Wie im Namen des Mountainbikesports die Natur versaut wird | Ride MTB

Wie im Namen des Mountainbikesports die Natur versaut wird

Neuer Trail an der Corne de Sorebois

Der neue Trail zum Lac de Moiry ist ein Schandmal in Sachen Mountainbike-Trails.

Foto: Thomas Giger

Wenn hochalpine Hänge für unseren Sport rücksichtslos umgegraben werden, müssen wir Mountainbiker über die Bücher und auf die Hinterbeine. Eine Analyse zum Trail-Desaster am Corne de Sorebois im Wallis.

Es klang auf dem Papier so vernünftig. Die Abfahrt vom Corne de Sorebois hinunter zum smaragdgrünen Lac de Moiry ist landschaftlich ein Traum, aber eben auch ein klassisches Nadelöhr. Horden von Wanderern, ein einziger Weg und mittlerweile eine Bergbahn, die Mountainbiker auf den Berg schaufelt. Wenn unser viel beschworenes Zauberwort der «Koexistenz» derart an seine Grenzen stösst, macht eine getrennte Linienführung absolut Sinn. Deshalb entsteht dort aktuell ein neuer Mountainbike-Trail. Soweit, so gut.

Diesen Sommer fuhren die Bagger auf – und jetzt werden die Dimensionen dieses Projekts erschreckend deutlich. Da wurde nicht etwa feinfühlig ein Pfad in die alpine Topografie massiert. Nein, hier wurde ein Weg in Bikepark-Dimensionen in den Hang gefräst. Was wir hier sehen, ist eine glattgebügelte Flow-Autobahn mit massiven Anlegerkurven und Sprüngen, mitten in einer sensiblen, hochalpinen Landschaft. Es ist schlichtweg ein Schandmal in Sachen Mountainbike-Trails, wie man es in dieser Brutalität zum Glück nur selten sieht.

Für den Spass der Mountainbiker wird die Natur geschändet. Der Sorebois-Trail ist ein Schuss ins Knie für unseren Sport.

Das eigentliche Drama an diesem Bauwerk: Solche überdimensionierten Bagger-Pisten spielen den Kritikern unseres Sports geradezu mustergültig in die Hände. Wäre ich ein Naturschutz-Aktivist – bei diesem Anblick wäre der Fall sonnenklar: Für den Spass der Mountainbiker wird die Natur geschändet. Ich müsste ihm recht geben. Der Neubau an der Sorebois ist vor diesem Hintergrund kein Gewinn, sondern ein Schuss ins Knie für unseren Sport. Es ist die mit Baggerschaufel gegrabene Bestätigung für all jene, die in uns ohnehin keine naturverbundenen Sportler, sondern rücksichtslose Alpenrowdies sehen.

Aber es sind eben nicht nur die Naturschützer, die sich ob diesem Anblick berechtigterweise die Haare raufen. Auch ich als Mountainbiker stehe kopfschüttelnd davor. Wenn Trails für meine geliebte Sportart derart rücksichtslos ins Gelände gebaggert werden, dann muss ich zwingend auf die Hinterbeine stehen. Das grosse Plus des Mountainbikesports war und ist seine Naturverträglichkeit. Wenn wir nun aber mit den Denkmustern des Wintersports ganze Hänge umgraben, dann haben wir verloren. Der Sorebois-Trail ist ein erschreckendes Ansichtsexemplar dafür, wie wir den nachhaltigen Mountainbikesport blindlings in eine Sackgasse manövrieren.

Meine Empörung über die masslosen Trail-Dimensionen an der Sorebois hat nichts mit meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber Flowtrails zu tun. Vielmehr schmerzt mich mein naturverbundenes Herz ob diesem Anblick. Hier geht es nicht um mich und meine bevorzugte Fahrweise sondern um den Schutz des wichtigsten Guts des Mountainbikesports: der Natur.

Die zynische Pointe dieses Projekts liefert übrigens der Name der verantwortlichen Trailbau-Firma. «Wild Trails» nennt sich diese junge, unerfahrene und lokal verankerte Truppe. Wild ist an dieser Retorten-Piste höchstens die Zerstörung. Die Firma hat dem Mountainbikesport jedenfalls keinen neuen Trail geschenkt, sondern uns ein faules Ei gelegt.


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