Tuning: Die E-Bikebranche will dicht machen
Ein Dongle am Sensor, ein Eingriff in die Software – und der Motor unterstützt über die vorgesehenen Grenzen hinaus. Solche Manipulationen will European Cycling Industries (ECI) deutlich erschweren. In einem Positionspapier konkretisiert der Branchenverband, welchen Schutz er bei modernen E-Bike-Systemen als Stand der Technik betrachtet.
Dabei reicht es aus Sicht des Verbands nicht, allein den Geschwindigkeitssensor abzusichern. Die Software soll dessen Werte mit weiteren Informationen wie Trittfrequenz und Motordrehzahl abgleichen. Updates und wichtige Einstellungen sollen gegen unbefugte Änderungen geschützt sein. Einfache PINs, versteckte Menüs oder leicht zugängliche Freischaltcodes gelten dafür als unzureichend.
Erkennt ein Antrieb verdächtige Eingriffe, nennt ECI mögliche Reaktionen: eine Fehlermeldung, reduzierte Motorunterstützung oder eine notwendige Werkstattprüfung. Manipulationsgeschützte Protokolle sollen Änderungen nachvollziehbar machen. Legitime Wartung, Diagnose und Reparatur müssen dabei weiterhin möglich bleiben.
Auch ausserhalb der Entwicklungsabteilungen soll der Druck steigen. ECI fordert bessere Prüfwerkzeuge für Behörden und ein konsequenteres Vorgehen gegen Tuningangebote im Internet sowie entsprechende Dienstleistungen im Handel. Die deutschen Verbände ZIV und Zukunft Fahrrad unterzeichneten laut Heise am 30. September zusätzlich eine europäische Selbstverpflichtung gegen Tuning. Sie verlangen verstärkte Kontrollen und mehr Verantwortung für Online-Marktplätze.
Wie verbreitet Tuning tatsächlich ist, bleibt allerdings unklar. Heise verweist auf fehlende amtliche Zahlen und Studien zum Zusammenhang mit Unfällen. Das Positionspapier ist zudem kein neues Gesetz. Es zeigt aber, wohin die Branche will: Manipulationen sollen technisch schwieriger und für Kontrollen besser erkennbar werden.