Zur Bella Tola hoch über Sierre
Grosse Gefühle
Ich habe sie im Internet kennengelernt. Auf einer dieser Dating-Plattformen. Viele dieser Profile haben mich interessiert, fast schon unüberschaubar viele. Doch eine ist mir in der Masse aufgefallen: die Bella Tola. Die schöne Tola, sie hat mir gleich den Kopf verdreht. Während beinahe einem Jahr habe ich ihr Profil studiert, immer wieder, doch stets fehlte mir der Mut zum nächsten Schritt. Bis an diesem Sommerabend, als ich sie für ein Treffen kontaktierte. Die Antwort kam prompt. Morgen hätte sie Zeit. Dem Rendez-vous mit der schönen Tola stand nichts mehr im Weg.
Die schöne Tola und ich
Nun ist es also soweit. Die schöne Tola wird heute zur Realität. In St-Luc wollen wir uns treffen. Zugegeben, ein ungewöhnlicher Ort, aber sie wollte es so. Sie ist von hier, eine waschechte Walliserin. Ich meinerseits würde für ein solches Treffen auch um die halbe Welt reisen, keine Frage.
Es ist nicht mein erstes Date, und ich weiss unterdessen, wie man so etwas angeht. Mit einer Bergbahnfahrt zum Beispiel. Die Fahrt von St-Luc hoch nach Tignousa bietet die beste Gelegenheit für etwas Smalltalk. So muss man dies angehen, ein paar lockere Gespräche und ein unkomplizierter Austausch, auf diese Weise kommt man sich schnell näher. Distanzierte Tuchfühlung ist in dieser Phase angesagt. Die schöne Tola sieht das gleich und gibt sich unnahbar. Es ist noch weiter Weg, sie zu erobern.
Es folgt der nächste Schritt des Kennenlernens: die Imponierphase. Auf einem Bergsträsschen gehts berghoch, und ich plaudere weiter wie zuvor. Ein solcher Aufstieg soll mich ausser Atem bringen? Bestimmt nicht heute. Durchtrainiert, robust, stark, so möchte ich von der schönen Tola wahrgenommen werden. Sie tut es mir auf ihre Weise gleich und lässt ihre ganze alpine Schönheit in der Morgensonne erstrahlen. Sie hat eine dezente Schneeschicht als Makeup aufgetragen. Ich schmelze vor Anmut – wohl genau das, was sie will.
Je länger der Aufstieg dauert, desto näher kommen wir uns. Die Chemie stimmt. Das kommt gut, denke ich und habe wohl längst und ungewollt das Herz an die schöne Tola verloren. Sie wird mit jedem Meter Aufstieg noch etwas schöner. Sie ist kein filigranes Stadtpüppchen sondern ein solides Bergfräulein mit Charakter. Das muss sie auch sein, ist sie doch umgeben von alpinen Gipfelschönheiten, die mit ihren Gletscherhüten und Granitmäntelchen der Tola regelmässig die Schau stehlen. Doch was interessieren mich diese unnahbaren und eitlen Schönheiten? Mein Herz habe ich längst an die Tola verloren. Und Schönheit ist ohnehin auch nur immer eine Frage der Perspektive. Schliesslich braucht sich die Tola mit ihrer Grösse von 3025 Metern auch nicht zu verstecken.
Das Date läuft wie am Schnürchen. Die Tola und ich, wir passen wie perfekt zusammen. Die Tücher sind im Trockenen. Doch dann zeigt sie plötzlich ihre zickige Seite. So einfach gehe das nicht mit mir, denkt sie wohl, so einfach sei sie nicht zu erobern. Meine ernsthaften Absichten muss ich jetzt erst einmal unter Beweis stellen. In diesem Fall bedeutet dies ein steiler und beschwerlicher Aufstieg. Keuchen, schwitzen, fluchen. Ich habe sie durchschaut und lasse sie spüren, welche Leiden ich auf mich nehme. Das anfängliche Imponiergehabe ist abgelegt, in dieser Phase des Dates sind andere Seiten gefragt. So läuft das Spiel der Paarung seit Jahrhunderten. Die schöne Tola erwartet Opfer, ich liefere.
Ab auf Wolke Sieben
Dann sind die letzten Meter geschafft, die schöne Tola ist erobert. Wir fallen uns um den Hals, mein Herz schlägt wie verrückt. Jetzt nicht mehr ob der Anstrengung, dafür vor Begeisterung. Bei der Tola ist man dem Himmel ganz nah. Kühl und fast schon neidisch blicken das eitle Fräulein Weisshorn, die Grand Dame Dent Blanche oder die Miss-Universe Matterhorn auf uns hinab. Von solchen Momenten können die einsamen Schönheitsköniginnen in ihren unnahbaren Höhen bloss träumen. Das Glück gehört heute der bodenständigen Tola. Und mir.
Stundenlang könnten wir hier sitzen und in die Welt schauen. Wir brauchen nichts mehr zu sagen. Die Date-Phase der Glückseeligkeit ist eingeläutet. Es gibt nur die Tola und mich, den Alltag haben wir weit unten gelassen. Könnten wir schweben, wir täten es auf Wolke Sieben.
Schmetterlinge im Bauch sind gut und recht, aber für eine solide Beziehungen braucht es gemeinsame Erlebnisse. Nichts einfacher als das mit der schönen Tola. Zusammen geht es in die lange Abfahrt nach Sierre. Die Euphorie trägt uns durch die ersten Kurven. Ich wäre nicht mich selbst, würde ich dabei mit einer spektakulären Linienwahl nicht erneut die Tola beeindrucken wollen. Dicht an dicht folgt sie mir. Wir sind ein Team, komme nun was wolle. Zusammen sind wir unschlagbar.
Es ist die perfekte Abfahrt. Vielleicht liegts an der heutigen Leichtigkeit meines Fahrstil. Vielleicht an den Rundungen der schönen Tola. Jedenfalls läuft alles am Schnürchen. In Chandolin zeigen wir uns beide dann ein erstes Mal in der Öffentlichkeit. Wir könnten platzen, so stolz sind wir uns. Unsere Welt dreht sich gerade nur um die eigene Achse.
Marmor, Stein und Eisen bricht
Unbekümmert rollen wir weiter dem Ort Sierre entgegen. Wir hätten die Zeichen erkennen können, doch im Liebesrausch sieht man vieles nicht mehr. Unsere frische Beziehung ist ein erstes Mal gefordert. Ein Nebenbuhler der schönen Tola hat uns kommen sehen und will uns die Durchfahrt verwehren. Er hat einen riesigen Zaun in den Wald gestellt in der Absicht, unseren Liebespfad zu unterbrechen. Auch der mächtigste Zaun kann uns nicht aufhalten, keinen Keil zwischen uns setzen. «Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht.» Wir finden einen Durchgang und rauschen dem Liebesglück weiter entgegen.
Als wir in Sierre ankommen, sind die schöne Tola und ich unzertrennlicher denn je. Und da wird mir bewusst, dass ich noch immer bloss ihr Pseudonym «Bella Tola» kenne, nicht aber ihren richtigen Namen. Das sei ihr richtiger Name, erwidert sie. Sie halte nichts davon, anderen etwas vorzumachen. So sei sie halt. Ich schmelze vor Glück.
In Sierre ist es mittlerweile dunkel geworden. «Tola, ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft», sage ich ihr. «Gehen wir zu dir oder zu mir?» fragt sie, und ich lösche mein Konto auf der Datingplattform.
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Details zur Tour
Hier kommen einige weitere Infos zur Bella-Tola-Tour hinzu.
Streckenangaben
Shuttles
Die Karte ist nur für Ride-Abonnenten verfügbar.Karte der Tour
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