DIY Sportnahrung: Kartoffelstock statt Carbo-Gel
Die Kartoffel ist seit langem ein Geheimtipp unter Ausdauersportlern. Marathonläufer Viktor Röthlin ass am Vorabend seiner grössten Erfolge eine Rösti, Race-Across-America-Siegerin Nicole Reist verdrückte fahrend Kartoffelstock aus der Tüte und der amerikanische Ultraläufer Jamil Coury schwört während seiner Wettkämpfe auf mit Kartoffelpüree gefüllte Burritos. Es gibt zwar einige Lebensmittel, die mehr Kohlenhydrate enthalten als die Inkaknolle. Aber wer will schon Dörrfrüchte in rauen Mengen essen, und Nudeln oder Reis sind beim Pedalen wie beim Laufen eher schwer in den Mund zu kriegen.
Da funktioniert die Energiezufuhr unterwegs über das Gel-Tütchen wesentlich einfacher: Die Kappe mit den Zähnen abgerissen, den Inhalt in den Mund gedrückt und die Verpackung in der Trikottasche verstaut. Danach ein paar Schlucke Wasser und das war’s. Doch wer sich schon einmal ein paar anstrengende Stunden von zuckersüssen Gels ernährte dürfte das Verlangen nach etwas Salzigem kennen. Wie gut, dass sich auch Kartoffeln in zähflüssigem Zustand dem Organismus zufügen lassen.
Das Experiment
In der Untersuchung der Universität Illinois wurden 12 trainierte Radfahrer verglichen. Sie fuhren zwei Stunden intensiv, direkt im Anschluss absolvierten sie ein Zeitfahren. Vier ernährten sich dabei von Gels, vier assen Kartoffelstock in der Menge, die gleich viele Gramm Kohlenhydrat enthielt wie die Gels. Die letzten Vier hatten ausschliesslich Wasser zur Verfügung.
Wenig überraschend waren die beiden Gruppen, die Kohlenhydrate erhielten (60 Gramm pro 60 Minuten Anstrengung) deutlich leistungsfähiger als jene, die nur Wasser zu sich nahmen. Zwischen Gels und Kartoffelbrei war punkto Performance kein Unterschied auszumachen. Nur in einem Punkt unterschieden sich die Gel- und die Breiesser: Letztere verspürten deutlich mehr Blähungen, welche zu erhöhter Flatulenz (vulgo: Furzen) führte. Dies liege möglicherweise daran, dass im Vergleich zu Gels eine grössere Menge Püree eingenommen werden müsse, um auf die gleiche Kohlenhydratmenge zu kommen, mutmasste einer der Autoren der Studie.
Empfindliche Mägen mögen deshalb davor zurückschrecken, sich für den nächsten Bike-Marathon Plastiksäckchen mit Stocki zu füllen. Alle anderen wissen, was sie in der nächsten Aufbauphase ausprobieren können. Im übrigen schmecken gekochte Kartoffeln auch kalt und sind auch für das Gipfelpicknick einen Versuch wert.
Wer sich für die wissenschaftliche Seite interessiert: Zusammenfassung der Studie (englisch).