Schurter mit Sieg Nummer 35, Goldstone siegt im Downhill
Nino Schurter macht von Beginn weg Druck. Noch in der ersten von sechs Runden bildet sich um ihn eine vierköpfige Spitzengruppe mit Alan Hatherly (RSA), Luca Schwarzbauer (DE) und Sam Gaze (NZL). Ende der zweiten Runde fallen Gaze und Schwarzbauer dem Tempodiktat Schurters zum Opfer, nur noch der Südafrikaner Hartherly vermag ihm folgen. Hinter dem deutsch-neuseeländischen Verfolgerduo reihen sich die weiteren Verfolger wie eine Perlenschnur auf. Unter ihnen auch zahlreiche Schweizer, wie Lars Forster, Mathias Flückiger, Vital Albin und Thomas Litscher. Nun vermengt sich Gaze mit der grossen Gruppe, in der Flückiger nun immer mehr Druck macht, und bald wird auch Schwarzbauer eingeholt.
Über 40 Sekunden liegen die beiden Spitzenreiter anfangs vierter Runde vor ihren Konkurrenten, doch nun vermag Hatherly nicht mehr mit Schurter mithalten. Praktisch zeitgleich verabschiedet sich Flückiger von seinen Mitstreitern und löst eine Runde später Hatherly als ersten Verfolger ab. Auch wenn Flückiger noch etwas verkürzen kann, fährt Weltmeister Schurter Weltcup-Sieg Nummer 35 ins Trockene. Der stark aufkommende Vlad Dascalu (ROU) sprintet hinter Flückiger auf Platz drei, Hatherly bleibt immerhin noch Platz fünf. Lars Forster belegt Platz neun, Luca Schwarzbauer fällt wegen eines Defekts aus den Top-10.
«Nach meinem Sieg in Lenzerheide war alles etwas zu viel, weshalb in Leogang nicht viel ging. Aber ich wusste, dass meine Form sehr gut ist, mein Material auf einem unglaublich hohen Niveau ist und hier, auf dieser technischen Strecke wieder alles zusammenpassen kann», sagt Schurter, während Flückiger von einer Ausgangslage spricht: «Wie schon in Leogang hatte ich einen schlechten Start, hätte jetzt aber nicht gedacht, dass es noch so gut ausgehen wird. Ich fuhr aber einfach mein Tempo, nahm Runde für Runde, was der Schlüssel zu diesem Erfolg war.»
Pieterse doppelt nach
Puck Pieterse (NED) ist im Frauenrennen in Val Di Sole Trentino nicht zu stoppen. Die 21-Jährige führt fast während des gesamten Fünf-Runden-Rennens. Bereits in der zweiten Runde liegen ihre Verfolgerinnen Pauline Ferand-Prevot (FRA), die Italienerin Martina Berta und Laura Stigger (AUT) über 40 Sekunden zurück, noch etwas dahinter Rebecca Henderson (AUS) und Alessandra Keller.
Während die Holländerin einsam ihre Runden dreht, schliesst Henderson zu Stigger auf. Weltmeisterin Ferran-Prevot fällt auf Platz fünf zurück und versucht sich an der Seite von Keller von ihrem Sturz zu erholen. Doch die beiden bekommen weitere Gesellschafft durch Jolanda Neff, ihrer Team-Kollegin Evie Richards (GBR), Jenny Rissveds (SWE) und Mona Mitterwallner (AUT).
Martina Berta versucht in der Schlussrunde ihren Vorsprung von knapp 20 Sekunden gegen Stigger und Henderson zu verteidigen. Dass Pieterse rund 15 Sekunden auf Berta einbüsst, ist nicht mehr relevant. Sie gewinnt dennoch mit einem deutlichen Vorsprung auf die Italienerin und Rebecca Hendeson, die sich auf dem Podest zurückmeldet. Jolanda Neff wird für ihre Aufholjagd nach einem Defekt mit Rang sechs belohnt, Alessandra Keller muss mit Platz elf vorliebnehmen.
«Ich entschied mich, von Anfang aufs Gas zu drücken. Diese Taktik klingt banal, aber sie ging sehr gut auf. In der letzten Runde bekundete ich im schwierigen Anstieg doch noch Schwierigkeiten, aber glücklicherweise hatte ich genügend Vorsprung», rekapituliert Pieterse, die auch eine verpasste Trinkflasche nicht kümmerte.
Vom Kinderstar zum Weltcup-Sieger
Wer erinnert sich an das Video des kleinen Jackson Goldstone, der einst mit seinem Kickbike in den Kindergarten fuhr? Genau dieser Jackson Goldstone gewinnt in Val di Sole sein erstes Weltcup-Rennen bei der Elite!
Es gibt nur wenige Rennstrecken, die furchteinflössender sind als die berüchtigte »Black Snake» von Val di Sole, und auch am Samstag zeigt sie bei der dritten Runde des UCI-Abfahrtsweltcups wieder ihre Zähne.
Die Elite-Frauen geniessen die besten Bedingungen, denn das Tal der Sonne macht seinem Namen alle Ehre. Valentina Höll (AUT) zeigt dem Rest des Feldes, wie man diese berühmt-berüchtigte Strecke bändigen kann. Nachdem sie im Halbfinale die schnellste Zeit gefahren war, überzeugt sie auch im Finale mit einem Vorsprung von fast drei Sekunden. Schweizermeisterin Camille Balanche kann ihr Tempo nicht mitgehen und muss sich mit dem zweiten Platz begnügen, während Jess Blewitt (NZL) mit dem dritten Platz ihr bisher bestes Rennergebnis einfährt.
Die Schweizerin Lisa Baumann fährt mit Rang acht erstmals in die Top-10, das nachdem sie bereits in der Qualifikation mit Platz fünf überraschte und mit Platz sieben im Halbfinallauf ihre Leistung bestätigte.
Bei noch fünf ausstehenden Rennen in dieser Saison führt Balanche die Gesamtwertung weiterhin vor Höll auf Platz zwei und Rachel Atherton (GBR) auf Platz drei an.
Kein entscheidender Wetterwechsel
Am Nachmittag sorgen Regenschauer im Rennen der Elite-Männer für Aufregung. Bernard Kerr (GBR), der früh ins Rennen geht, geniesst eine lange Zeit auf dem Hot Seat, nachdem ein heftiger Regenschauer den mittleren Teil der Strecke besonders anspruchsvoll macht. Doch als die Sonne wieder herauskommt, purzeln auch die Zeiten wieder.
Es ist der Kanadier Jackson Goldstone, der die schnell wechselnden Bedingungen am besten nutzt, um seinen ersten Sieg in der Eliteklasse einzufahren. Sein Landsmann Finn Iles kommt ihm nahe, schrammt am Ende aber um gut zwei Sekunden am Sieg vorbei. Der Franzose Thibaut Daprela vervollständigt die Top drei mit einer sehr wilden Fahrt, auf der er knapp einen Sturz verhindert.