Warum sind die Schweizer Downhiller so langsam?
Stellen wir gleich klar, die Schweizer Downhillerinnen sind vorerst, dank ihren konstanten Topten-Leistungen, von der Diskussion ausgenommen – allerdings treffen die meisten Punkte auch auf die weibliche Downhill-Fraktion zu. Wir haben uns mit einigen Personen über das Phänomen der «langsamen» Schweizer Männer unterhalten. Die Antworten sind teils kurz und prägnant wie bei Claudio Caluori ausgefallen, Cross-Country-Spitzenfahrer Mathias Flückiger hat ein fundiertes Statement abgeben.
Claudio Caluori: «Die sollen die Finger aus dem Arsch nehmen und trainieren!»
Claudio Caluori: «Die Downhiller sollen die Finger aus dem Arsch nehmen und trainieren gehen!» Weiter sieht der Kultkamerafahrer die Bereitschaft, alles auf die Karte Rennsport zu setzen, als grosses Manko an. Caluori hat seinerzeit direkt nach der Matura voll auf die Karte Downhill gesetzt.
Ernst Schurter: «die Zeiten der biersaufenden Downhiller sind definitiv vorbei!»
Für den ehemaligen Nationaltrainer Ernst Schurter sind auch die fehlenden reinen Downhillstrecken eine Erklärung. Bis vor wenigen Jahren waren solche in der Schweiz fast inexistent. In der Zwischenzeit wurden zwar einige Strecken erstellt – richtigen Downhill-Charakter weisen aber nur wenige auf. Gemäss Schurter sind die Downhiller vielfach immer noch als die Bier sauffenden Lümmels verschrien – diese Zeiten sind schon lange vorbei – der Downhillsport hat sich zu einer seriösen Sportart gemausert. Auch die fehlenden Ausnahmetalente, wie sein Sohn Nino im Cross-Country-Sport, sind ein grosses Problem. Allerdings sind, bei der Grösse der Schweiz, die Talente auch dünner gesäht als in Grossbritannien oder Frankreich.
Lutz Weber: «Der Verband interessiert sich zu wenig für uns Downhiller!»
Ähnliche Probleme sieht der Schweizer Downhiller Lutz Weber, selber Weltcup-Fahrer. Die Akzeptanz in der Schweizer Gesellschaft für die Downhiller ist immer noch einiges tiefer als zum Beispiel für die alpinen Abfahrtsskifahrer. Der Aufwand ist mittlerweile, um auf internationalem Niveau mittzuhalten, ähnlich bis gleich hoch. Downhillern wird zudem die Möglichkeit der nationalen Sportförderungmassnahmen immer wieder erschwert. Weber war es, trotz guten Resultaten, nicht möglich die Spitzensportler-Rekrutenschule zu besuchen – diversen anderen Randsportarten wird dies einfacher ermöglicht. Hier zieht Weber auch Swiss Cycling zur Verantwortung. «Der Verband interessiert sich zu wenig für den Downhillsport.»
Mathias Flückiger: «Dem Nachwuchs fehlen die Vorbilder.»
Auch der Cross-Country-Fahrer Mathias Flückiger hat eine klare Meinung zum Downhillsport. In einem Satz kann aber die Tatsache auch von ihm nicht beantwortet werden – «ebenso wie es keine klare Erklärung gibt, warum so viele Schweizer Cross- Country-Fahrer an der Weltspitze sind.» In der Schweiz fehlen dem Nachwuchs auch die Vorbilder. «Wenn ich bedenke, als ich die Jungs wie Frischi oder Näf an einem Rennen fahren sah oder sogar im gleichen Rennen startete, das war unglaublich für mich und motivierte mich grausam, dorthin zu kommen!» Die fehlenden Downhill-Strecken sind für den Olympiateilnehmer ebenfalls ein grosses Problem. «Nick Beer zum Beispiel hat in seiner näheren Umgebung keine Möglichkeit auf ideale Trainingsbedingungen und kann diese nur mit einem riesen Aufwand erreichen – aber eben, da sind wir bei einer politischen Frage angelangt, dort harzt es aber im Schweizerländle immer noch ziemlich stark!» Bei den besten Nationen im Downhillsport wie England, Frankreich und Australien werden genau diese Punkte optimal abgedeckt.
Keine Universallösung!
Die Problematik ist komplizierter als erwartet. Wahrscheinlich braucht der Downhillsport noch einige Jahre und vor allem – für die Schweizer Sportinteressierten - die nötigen Resultate. Dann kann die notwendige Resonanz von Arbeitgebern, Sponsoren und vor allem auch von Verbandsseite gewährleistet werden. Der Zuschaueraufmarsch am Weltcup auf der Lenzerheide hat das grosse Interesse am Sport aufgezeigt. Mountainbike-Downhill hat sich zu einem Hochleistungssport entwickelt, der eine entsprechende Behandlung verdient hat – dies eigentlich schon seit längerer Zeit.