Widerstand bröckelt: Appenzell Innerrhoden lehnt Bike-Verbot ab | Ride MTB

Widerstand bröckelt: Appenzell Innerrhoden lehnt Bike-Verbot ab

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Appenzell Innerrhoden, historisch schwieriger Boden für Mountainbiker, lehnt ein MTB-Verbot auf Wanderwegen ab – mit 23 gegen 22 Stimmen im 50-köpfigen Parlament. Das kantonale Veloweggesetz kommt nun ohne Bike-Verbot vors Stimmvolk.

Appenzell Innerrhoden – das war während Jahrzehnten ganz schwieriger Boden für Trailbiker. Das Bundesgesetz über die Velowege zwingt den Kanton nun, neben einem Netz für den Alltagsverkehr auch ein Freizeitnetz zu schaffen – gemeint sind attraktive Routen für Mountainbikerinnen.

Die Regierung des Kantons im Osten der Schweiz nahm dies als Gelegenheit, die Trailsperre gesetzlich zu verankern. «Ausserhalb gekennzeichneter Velowege ist das Befahren von Wanderwegen nicht erlaubt», so stand es im Entwurf des «Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über Velowege».

Doch die Zeit und die Popularität des Mountainbikes sind auch am traditionsbewussten Kanton nicht spurlos vorbeigegangen. Im Parlament stiess dieser Artikel auf Widerstand, wie die Appenzeller Zeitung (Paywall) berichtet.

Der zuständige Regierungsrat Hans Dörig versprach, das Verbot schaffe klare Verhältnisse. Neue oder bereits bestehende Bike-Routen könnten «problemlos ins Velonetz aufgenommen werden». Anders gesagt, selbst das bescheidene Innerrhoder Bikeroutennetz wäre zuerst wieder illegal. Weiter argumentiert er, das flächendeckende Verbot sei ein Anreiz für die Bezirke, einen attraktiven Freizeitplan festzulegen.

«Zuerst verbieten, dann teilweise erlauben»

Grossrat Marco Koster sah dies anders: Zuerst verbieten und dann teilweise wieder erlauben, sei nicht liberal, zitiert ihn die Appenzeller Zeitung. Der Regierung sei es offenbar wichtig, ein Verbot für das Befahren von Wanderwegen in Stein zu meisseln, so der Parlamentarier weiter. Ein anderer wies darauf hin, dass mit dieser Regelung Kinder auf ihrem Schulweg zu Gesetzesbrechern würden und nannte dafür ein konkretes Beispiel.

Das Thema Mountainbiken auf Wanderwegen wühlt offenbar auf. Nahezu jedes der 47 anwesenden Parlamentsmitglieder habe das Wort ergriffen, schreibt die Lokalzeitung. Einige prophezeiten laut der Agentur SDA, das Veloweg-Gesetz werde mit dem Fahrverbot auf Wanderwegen an der Landsgemeinde durchfallen – die Innerrhoden Stimmbevölkerung hat dort das letzte Wort.

Bemerkenswert ist auch die Aussage von Regierungsrat Hand Dörig, Appenzell Innerrhoden werde die vom Bund gesetzte Frist, ein Freizeitvelonetz vorzulegen, nicht schaffen. Diese läuft 2027 aus.

Die Abstimmung im Grossen Rat musste schliesslich dreimal wiederholt werden, bis die Anzahl der abgegebenen Stimmen mit der Anzahl der anwesenden Stimmberechtigten übereinstimmte: 23 votierten gegen, 22 für den Gesetzesentwurf mit dem Bikeverbot, zwei enthielten sich.

Im April kommt das Einführungsgesetz nun an der Landsgemeinde zur Abstimmung – ohne Bikeverbot auf Wanderwegen. Vorerst bleibt in Innerrhoden aber alles beim Alten, nämlich, dass Mountainbikerinnen nur auf signalisierten Routen willkommen sind. Das neue Gesetz lässt aber mehr Spielraum, schmale Wege künftig den Bikern zu öffnen.