversen Pumptracks und Bikestrecken tragen ihren grossen Teil dazu bei. Das Mountainbike ist je nach Generation zum Spielzeug und Trendsportgerät geworden, darf aber meiner Ansicht gerne auch beides sein. Zum guten Glück wird uns der Nachwuchs in nächster Zeit nicht ausgehen, egal ob im Rennsport oder im Wirtschaftszweig Tourismus.