Das leise Ende der Disziplin Four Cross
In genau einem Monat startet in Albstadt der Mountainbike-Weltcup in die neue Saison. Den Auftakt macht das Rennen in der Disziplin Cross-Country-Eliminator, welche dem Four Cross faktisch den Todesstoss versetzt hat. Die UCI will die Sprintrennen der Cross-Country-Spezialisten aus der Retorte heben und hofft mit den Sprintrennen auf den olympischen Segen. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt: Die Attraktivtät des Four Cross wurde auch nicht annähernd erreicht. Auch darum, weil das Potenzial von Cross-Country-Eliminator sträflich wenig abgeschöpft wurde.
Der Aufschrei war gross, als die UCI im September 2011 überraschend ankündigte, für die Disziplin Four Cross künftig keinen Weltcup mehr auszutragen. Es entstanden in der Folge zwar auf privater Basis neue Rennformate, doch die Fourcrosser sind aus dem Radsport-Ghetto, in welches sie von der UCI bugsiert wurden, nicht mehr herausgekommen. Dass nun Four Cross auch noch bei den Weltmeisterschaften von den restlichen Mountainbike-Disziplinen abgesondert wird, erstaunt indes niemanden mehr. Die fadenscheinige Begründung: Fourcrosser könnten sich die Reise nach Südafrika nicht leisten. Die Meisterschaften finden nun anlässlich des Downhill-Weltcups am 21. September in Leogang statt und werden erneut degradiert, dieses Mal zum Rahmenprogramm des Weltcupfinals. Die Botschaft ist unmissverständlich: Four Cross ist in den Köpfen der UCI faktisch tot.
Gänzlich unverständlich ist die Abschiebetaktik der UCI aus sportlicher Sicht. Die Weltcup-Läufe der Fourcrosser boten nicht selten packende Wettkämpfe. Sie waren schnell, spannend und spektakulär. Sie waren für Zuschauer vor Ort wie auch zu Hause am Bildschirm gut zu verfolgen und boten alle Ingredienzien, die von einer modernen Sportart erwartet werden. Während Cross-Country- wie auch Downhill-Rennen für das breite Publikum nicht selten langweilig zu verfolgen sind, war Four Cross stets das massentaugliche Show-Element des Mountainbikesports. Und ausgerechnet dieser Disziplin versetzt die UCI den Todesstoss.
Die Hoffnungen der UCI liegen in der Disziplin Cross-Country-Eliminator. Es ist weitgehend dasselbe Rennformat wie Four Cross, nur kommen die Athleten aus der Cross-Country- und nicht aus der Gravity-Abteilung. Was dieser Disziplin fehlt, sind die spektakulären Sprünge und die massiven Anliegerkurven. Cross-Country-Eliminator wird deshalb nie die Attraktivität von Four Cross erreichen können. Die neue Diszplin hat aber einen entscheidenden Vorteil: Man kann die Wettkämpfe mitten in Stadtzentren durchführen. So war das Weltmeisterschaftsrennen in Saalfelden ein Musterbeispiel, wie dieses Rennformat funktionieren kann. Im Weltcup hat sich indes aber ein anderes Bild gezeigt: langweilige Rundkurse fernab der Öffentlichkeit, unspektakuläre Streckenverläufe und ein Teilnehmerfeld nicht selten bestehend aus der dritten Garde der Mountainbike-Elite. Cross-Country-Eliminiator hat im Weltcup die Disziplin Four Cross nicht annähernd ersetzen können.
Die UCI hat der einen Sportart den Todesstoss versetzt, die andere aber nie über den Retortenstatus gehoben. Derweil liebäugelt der Weltradverband bereits mit der Aufnahme von Cross-Country-Eliminator ins olympische Programm. Unter diesen Voraussetzung dürfte es ein Ding der Unmöglichkeit sein, das Internationale Olympische Komitee von der Attraktivität der Sportart zu überzeugen. Dabei hat die UCI viel elementarere Probleme: Sie sucht weiterhin nach einem Hauptsponsor für den Weltcup. Mit der Versenkung der Disziplin Four Cross hat sie sich wohl ein fatales Ei gelegt.