Höll und Hatton sind Downhill-Weltmeister, Balanche holt Silber | Ride MTB

Höll und Hatton sind Downhill-Weltmeister, Balanche holt Silber

Vali Höll verteidigt WM-Titel 2023.

Foto: Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool

Anlässlich der UCI Cycling World Championships in Glasgow verteitigt Valentina Höll in Fort William ihren Weltmeistertitel im Downhill. Die Österreicherin siegt vor der Camille Balanche und Marine Cabirou. Bei den Männern holt sich Charlie Hatton vor heimischem Publikum überraschend den Weltmeistertitel.

Beim Weltmeisterschaftsrennen der Frauen liegt im Downhill das Augenmerk liegt auch stark auf den starken britischen Fahrerinnen, allen voran Rachel Atherton. Doch die Ausnahmesportlerin hat keinen einfachen Stand. Trotz im Training ausgekugelter Schulter geht sie an den Start. Auch Tahnee Seagrave startet als Mitfavoritin angeschlagen. Sie wurde zwar Zweite in der Qualifikation, legte aber einen Horrorsturz über die Ziellinie hin. Seagrave und Atherton beissen also die Zähne hart zusammen, um vor heimischem Publikum noch eine kleine Chance wahrzunehmen. Es reicht für die beachtlichen Plätze sechs und acht. Beachtlich sind auch die Leistungen ihrer jüngeren Landsfrauen Louise-Anna Ferguson und Phoebe Gale, welche die Plätze vier und fünf belegen.

Die Französin Marine Cabirou legt als erste Fahrerin mit 5:00.603 eine deutliche Bestmarke und holt die Bronzemedaille. Danach geht Camille Balanche auf der Strecke. Die Schweizerin liegt anfänglich 1.6 Sekunden zurück. Allmählich gewinnt sie an Boden und liegt am Ende etwas über drei Zehntelsekunden vor Cabirou. Anders Nina Hoffmann. Die Deutsche knallt mit einem unglaublichen Tempo durch die oberen Sektionen und liegt deutlich vorne – sie fährt die schnellste erste Zwischenzeit. Doch ausgerechnet nach dem einfachen Roadgap in der unteren Hälfte stürzt sie und verliert den wichtigen Schwung vor der Motorway-Sektion kurz vor dem Ziel. Aus einer fast sicheren Medaille wird der für sie enttäuschende Platz 19.

Als letzte Fahrerin geht Titelverteidigerin Valentina Höll auf die Strecke. Die Österreicherin lässt die Zwischenzeiten bald grün aufleuchten. Doch ihr Vorsprung von über zwei Sekunden schrumpft im Mittelteil auf sechs Zehntelsekunden, was die bisher führende Camille Balanche wieder hoffen lässt. Auf der Motorway-Sektion erwischt die 22-Jährige aber die Sprünge perfekt, baut nochmals viel Tempo auf und wieder auf zwei Sekunden Vorsprung aus. Höll wird abermals Weltmeisterin und sagt: «Ich hatte keine Ahnung wie das ausgehen wird, denn eine Kurve hatte ich total verhauen. Zuerst dachte ich, das wars, kämpfte aber bis zur Ziellinie und das hat sich ausgezahlt. Dass ich den Titel verteidigen konnte, ist einfach der Hammer!»

«Ich bin happy mit meiner Silbermedaille, aber natürlich schwingt ein wenig Wehmut über die verpasste Goldene auch mit. Ganz oben bin ich wirklich schlecht gefahren. Dieser Abschnitt liegt mir schon nicht super, und das hat der Sturz gestern nicht besser gemacht. Danach habe ich aber alles gegeben, fühlte mich auch super und deswegen bin ich mit meiner Zeit auch sehr zufrieden», sagt Camille Balanche. Glücklich ist auch Marine Cabirou: Ich bin so happy, wieder auf dem Podest zu stehen. Ich hatte oben einen Fehler gemacht, aber gab danach alles. Bei diesen knappen Abständen fuchst mich der Fahrfehler allerdings etwas, da womöglich noch mehr drin gelegen wäre.»

Lisa Baumann, die zweite Schweizerin, verkauft sich an diesem Tag unter

Resultate

  1. Vali Höll (AUT)
  2. Camille Balanche (SUI)
  3. Marine Cabirou (FRA)
  4. Louise-Anna Fergusson (GBR)
  5. Phoebe Gale (GBR)
  6. Tahnee Seagrave (GBR)
  7. Gloria Scarsi (ITA)
  8. Rachel Atherton (GBR)
  9. Eleonora Farina (ITA)
  10. Anna Newkirk (USA)

Überraschender Heimsieg

Im Weltmeisterschaftsrennen der Männer wird das Wetter beinahe zum Spielverderber. Der einsetzende Regen hindert die Fahrer lange zu besseren Fahrzeiten. Trotz schwierigen Bedingungen wird der lange führende Spanier Angel Suarez von Greg Minnaar bedrängt. Zumindest bis zur dritten Zwischenzeit liegt der Südafrikaner in Schlagweite, ehe ihn ein Reifendefekt ereilt. Es zeigt aber, dass die Bestzeit trotz Regen noch fallen kann. Tatsächlich werden die oberen Zwischenzeiten unterboten, erst vom Briten Matt Walker, der bei Streckenhälfte stürzt, dann von seinem Landsamann Danny Hart, der im Ziel knapp dahinter landet.

Der Brite Charlie Hatton ist dann der erste Fahrer, der seine Führung aus dem oberen Streckenabschnitt bis ins Ziel mitnimmt und Suarez um 2.464 Sekunden aus der Führung drängt. Hatton scheint aber die Ausnahme zu sein. Je näher die Starts der Topfavoriten rücken, desto öfters scheint die Spitzenzeit in Gefahr. Bis ins Ziel schafft es aber keiner in die Nähe der Top-3, denn Fahrfehler und Stürze sind bei diesen schwierigen Verhältnissen auch bei den Weltbesten nicht weit.

Bei den letzten fünf Fahrern angelangt, attackiert der Brite Laurie Greenland die Bestzeit. Erst mit Erfolg, dann aber verliert er leicht an Boden und belegt den zweiten Zwischenrang. Andreas Kolb zögert die Führung sogar länger hinaus und setzt sich knapp hinter seinen führenden Team-Kollegen Hatton. Der Österreicher liegt knapp 0.6 Sekunden zurück, lässt die Führung im anspruchsvollen Waldstück liegen, wo leicht verbremst und einen Fuss setzt. Unbehelligt davon fährt er danach aber eine Top-Linie und nimmt viel Tempo mit in das Schlussstück. Titelverteidiger Loic Bruni patzt nach seiner Führung bei der ersten Zwischenzeit ordentlich und landet am Ende hinter den Medaillenrängen auf Platz vier.

Als letzter Fahrer startet der Franzose Loris Vergier. Auch er führt im oberen Teil und verliert Zeit in den knackigen Waldabschnitten – Rang sechs für ihn. Zu jubeln haben die Briten, mit dem neuen Downhill-Weltmeister Charlie Hatton, aber auch der Österreicher Andreas Kolb, der ebenfalls auf den britischen Atherton-Bikes Silber gewinnt. Laurie Greenland rundet den nationalen Freudentaumel mit der Bronzemedaille ab.

«Das war absolut verrückt, mir fehlen grad die Worte. Ich bin gut schon gefahren, dachte aber nicht, dass das für den Sieg reichen würde. Fort William ist eigentlich im Regen gut zu fahren, also attackierte ich einfach. Als dann die anderen Fahrer hinter mir landeten, war ich schon etwas verblüfft», sagt Charlie Hatton, der nicht einfachere Bedingungen hatte als die Topfavoriten, die später starteten.

«Als ich Fahrt von Charlie gesehen habe, wusste ich der macht das. Das ist so cool», freut sich Kolb über den Sieg seines Team-Kollegen fast mehr als über seine Silbermedaille. «Ein Super Bike, super Reifen und eine super Stimmung, das half bestimmt, und entscheidend für mich war, dass es mir im Waldstück mehrheitlich super lief.»

Bester Schweizer wird Janis Lehmann auf Rang 23, der Deutsche Simon Maurer belegt Rang 28.

Resultate
Charlie Hatton (GBR)
Andreas Kolb (AUT)
Laurie Greenland (GBR)
Loic Bruni (FRA)
Troy Brosnan (AUS)
Loris Vergier (FRA)
Angel Suarez (ESP)
Greg Williamson (GBR)
Benoit Coulanges (FRA)
Dakotah Norton (USA)