Dopingsperre gegen Downhill-Vize-Weltmeister Martin Maes
Nach den EWS-Rennen im März dieses Jahres in Rotorua (Neuseeland) und Derby (Tasmanien) wurde in Martin Maes Urin das auf der Dopingliste stehende Medikament Probenecid nachgewiesen. Verschrieben wurde ihm das für UCI-Athleten verbotene Mittel von einem offiziellen Rennarzt des NZ Enduro zwei Wochen davor. Maes hatte eine Verletzung am Unterschenkel, die sich zu einer starken Entzündung verschlimmert hatte. Laut Medienmitteilung seines Teams, GT Factory Racing, erklärte der Arzt Dr. Tom Jerram: «Martin hatte eine Unterschenkelverletzung erlitten, die sich während seiner Teilnahme an der Neuseeland Enduro (8. – 10. März 2019) zu einer schweren Infektion entwickelte. Die Infektion verschlechterte sich trotz der verabreichten Antibiotika-Standarddosen und sie hatte das Potential, lebensbedrohlich zu werden.» Bei schweren Infektionen Probenecin zur Verstärkung der Wirkung des Antibiotikums verabreichen sei das normale Vorgehen, erklärte der Arzt weiter. Die Behandlung tat ihre Wirkung, Maes’ Bein heilte. Laut GT Factory Racing hatte sich der Belgier sogar erkundigt, ob das Medikament für UCI-Athleten erlaubt sei – offensichtlich wurde er da falsch informiert.
Keine leistungssteigernde Wirkung
Probenecin hat keine leistungssteigernde Wirkung. Auf der Dopingliste der UCI steht es als Maskierungsmittel, das helfen kann, den Nachweis anderer verbotener Substanzen zu verunmöglichen. Bei Maes scheint der Fall klar, zumindest sieht das auch die UCI so. In ihrer Mitteilung schreibt sie: «Die Union Cycliste Internationale (UCI) gibt bekannt, dass der belgische Fahrer Martin Maes für einen Zeitraum von 90 Tagen wegen einer unabsichtlichen Verletzung der Anti-Doping-Bestimmungen suspendiert wurde.» (Übersetzung DeepL und Stefan Michel). Das Gesuch um eine nachträgliche Ausnahmebewilligung für die Behandlung mit Probenecid des GT Factory Racing Teams – nachdem diesem der positive Doping-Befund mitgeteilt worden war, lehnte die UCI ab.
Das Erstaunliche an der Geschichte ist, dass Martin Maes, obschon gerade noch verletzt und nach einer den Körper normalerweise schwächenden Anitbiotika-Kur die EWS-Rennen in Rotorua und Derby gewann, ebenso wie EWS-Runde 3 auf Madeira, wo er wieder negativ getestet wurde. Lassen wir es so stehen, dass Maes ein so ungewöhnlich starker Fahrer ist, dass ihm auch eine potentiell lebensbedrohliche Entzündung und die darauffolgende Kur nicht davon abhalten, die besten Enduro-Fahrer der Welt zu schlagen.
Die 90-tägige Sperre begann am 13. Juni, Maes’ Resultate in Rotorua und Derby werden gestrichen. Er behält seine Siegpunkte aus Madeira, verpasst aber die Rennen in Val di Fassa (Italien), Les Orres (Frankreich) und Whistler (Kanada). Mit den zwei verbleibenden Rennen in Kalifornien und Zermatt wird er seine Saison nicht retten können. Im Vergleich dazu wiegt die Strafgebühr von 2500 Dollar gering. Und was sagt der Gesperrte selber? «Im Moment bin ich sprachlos. Seit 2013 habe ich mein gesamtes Leben dem Radfahren und Radrennfahren gewidmet. Ich habe so hart trainiert, um meinen Traum wahr werden zu lassen. Eine infizierte Wunde musste notfallmäßig behandelt werden und wir haben die Verschreibung des Arztes nicht genau geprüft. Es ist allein unser Fehler. Jetzt muss ich mich mit der Situation abfinden, noch härter als je zuvor trainieren und bald zurückkommen, um diese Frustration in Freude und Leistung auf meinem Fahrrad umzuwandeln.»
An der WM 2018 in Lenzerheide hatte Martin Maes mit seinem zweiten Platz im Downhill-Rennen alle überrascht – er war zuvor kaum noch Downhill-Rennen gefahren und hatte voll auf Enduro gesetzt. Was das für die Downhill-WM 2019 heisst, wenn er einen grossen Teil der Enduro-Saison verpasst, wird sich am 1. September in Mont-Sainte-Anne zeigen.