Nach dem Food Waste ist jetzt der Fashion Waste dran
Viele juckt in diesen Tagen der Online-Shopping-Finger. Auch beliebt ist das Ausräumen des Kleiderschranks. Weg mit dem alten Zeug, das man ohnehin nicht mehr trägt! Dass immer schneller neue Kleider und Ausrüstung angeschafft werden, ist freilich kein neues Phänomen. Laut Isa Schindler, Gründerin von 2nd Peak, kauft jede Person in der Schweiz jährlich 60 Kleidungsstücke. Einer Erhebung von Greenpeace zufolge (allerdings in Deutschland durchgeführt) wird gut die Hälfte aller Kleider spätestens nach drei Jahren aussortiert – nicht nur weil sie kaputt oder zu eng geworden sind, sondern oft schlicht, um Platz für den neuen Stoff zu schaffen.
Gerade hochwertige Outdoor-Bekleidung hält lang und wird wohl auch weniger leichtfertig weggeworfen, als ein T-Shirt für CHF 9.90. Dieses Potential will 2nd Peak nutzen. Gebrauchte, aber gut erhaltene Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung sollen über den Laden mitten in Zürich wieder in Gebrauch kommen, statt dass noch mehr neu gekauft und nach ein paar Saisons nicht mehr gebraucht wird.
Das Angebot klingt verlockend: Die Jacken, Hosen, Shirts etc. können im Shop abgegeben werden, sobald dieser öffnen darf. Alternativ finden Abholtouren in bestimmten Regionen und zu definierten Zeiten statt. Dann kann man bequem vor dem Haus deponieren, was man gerne verkaufen würde. Interessant auf der noch rudimentären Website des Geschäfts sind auch die Empfehlungen für den Abschreiber, den man je nach Alter des Textils ins Auge fassen sollte. Der Erlös der verkauften Ware geht zu einem Drittel an den früheren Besitzer, der Rest geht an 2nd Peak.
Mountainbiken gehört explizit zu den Aktivitäten, für die 2nd Peak während der Sommersaison Kleider und weitere Accessoires verkauft. Nicht angenommen werden aber First Layer Textilien und Velohosen, also das, was man an sensiblen Stellen direkt auf der Haut trägt. Ebenfalls nicht erwünscht sind Helme und andere sicherheitsrelevante Ausrüstung.
Ricardo und andere Online-Secondhand-Plattformen decken den Gebrauchtwarenmarkt bereits gut ab. Man darf also gespannt sein, wer lieber von diesem Angebot Gebrauch macht, als seine alten Sachen auf Ricardo zu verticken. Und letztlich stellt sich die Frage, ob die Möglichkeit, das Alte elegant loszuwerden nicht dazu verleitet, noch schneller neue Ware zu kaufen. Interessant ist das Angebot allemal, nicht zuletzt für Menschen mit schmaler werdendem Budget.
2ndpeak.ch