Werkstatt-Notstand: Droht der absolute Mechaniker-Mangel? | Ride MTB

Werkstatt-Notstand: Droht der absolute Mechaniker-Mangel?

Shimano NextGen Mechanics

Foto: Shimano

Fahrräder werden digitaler, E-Bikes komplizierter – doch ausgerechnet jene Fachkräfte, die sie am Laufen halten, werden knapp. Eine neue europäische Untersuchung zeigt, wie ernst die Lage bereits ist und weshalb sie am Ende fast jeden treffen könnte, der sein Bike in die Werkstatt bringt.

In Europas Fahrradwerkstätten fehlen laut dem neuen NextGen Mechanics Report schon heute rund 45’000 Fachkräfte. Bis 2032 muss die Branche insgesamt etwa 105’000 neue Velomechanikerinnen und Velomechaniker gewinnen. Darin enthalten sind sowohl zusätzliche Stellen als auch der Ersatz für Beschäftigte, die den Beruf verlassen.

Aktuell arbeiten europaweit schätzungsweise 175’000 Menschen als Velomechaniker. In sechs Jahren müssten es annähernd 250’000 sein. Die Analyse stützt sich auf Beschäftigungsdaten aus dem Fachhandel sowie auf mehr als 600 Rückmeldungen aus 30 europäischen Ländern.

Der Engpass trifft die Branche in einem ungünstigen Moment. Längst gehören bei modernen Bikes neben Schraubenschlüssel und Drehmomentschlüssel auch Diagnosesoftware, Firmware, Akkus und elektronische Antriebe zum Arbeitsalltag. Ausbildung, Anerkennung und Bezahlung hätten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt gehalten.

Ties Van Dijk von Shimano bringt das Problem auf den Punkt: «Aus Gesprächen mit Bikeshops wissen wir, dass die Werkstatt von Jahr zu Jahr wichtiger für ihr Geschäft wird, sie aber keine Leute finden.»

Die Folgen bekommen auch die Fahrer zu spüren. Eine separate Shimano-Umfrage unter 25’000 Personen nennt hohe Kosten, lange Wartezeiten, fehlende Werkstätten und begrenzte Öffnungszeiten als Wartungshürden. Hochgerechnet fahren deshalb 121 Millionen Europäer weniger Velo; 7,6 Millionen sollen das Velofahren ganz aufgegeben haben.

Der europäische Branchenverband ECI richtet nun eine ständige Expertengruppe ein. Sie soll unter anderem einheitlichere Ausbildungswege entwickeln, neue Fachkräfte gewinnen und dafür sorgen, dass der Beruf wirtschaftlich attraktiver wird.

Zum vollständigen NextGen Mechanics Report