Manon Carpenter: Die Weltmeisterin verabschiedet sich
Manon Carpenter krönte 2014 ihre noch junge Karriere mit dem Weltmeistertitel im Downhill. Die Jahre danach konnte die junge Britin jedoch nicht mehr an ihre Leistungen anknüpfen und bewegte sich zunehmend unter ihrem Leistungspotential. Die Nachricht kommt vielleicht überraschend, allerdings weniger für sie, auch wenn sie sich innert sehr kurzer Zeit für den Rücktritt entschieden hat. Kurz zusammengefasst: Sie ist mental nicht mehr bereit, in den Rennläufen die hohen Risiken einzugehen, um vorne mitzufahren wie sie in einem ausführlichen Statement erklärt:
«Meine Entscheidung, vom Rennsport zurückzukehren, ist zwar schnell gekommen, die Gründe dafür sind aber schon seit einer Weile da. Während den Rennen in dieser Saison war es für mich zunehmend schwieriger, mich schwierigen Situationen zu stellen – Streckenabschnitte die hohe Konsequenzen mit sich bringen oder wechselnde Bedingungen. Während den britischen Downhill-Meisterschaften kam ich zu dem Schluss, dass ich einfach nicht mehr bereit bin, an den Rennen die vollen Risiken einzugehen. Der Downhill-Rennsport ist heftig und man muss sich absolut sicher sein, um sich den Schwierigkeiten zu stellen. Hingegen wurden mir die Konsequenzen eines Sturzes bewusst. So sehr ich auch versucht habe, das aus meinem Kopf zu streichen, hat es mir zunehmend die Freude am Rennen fahren genommen, die ich sonst immer hatte
Ich hatte alles, was es für eine perfekte Rennvorbereitung braucht: ein perfektes Bike, tolle Sponsoren und Support des Radon Factory DH Teams. Jeder hat dort hat sich bemüht, mir zu helfen und ich wollte die Saison mit Radon beenden, so wie ich mich auch dafür verpflichtet habe. Ich habe aber schnell erkannt, dass ein Weltcup-Rennen nicht etwas ist, wofür ich mich zwingen sollte, wenn mein Kopf nicht bereit ist.
Weltcup-Rennen zu fahren, war eine unglaubliche und unerwartete Möglichkeit für mich. Nach den Juniorinnen entschied ich mich, ein Jahr Elite zu fahren, um zu sehen was drinliegt, bevor ich zu Uni gehe. Diese erste Saison war vielversprechend und so ging es weiter. Ich wollte so lange Rennen fahren, so lange bis ich sportlich nicht mehr weiterkomme, oder ich mich verletze. Ich bin glücklich, dass ich so weit gekommen bin und noch immer an einem Stück bin. Es gab in meiner Karriere einige Highlights, und ich habe das Gefühl, auch alles dafür gegeben zu haben. Jetzt freue ich mich aber darauf, meine Zeit zu geniessen, mehr Zuhause zu Biken und sehen, was es sonst noch für mich zu tun gibt. Ich bin allen sehr dankbar, die meine Rennsport-Karriere verfolgt, mich unterstützt und an mich geglaubt haben. Aber ich danke auch all denen, die mich in dieser Entscheidung unterstützt haben.»
Manon Carpenter fuhr in Fort William auf den vierten Rang – ihr bestes Resultat in der noch laufenden Saison. Foto ©Irmo Keizer