Englischem Bikeguide droht Haft in Frankreich | Ride MTB

Englischem Bikeguide droht Haft in Frankreich

Laut einem Bericht der englischen Zeitung «Telegraph» hat der französische Staat einem englischen Bikeguide verboten, in Frankreich zu arbeiten. Frankreich akzeptiert auf seinem Boden bloss die eigenstaatlichen Diplome. Strafen drohen auch Schweizer Guides.

Alistair Jamieson betreibt seit dem Jahr 2003 eine Guiding-Firma, die sich auf Bike Ferien in Frankreich spezialisiert hat. Doch nun droht im Ungemach: Der französische Staat hat ihm offiziell verboten, Gäste als Guide auf französischem Staatsgebiet zu führen. Begründet wird die Massnahme damit, dass Jamieson über keine genügende Ausbildung verfüge. Diesen Umstand bestätigt auch der Ausbildungsleiter der französischen Guide-Ausbildung Julien Rebuffet: «Die Arbeit eines Mountainbike-Instruktors oder -Guide ist in Frankreich stark reguliert, und es ist notwendig, ein Diplom als Mountainbikeguide zu besitzen, wenn man Gäste auf dem Mountainbike führt. Diese Diplome werden in Frankreich vom Staat ausgestellt. Die französische Guide-Ausbildung ist sehr umfangreich und dauert circa 600 Stunden, während die Guide-Ausbildung in England massiv kürzer dauert, oder in anderen Ländern gar nicht existiert. Die Konsequenz daraus ist, dass ausländische Diplome in Frankreich nicht akzeptiert werden können, da die Ausbildungsniveaus zu unterschiedlich sind.»

Risiko für Schweizer Guides
Auch für Schweizer Guides ist demnach Guiding in Frankreich nicht erlaubt. Die nationale Guide-Ausbildung von Swiss Cycling Guide dauert rund 250 Stunden während 30 Ausbildungstagen. Zur Zeit gibt es keine Anerkennung des Schweizer Diploms in Frankreich, doch bereits Ende September wird ein erster Anlauf zu einer europäischen Anerkennung genommen. Unter Führung von Swiss Cycling Guide, der IMBA Europa und der französischen Guides-Ausbildung MCF, kommen Vertreter nationaler Ausbildung in Davos zum ersten «European Guide and Instructor Summit» zusammen. »Unser Ziel ist, europaweit ein einheitliches Qualitätsverständnis zu schaffen und einen gemeinsamen Guide-Titel zu begründen. Swiss Cycling Guide ist dabei in einer führenden Rolle und wird sich um Qualität bemühen«, sagt Claude Balsiger, Ausbildungsleiter bei Swiss Cycling Guide.

Verbesserte Ausbildung für den Schweizer Markt
Laut Balsiger ist der Guide-Markt in der Schweiz völlig unterentwickelt: «Wir hören seitens Tourismus immer wieder, dass mehr ausgebildete Guides benötigt werden, trotzdem sind noch viele unausgebildete Guides unterwegs». Während im Winter- und Alpinsport klare Vorgaben bestehen, ist der Markt für Mountainbike-Guides nicht geregelt. Swiss Cycling Guide arbeitet seit einiger Zeit an einer nationalen Berufsstandsanerkennung und Versicherungslösungen für Mountainbike-Guides. Während bereits ab 2015 kollektive Berufshaftpflichtversicherung für Swiss Cycling Guides angeboten werden können, wird die Berufsstandsanerkennung noch einige Jahre aus sich warten lassen. Dabei ist man nicht nur bemüht die Schwellen zu erhöhen, sondern den Einstieg in die Ausbildung auch zu vereinfachen. »J+S Mountainbike-Experten, Schneesportlehrer oder bereits sehr erfahrene Guides erhalten einen vereinfachten Einstieg in unsere Ausbildung. Wir sehen, dass in vielen Segmenten des Outdoorsports bereits viel Erfahrung vorhanden ist, dennoch sind beispielsweise Schneesport und Mountainbike zwei verschiedene Sportarten und können nicht mit einer Skilehrerausbildung abgedeckt werden«, erklärt Balsiger.

www.swiss-cycling-guide.ch
www.moniteurcycliste.com

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/11007741/British-mountain-biking-instructor-faces-jail-in-France-over-work-ban.html