Fabio Püntener: «Klar liebäugle ich mit einem Weltcup-Sieg!» | Ride MTB

Fabio Püntener: «Klar liebäugle ich mit einem Weltcup-Sieg!»

Als im Januar eine grosse Tür vor Fabio Pünteners Nase zuschlug, ahnte er noch nicht, dass sich ihm noch eine viel Grössere öffnen wird. Mit viel Selbstvertrauen und Fleiss schaffte es der 25-Jährige aus der «zweiten Garde» bis aufs Weltcup-Podest und jetzt ins Scott-Sram Team. Im Interview spricht die aktuelle Weltnummer Eins über Rückschläge, neue Chancen und die Ziele für kommende Jahre.

Ride: Schliesst sich die eine Tür, öffnet sich eine andere: Ist die Causa «Spar Team», wo du mehrere Jahre unter Vertrag gestanden hättest, rückblickend ein Glücksfall?

Fabio Püntener: Diesem Team, das nie zustande kam, trauere ich jetzt nicht mehr nach. Es hat wohl so kommen müssen, dass ich nun bei Scott-Sram landen durfte. Und natürlich war es am Anfang eine ziemlich blöde Situation. Ich stand ohne Team da, worauf mir aber mein altes Team, das Bike Team Solothurn, aus der Patsche geholfen hat.

Ein Blick zurück: Was hat diese Hiobsbotschaft Anfang Jahr bei dir ausgelöst?

Du fährst für ein Team, das zwar super funktioniert, doch dann bekommt man eine Möglichkeit, sich sportlich zu entwickeln. Und dann wird dir das plötzlich unter den Füssen weggezogen. Das war wie ein Fluch. Ich machte mir zuvor bereits Gedanken, was ich dieses Jahr tun würde. Im Jahr 2024 dachte ich: Wenn ich ein Profi-Team finde, mache ich weiter, ansonsten würde ich einen Wechsel in den Rennradsport versuchen. Dann bekam ich die Zusage von diesem Team, aber im Januar zerfiel dieses Luftschloss und ich stand wieder am gleichen Punkt wie zuvor.

Und ein Strassen-Team fand sich um diese Zeit auch nicht mehr.

Nein, dafür war es zu spät. Ich wusste aber, dass ich gute Trainingswerte habe, weshalb es mir leichtfiel, weiterzumachen und zu hoffen, dass ich mein Ziel dieses Jahr erreiche – so wie ich es nun geschafft habe.

Dennoch, hättest du damit gerechnet?

Nein, nicht in diesem Ausmass. Im Jahr 2024 bin ich schon in die Top-15 gefahren, und das von einem schlechten Startplatz aus. Dieses Jahr hatte ich bessere Leistungswerte, also wusste ich, dass noch mehr möglich ist. Aber dass ich konstant in den Top-10 fahre und ein paar Podestplätze erreiche, das hätte ich nicht erwartet.

Bei den U23, wo sich oft die Weichen zur Elite stellen, warst du nicht der auffälligste Fahrer. Wie hast du trotzdem dein Ziel nie aus den Augen verloren?

Ich zählte damals tatsächlich eher zur zweiten Garde. Zwar war ich schon ziemlich konstant, wurde in meinem letzten U23-Jahr Zehnter im Gesamtklassement des U23-Weltcups, aber es fehlte immer das nötige Prozent, um nach vorne zu kommen. Ich kam dann auch eher spät in die Nationalmannschaft, wo ich auf den jetzigen Nationaltrainer Beat Müller traf. Er macht unter anderem auch die Leistungstests mit uns. Müller hat früh an mich geglaubt – mehr als ich selbst es tat. Und auch in meinen ersten Elite-Jahren, die nicht so gut liefen, wusste er immer, dass ich das Potenzial habe, und er sagte mir das auch immer wieder. Und er behielt recht! Dank ihm habe ich immer gut gearbeitet, auch wenn es noch nicht so lief.

Einer, der auch immer an dich glaubte, war Reto Burki, dein alter Teamchef. Wie wertvoll war es, dass du Anfang Jahr wieder zu ihm ins Team zurückkehren konntest?

Einerseits hat er mir dieses Jahr die Saison gerettet, aber auch die U23-Jahre waren sehr wichtig. Es gibt wenige Teams wie das Bike Team Solothurn. Die Übergangskategorien sind extrem hart. Entweder du bist im Profiteam oder du hast nichts. Reto hat deswegen das Nachwuchsteam immer mehr in Richtung Elite-Team entwickelt. Und so konnte er mich weiter fördern. Dass er mich im Januar zurückgeholt hat, obwohl ich letztes Jahr gesagt habe, dass ich etwas Neues machen möchte, das ist sehr viel wert.

Und jetzt verlässt du ihn schon wieder. Wie hat er reagiert?

Am Anfang war er natürlich nicht glücklich. Aber schlussendlich war es auch naheliegend, denn die Mittel des Bike Team Solothurn sind begrenzt. Ich bin dieses Jahr ohne Lohn gefahren und das kann ich nicht noch ein Jahr so machen. Reto ist zwar auf Sponsorensuche, aber ich musste mich auch irgendwann entscheiden. Ich konnte nicht auf etwas warten, was vielleicht nie passiert. Er hat meinen Entscheid sicher verstanden.

Resultatemässig wart ihr das bessere BMC-Team als das Factory-Team von BMC. Hat BMC bei dir nie Interesse angemeldet?

Doch, BMC wollte, dass ich wechsle. Das war nach meinem ersten Podestplatz in Leogang, als sie fragten, ob ich in Val di Sole für sie fahren würde. Das war aber relativ kurzfristig und machte für mich keinen Sinn, in so kurzer Zeit praktisch das ganze Material zu wechseln. Sie haben das akzeptiert, und als Luke Wiedmann zu ihnen wechselte, war mit Scott-Sram bereits alles unter Dach und Fach.

Wie viele andere Angebote hattest du noch?

Kontakt hatte ich mit vielen grossen Teams. Plötzlich war ich in der Situation, in der ich keine Teams anschreiben musste. Ich konnte abwarten, und die Anfragen kamen von selbst. Das war schon cool. Oft konnte ich aber nur noch antworten, dass ich bereits ein Team habe. Es tut gut, wenn man umworben wird. In den vorherigen Jahren war es umgekehrt. Da musste ich überall nachhaken. Bei Scott-Sram fühlte ich mich sehr schnell wohl und bin überzeugt, dass ich mit Abstand die beste Option gewählt habe.

Waren es meistens ausländische Teams, die Interesse bekundet hatten?

Fast durchwegs. Doch für mich war der Schritt, bei einem Schweizer Team zu bleiben, naheliegend. Einerseits ist es von der Mentalität einfacher, ich kenne schon alle, und es sind richtig gute Menschen. Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Es ist wie eine Familie.

Der frühe Wechsel, noch vor Saisonende – hilft er dir, um nächstes Jahr eingespielter in die Saison zu starten?

Wenn man aufs neue Jahr das Team wechselt, ist man am Abwarten und hofft, wieder mit der Form starten zu können, die man zuvor hatte. So aber weiss ich, dass ich jetzt die Form habe und es mir gut läuft. Klar müssen noch ein paar Details beim Material angepasst werden. Aber grundsätzlich kann ich so viel entspannter in den Winter gehen, als wenn der Wechsel erst aufs neue Jahr passieren würde.

Apropos gute Form: Du warst diese Saison konstant sehr stark. Kannst du das bis Ende dieser Saison weiterziehen?

Das wäre das Ziel, die Konstanz mit dem Wechsel beizubehalten. Ich hoffe, dass ich nochmals in die Nähe des Podestes komme. Die Form ist nach wie vor sehr gut. Während der Saison habe ich stetig aufgebaut, eine gute Sommerpause gemacht und bin danach wieder gut eingestiegen. Wenn nochmals alles zusammenkommt, spricht nichts gegen einen weiteren Podestplatz.

Hast du dich schon frühzeitig mit dem neuen Bike angefreundet oder den Materialwechsel bis nach Lenzerheide aufgeschoben?

Bereits nach der EM konnte ich das Spark abholen und bin dann zwischenzeitlich mehr auf dem Scott gefahren als auf dem BMC. Ich musste aber schon abwägen, wann ich wieder aufs BMC wechsle, um die Technik in den Rennen zu beherrschen. Die beiden Bikes sind sehr unterschiedlich und anders zu Fahren. Das war definitiv ein Spagat, und deshalb hatte ich mich auf die Weltmeisterschaften und den Weltcup in Lenzerheide hin aufs BMC konzentriert. Aber jetzt kommt eine intensivere Phase, um die finalen Details am Scott auszuarbeiten. Ich fühle mich aber schon super wohl auf dem Spark – vor allem bergab sehe ich nur Positives.

Wie lauten deine Ziele für nächstes und für die weiteren Jahre?

Sicher die Konstanz beibehalten. Ich möchte nicht ein Fahrer sein, der am einen Tag gut ist und dann wieder 50. wird. Das ist mir dieses Jahr recht gut gelungen. Nächstes Jahr will ich versuchen, im Weltcup noch etwas weiter vorne konstant zu sein und zwischendurch aufs Podest fahren. Und natürlich liebäugle ich auch irgendwann mit einem Sieg. Aber ich nehme es Schritt für Schritt. Ich habe dieses Jahr einen Riesensprung gemacht, und wenn ich an diesem Jahr anknüpfen kann, bin ich zufrieden. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich sogleich jeden Weltcup gewinnen muss.

Und die Konkurrenz schläft ja auch nicht.

Nein, und es kommen sicher wieder junge Fahrer nach, es wird immer dichter.

Wie nimmst du das öffentliche Interesse an deiner Person wahr, nachdem du dich quasi über Nacht ins Rampenlicht gefahren hast?

Das war schon eine Umstellung. Letztes Jahr reiste ich an die Rennen und niemand kannte mich. Es war egal, auf welchem Platz ich fuhr, in den Medien wurde ich sowieso kaum erwähnt. Jetzt bin ich auf dem Rennplatz und werde gesehen. Aber die Umstellung ist mir bisher gut gelungen und ich konnte mich auch in das hineinleben.

Das war sicher ein gutes Training, um mit dem Druck umzugehen, denn dieser dürfte mit dem neuen Team ja auch ansteigen.

Ja, sicher. Dieses Jahr konnte ich nichts verlieren. Das war mein Vorteil. Die Erwartungshaltung von mir und von aussen wird künftig aber sicher grösser sein. Dieses Jahr hatte ich zwar auch Druck, aber einen anderen – nämlich, dass ich die Karriere weiterführen kann. Nächstes Jahr wird der Druck sein, dass ich meine Leistungen bestätigen kann. Ich bin aber überzeugt, dass ich das schaffe.

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