Kahlschlag in USA: Cannondale wird europäisch
Cannondale verabschiedet sich von seinem bisherigen Hauptsitz in Wilton, Connecticut. Der niederländische Mutterkonzern Pon-Bike bündelt die globalen Funktionen künftig in Europa. Woudenberg in den Niederlanden, bislang europäische Unternehmenszentrale, wird zum weltweiten Hauptsitz. Forschung, Entwicklung und Engineering werden in Freiburg im Breisgau konzentriert, wo bereits heute ein Grossteil dieser Tätigkeiten angesiedelt ist.
Von der Schliessung des amerikanischen Standorts sind laut Medienberichten 143 Arbeitsplätze betroffen. Nach einer Übergangsphase soll Wilton bis Mitte 2027 seine bisherige Funktion verlieren. Für den nordamerikanischen Vertrieb entsteht ein neuer Standort an der Westküste. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit anderen Marken des Pon-Bike-Konzerns intensiviert werden.
Cannondale begründet den Umbau mit der Bedeutung des europäischen Marktes. Europa sei der grösste und weiterhin wachsende Absatzmarkt der Marke. Durch die Bündelung von Produktmanagement, Marketing, Forschung und Entwicklung sollen Entscheidungswege verkürzt und die Zusammenarbeit verbessert werden.
Schon 2010 fiel «Handmade in USA»
Für langjährige Cannondale-Fans ist der Rückzug aus Connecticut eine weitere Zäsur. Bereits 2009 hatte der damalige Eigentümer Dorel angekündigt, die Rahmenproduktion im amerikanischen Bedford, Pennsylvania, einzustellen und nach Asien zu verlagern. 2010 endete die amerikanische Rahmenfertigung, ab dem Modelljahr 2011 kamen sämtliche Cannondale-Rahmen aus Asien.
Damit verschwand auch das legendäre «Handmade in USA», das jahrzehntelang zum Markenkern gehört hatte. Cannondale war mit grossvolumigen Aluminiumrohren, markanten Schweissnähten und eigenwilligen Konstruktionen zur Kultmarke geworden. Für viele Fans war die amerikanische Fertigung weit mehr als eine Herkunftsangabe.
Cannondale wurde 1971 in Connecticut gegründet. Seit 2022 gehört die Marke zum niederländischen Pon-Konzern.