Rampage: Wenn die Begeisterung kippt
Bei der Red Bull Rampage 2025 sass ich vor dem Bildschirm und schaute fasziniert zu, was diese Fahrer auf ihren Bikes zustande bringen. Dann stürzte Adolf Silva schwer, und aus dem Mitfiebern wurde die bange Hoffnung, dass dieser Unfall irgendwie glimpflich ausgegangen sein könnte.
In den Tagen danach wurde klar, wie gravierend seine Verletzung war. Silva hatte eine schwere Rückenmarksverletzung erlitten und musste sich auf einen Alltag mit Querschnittslähmung und Rollstuhl einstellen. Ich hatte live zugeschaut, wie sich ein Mensch lebensgefährlich und lebensverändernd verletzte, während ich eigentlich einen unterhaltsamen Abend verbringen wollte.
Natürlich wusste ich schon vorher, dass bei der Rampage enorm viel auf dem Spiel steht. Trotzdem ist es etwas anderes, sich dieses Risiko grundsätzlich bewusst zu machen oder zuzusehen, wie ein Sturz das Leben eines Fahrers von einer Sekunde auf die andere verändert. Seither sehe ich diese Veranstaltung mit anderen Augen.
Was nach dem Sturz kam
Im Anschluss habe ich Silvas YouTube-Serie «Still Loco» verfolgt und gesehen, wie er sich durch die Rehabilitation kämpft, Fortschritte macht und seinen Alltag neu organisiert. Sein Optimismus, sein Durchhaltewillen und sein Kampfgeist haben mich beeindruckt, ebenso wie die Offenheit, mit der er die Veränderungen in seinem Leben zeigt.
Besonders berührt hat mich, wie er sich seine Selbstständigkeit zurückholt und weiterhin selbst bestimmt, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, brauchen nun Training, Geduld oder Unterstützung, während er gleichzeitig neue Ziele entwickelt und Möglichkeiten findet, aktiv zu sein. Silva zeigt eindrücklich, dass sein Leben weiterhin Freude, Sport und Perspektiven enthält. Sein Umgang mit der Verletzung verdient grossen Respekt, doch für mich nimmt er dem Unfall nichts von seinem Schrecken.
Ich habe durch ihn viel darüber nachgedacht, wie wertvoll Gesundheit ist und wie selbstverständlich man einen funktionierenden Körper nimmt. Seine Geschichte zeigt sowohl, wie schnell sich ein Leben verändern kann, als auch, wie viel Kraft ein Mensch aufbringen kann, um unter völlig veränderten Bedingungen weiterzumachen.
Zu viel Risiko für die Show
Die fahrerische Klasse bei der Rampage fasziniert mich weiterhin, und ich weiss, wie viel Arbeit und Vorbereitung hinter diesen Runs steckt. Trotzdem fällt es mir inzwischen schwer, mich von einer Show unterhalten zu lassen, bei der ein einziger Fehler das Leben eines Fahrers für immer verändern kann.
Wir sitzen bequem vor dem Bildschirm, jubeln über gelungene Tricks und halten bei einem Sturz den Atem an. Wenn die Übertragung vorbei ist, gehen wir unserem Alltag nach, während ein schwer verletzter Fahrer womöglich sein ganzes Leben mit den Folgen zurechtkommen muss. Diese Distanz zwischen unserer Unterhaltung und dem tatsächlichen Preis eines misslungenen Runs beschäftigt mich.
Die Athleten entscheiden selbst, welche Risiken sie eingehen, und ich respektiere ihre Freiheit, das zu tun. Ich kann ihr Können bewundern und trotzdem zum Schluss kommen, dass ich ihnen dabei nicht mehr zuschauen möchte. Als Zuschauer kann ich kaum beurteilen, wie ein Fahrer sein Risiko einschätzt und weshalb er sich für einen bestimmten Run entscheidet. Was ich beurteilen kann, ist meine eigene Reaktion darauf, und die hat sich seit Silvas Sturz verändert.
Seinen weiteren Weg werde ich gerne verfolgen, weil mich interessiert, wie es ihm geht und welche Fortschritte er macht. Bei der nächsten Rampage würde ich dagegen wohl bei jedem gewagten Sprung daran denken, was ich im vergangenen Jahr gesehen habe. Die Vorfreude auf diese Show ist mir vergangen.