Jolanda Neff bringt solo Weltcup-Sieg Nummer elf nach Hause
Bereits im ersten Anstieg von Runde eins gelingt es Neff eine Lücke zu reissen und sie in der folgenden berüchtigten Downhill-Passage «La Beatrice» auszubauen. Gerade in den technischen Abschnitten fährt Neff wie schon bei der EM in Glasgow traumwandlerisch sicher und baut ihren Vorsprung bereits in Runde eins von sechs auf 30 Sekunden aus. Hinter ihr sind Annika Langvad und ihre Specialized-Teamkollegin Kate Courtney (USA) unterwegs, doch Langvad wird durch einen Defekt in Runde zwei vorerst zurückgebunden. Vorne scheint Neff ganz unbeirrt ihrem elften Weltcupsieg entgegen zu fahren – doch so leicht, wie es aussieht, fällt es der 25-Jährigen nicht. «Ab der dritten Runde wurde es brutal hart. Ich habe die Hitze so gespürt. Ich musste einfach verwalten und schauen, dass ich irgendwie da hoch komme. Die Abfahrten waren super, ich bin alles fehlerfrei gefahren, wie ich wollte. Das hat mich heute – glaube ich – auch ausgezeichnet. Dass ich den elften Weltcupsieg in dieser Woche schaffe, wo ich die EM gefahren bin und die Reise hinter mich bringen musste, das freut mich sehr.» Im Jahr 2010 bei den Weltmeisterschaften in Mont Sainte Anne herrschten ähnliche Bedingungen, und damals schied Neff mit Kreislaufproblemen in Führung liegend aus. «Daran habe ich die ganze Zeit gedacht. Ich wusste, ich darf jetzt nicht überdrehen. Ich musste mich einfach zurück halten. Jetzt bin ich so froh, dass es gereicht hat.»
Alessandra Keller kämpft vier Runden lang um ein Top-Fünf-Ergebnis, muss dann aber Weltcup-Titelverteidigerin Yana Belomoina (Ukr) und die Niederländerin Anne Tauber ziehen lassen. «Mehr war heute nicht möglich. Als Yana von hinten kam, konnte ich nicht folgen», erklärt Keller. «Damit bin ich für heute zufrieden.» Mehrfach geht sie an Tauber im Kampf um Rang fünf vorbei, doch das tut sie nur, um ihre Vorteile in den technischen Passagen auszuspielen. «Sonst bin ich ein konstantes Rennen gefahren», meint Keller, die genau fünf Minuten Rückstand aufweist.
Mit Linda Indergand landet eine weitere Schweizerin in den Top-Ten. Als Zehnte hat sie sieben Minuten Differenz. Nach der durch Defekt entgangenen Bronze-Medaille bei der EM in Glasgow fährt Indergand wieder ein besseres Weltcup-Rennen als zuletzt. In der Schlussrunde muss sie sich noch gegen die US-Amerikanerin Lea Davison wehren, doch sie rettet den zehnten Platz ins Ziel. «Damit bin ich für heute zufrieden. Nach EM und Short Race war das sehr hart, aber ich war schon lange nicht mehr in den besten Zehn», so Indergand. Genauer: seit dem sechsten Rang von Albstadt im Mai.