Fahrverbot: Ein Stück Teer wird zum Zankapfel in Appenzell Innerrhoden
Der Hügel St. Anton auf 1110 Metern über Meer und Innerrhoder Gebiet ist ein beliebtes Ziel, für Tourenfahrer ebenso wie für Mountainbikerinnen, die von da die zahlreichen Trails hinunter nach Altstätten, Kanton St. Gallen, ansteuern. Hinauf kommt man entweder über die Passstrasse, die man sich mit Auto- und Motorradfahrern teilt oder auf gemütlichen Nebenstrassen.
Eine davon führt durch den Weiler Bechtenrüti, Gemeinde Oberegg AI. Und über das Grundstück eines Landwirts. Dieser ärgert sich seit langem über Mountainbiker, die talwärts mit hoher Geschwindigkeit an seinem Gut vorbeirollen. Bis zu 250 Velofahrer passierten die Strasse an gewissen Tagen, empört er sich. In der Appenzeller Zeitung (hinter Paywall) erzählt er, er habe alles versucht, habe die Velofahrer angesprochen, habe das Gespräch mit Behörden und Interessenvertretern gesucht, alles habe nichts genützt.
Die Klärung der rechtlichen Situation zeigte dann, dass auf der Strasse seit 1974 ein Fahrverbot gilt. Die Tafel stand aber schon lange nicht mehr da und das Verbot geriet in Vergessenheit. Sogar das Schild wurde wiederentdeckt, das Verbot neu signalisiert.
Verein MTB Rheintal schaltet sich ein
Die Region ist das Wirkungsgebiet des Vereins MTB Rheintal. Seit Jahren setzt sich die Gruppe in der Umgebung von Altstätten SG und den angrenzenden Kantonen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden dafür ein, dass das Trailbiken in geordneten Bahnen verläuft. Ein signalisiertes Trailnetz in der Gegend, in der jetzt um das Befahren einer Teerstrasse gestritten wird, steht kurz vor der Vollendung.
Alex Gamper ist Co-Präsident von MTB Rheintal und sagt zu Ride: «Bei uns hat sich der Landwirt nie gemeldet. Wir haben erst vom Problem erfahren, als das Verbotsschild da stand.» Er habe den Herrn kontaktiert, der habe aber abgeblockt. Das Fahrverbot sei rechtsgültig, Ende der Diskussion. «Mit Weidebarrieren über die Strasse, die Biker nur langsam passieren können und an die Vernunft appellierenden Schildern haben wir an anderen Orten positive Resultate erzielt», erklärt Gamper. Der Landwirt habe nichts davon wissen wollen. Mit dem Verbot sei die Situation für ihn geklärt.
Alex Gamper und allen, die sich mit Mountainbike-Lenkung auskennen, ist klar: Das Verbot wird es schwer haben. Wenn auf einer Route, noch dazu auf einer unverdächtigen Teerstrasse, die an Feldern, Wäldern und ein paar Häusern vorbei führt, plötzlich ein Fahrverbotsschild steht, werden sich viele Radfahrerinnen nicht davon abhalten lassen, dort weiterhin entlang zu radeln.
Das Verbot wird das Problem kaum lösen
Wegen des Trailnetzes arbeite der Verein MTB Rheintal seit langem konstruktiv mit der Gemeinde Oberegg AI zusammen, beschreibt Gamper. Dieser haben die Biker nun einen Lösungsvorschlag unterbreitet: Sinnvoll wäre aus Sicht des Vereins, dem nahen Waldrand entlang einen Weg zu bauen, auf dem die Velofahrer in sicherem Abstand vom Bauernhof nach St. Anton hinauf oder von dort hinunter fahren können. Der Landwirt halte davon aber nichts, denn dann müsse er noch mehr Weidezäune aufstellen, habe er protestiert.
Auch mit dem Ausflugsrestaurant auf dem St. Anton seien sie im Gespräch, sagt Gamper. Die Wirte-Familie, die auf der Website auch für das Velofahren und Mountainbiken in der Umgebung wirbt, hat kein Interesse daran, dass ihren Gästen die Anfahrt erschwert wird.
Gamper meint nur: «Der Landwirt hat unsere Nummer und weiss, wie er uns erreichen kann, wenn er merkt, dass das Fahrverbot nichts bringt.»
Ride empfiehlt selbstverständlich nicht, Fahrverbote zu missachten. Und auch nicht, mit hoher Geschwindigkeit durch Bauernhöfe und an Wohnhäusern vorbeizuballern. Die Ride-Tour auf den St. Anton startet in Altstätten SG und umfährt die umstrittene Strasse deshalb weiträumig.