Der Meistermacher: Wie Andi Seeli den Rennsport verändert hat
Vor 25 Jahren hat Andi Seeli den «Power Kids Cup» ins Leben gerufen – eine Rennserie nur für Kinder bis Jugendliche. Sein Konzept, früh Fahrtechnik mit Geschicklichkeit üben anstatt Ausdauer auf den Rennrad zu bolzen, trägt bis heute noch zum Erfolg der Schweizer Cross-Country-Fahrer bei. Für die Umsetzung musste der frühere Nationaltrainer allerdings ordentlich gegen den Strom schwimmen. Seeli, der Revolutionär der Nachwuchsarbeit, spricht im Interview in der September-Ausgabe von Ride unter anderem über Furchtlosigkeit, Drohbriefe, übereifrige Eltern und wie der einstige Nachwuchs-Cup zur bedeutendsten Rennserie nach dem Weltcup geworden ist.
Zwei Gaben zeichnen Andi Seeli aus: Zu sehen, was es braucht, um talentierte Nachwuchs-Athleten an die Spitze zu bringen und die Hartnäckigkeit, diese Ideen auch umzusetzen, egal wie gross der Widerstand dagegen ist. Er war es, der die Kids-Rennen auf Technikparcours durchführte und nicht auf «normalen» Rundstrecken. Nachträglich gesehen hat diese Strategie wesentlich zur internationalen Dominanz der Schweizer Cross-Country-Fahrer beigetragen. «Die Parcours zielten darauf ab, in erster Linie die Geschicklichkeit zu fördern. Die Kinder haben auch viel mehr Spass daran.» Der Faktor einer guten Fahrtechnik war damals im Spitzensport der Mountainbiker zwar nicht so bedeutend wie heute, doch Seeli erkannte sehr früh die Bedeutung. Das wiederum passte nicht allen. Er bekam Drohbriefe von Eltern und wurde beschimpft, zum Teil auch von Veloclubs, weil sie das Parcoursfahren ausdrücklich als «Scheisse» abstempelten. Solche und weitere Anekdoten zeigt Seeli im Interview auf und erklärt, gegen welche, heute unverständliche Widerstände er kämpfen musste.
Der Erfolg gibt ihm schliesslich recht: Aus dem «Power Kids Cup», der landesweiten Rennserie für Kinder und Jugendliche, wurde der Swiss Bike Cup – nach dem Weltcup, eine der bedeutendsten Rennserien der Welt, an welcher der Nachwuchs weiterhin viel Platz erhält. Das Swisspower Team, das er zusammen mit Thomas Frischknecht gründete, entwickelte sich zum Scott-Sram-MTB Racing Team und spielt im Weltcup ganz vorne mit. Seelis Fokus galt jedoch immer dem Nachwuchs, das ist auch heute noch so, nach bald dreissig Jahren am Streckenrand. Im Gespräch mit Ride gibt Seeli schliesslich auch einen Einblick, wie und wo er sich seine Zukunft vorstellen könnte. Die Rückkehr an die Rennstrecke ist dabei durchaus ein Thema.