Van der Poel und Langvad gewinnen die Short Track Premiere | Ride MTB

Van der Poel und Langvad gewinnen die Short Track Premiere

Mathieu Van der Poel holt sich in der packenden Short-Track-Premiere zum Cross-Country-Weltcup in Albstadt den Sieg, und das trotz kürzlich operiertem Handgelenk. Der Holländer setzt sich Solo durch verweist Sam Gaze und Mathias Flückiger auf die Plätze zwei und drei. Bei den Frauen gewinnt Annika Langvad den Sprint vor Jolanda Neff und Linda Indergand. Nino Schurter scheidet defektbedingt aus.

Bei den Frauen ist das Rennen 15 Minuten lang von Taktik geprägt. Ein Fluchtversuch von Chloe Woodruff wird unspektakulär neutralisiert. So ist es lange vor allem ein Kampf um eine bessere Position, bevor es jeweils in die kurze technische Passage geht. Erst als die letzte von neun Runden eingeläutet wird, eröffnet die Polin Maja Wloszczwoska aus einer zehnköpfigen Spitzengruppe heraus das Feuer. Ihre Kraft reicht allerdings nur bis zur Hälfte der Schlussrunde. «Dann war es aus. Ich wollte es versuchen, aber gleichzeitig war es eine Vorlage für Jolanda», erklärt Wloszczowska die am Ende Achte wird.

Jolanda Neff übernimmt tatsächlich die Führung und kommt als Erste aus dem Wald auf die Wiesenpassage. Doch dort legt Weltmeisterin Annika Langvad (Den) alle ihre Qualitäten an den Tag und zieht vorbei. Auf der Zielgeraden kann die Stellenbosch-Siegerin bereits die Hände in die Höhe reissen und den ersten Short-Track-Weltcup-Sieg aller Zeiten feiern.

Hinter der Marathon-Weltmeisterin landen mit Cross-Country-Weltmeisterin Jolanda Neff und Linda Indergand zwei Schweizerinnen.

Annika Langvad: «Ich freue mich riesig. Ich wusste schon, dass meine Form gut ist, aber das hier ist was ganz anderes. Es wurde schon taktisch gefahren und ich bin die ganze Zeit ruhig geblieben. Und dann ging es plötzlich, bumm, bumm.»

Jolanda Neff: «Ich finde es super cool, dass wir zwei Schweizerinnen auf dem Podest sind. Annika war am Ende einfach stärker, aber ich bin mit Rang zwei sehr glücklich. Das Rennen ist unberechenbar, du musst immer auf der Hut sein. Am Sonntag, das wird eine andere Geschichte.»

Linda Indergand: «Ich war am Ende am Hinterrad von Jolanda, Annika auf der anderen Seite. So bin ich zwar an Maja vorbei gekommen, nicht aber an Jolanda. Aber klar, ich bin schon glücklich mit einem Podest.»
Alessandra Keller komplettiert auf Rang vier das hervorragende Schweizer Resultat.

Sieg trotz Verletzung

Bei den Männern baut sich die gleiche Spannung auf: Eine grosse Gruppe aber keine fruchtenden Attacken. Mathieu Van der Poel versuchte immer mal das Feld zu verkleinert, das will aber nicht klappen. Erst drei Runden vor Schluss versucht er dies erneut und ist dann plötzlich alleine an der Spitze. «Ich entschied mich durchzuziehen», sagt Van der Poel der damit richtig tut und das Rennen solo gewinnt. «Ich freue mich umso mehr, dass ich es geschafft habe. Solche Rennen liegen mir sehr gut, und dass ich deswegen am Sonntag ganz vorne starten kann, kommt mir hier auf dieser schnellen aber engen Strecke sehr entgegen.»
 
Doch beinahe geht vergessen, dass Van der Poel vor gut einer Woche das Kahnbein gebrochen hatte und darauf operiert wurde. «Mit der Hand ging es ganz gut, speziell auf dieser Strecke. Auf den langen Abfahrten der Cross-Country-Strecke schmerzt es schon mehr, aber es sind ja noch knapp zwei Tage bis zum Rennen und mit dem Adrenalin das während des Rennens entsteht und mit dem Fokus darauf, dürfte der Schmerz auch nicht mehr in der Hintergrund rücken», antwortet der Holländer auf die Frage wie es mit den Schmerzen steht.

Nino Schurters Short-Track-Premiere verläuft alles andere als erfolgreich. Sein Ziel, eine gute Startposition herauszufahren, rückt noch auf der Startgeraden in weite Ferne. Der Weltmeister bekundet Schaltprobleme und muss vom Rad. Zwei Runden probiert er noch aufzuholen, gibt dann aber in der Aussichtslosen Situation auf. «Das kann halt passieren und ich freue mich auf Sonntag», sagt Schurter in einem Instagram-Video pragmatisch.
 

Flückigers Überraschung

«Dass ich hier auf dem Podest stehe, das hätte wohl auf dem ganzen Event hier niemand geglaubt», sagt Mathias Flückiger im Ziel mit einem Grinsen und fügt an: «Ich auch nicht.» Dabei beginnt das Rennen für ihn sogar denkbar schlecht. Er wird in der ersten Runde von einem Konkurrenten «abgeschossen», so dass er sich erst mal an  30. Position wiederfindet. «Ich musste dann drei Runden voll überziehen», erklärt Flückiger, wie er sich wieder nach vorne arbeitet und dann erst mal nur die besten 16 im Sinn hat, die ihm am Sonntag zu einem Platz in den ersten beiden Startreihen verhelfen würden.

«Es war zwar taktisch, aber es gab nie eine Flaute. Ich hatte aber gute Power und in der letzten Runde sind wir mit acht Fahrern etwas weggekommen und ich dachte, super: könnte für Reihe eins reichen.» Doch es sollte noch mehr gehen für Mathias Flückiger. Vor dem letzten Singletrail versucht er an die erste Position zu kommen, doch Sam Gaze ist der Schnellere. «Vielleicht war das sogar gut, denn so konnte ich an seinem Hinterrad bleiben», so Flückiger.

Das brachte eine kleine Lücke zu Florian Vogel, der das ganze Rennen vorne mitbestimmt hatte und mit Mathieu van der Poel auch mal gemeinsam ausgerissen war. Mathias Flückiger verliert das Sprint-Duell mit dem früheren WM-Zweiten im Sprint, ist aber völlig zufrieden mit seinem Rennen.
 
Florian Vogel verliert das Duell um Rang fünf gegen Lars Forster. «Ich habe versucht mich immer möglichst weit vorne aufzuhalten. Ist auch zum Schluss auch aufgegangen. Ich bin recht zufrieden, auch wenn es bisweilen so aussah, als ob ich aufs Podium kommen könnte. Aber für mich war es einfach wichtig in die Top Acht zu fahren und das ist mir gelungen.»

Gute Ausgangslage

Am Sonntag starten also gleich einige Schweizer aus den vorderen Positionen: Bei den Frauen steht neben Neff und Indergand auch Alessandra Keller in der ersten Startreihe. Kathrin Stirnemann steht als 14. in der zweiten Reihe, Ramona Forchini als 26. aus der Vierten.
 
Bei den Männern starten gleich mit Mathias Flückiger, Florian Vogel, Lars Forster und Lukas Flückiger gleich vier Schweizer aus Reihe eins. Reto Indergand als Neunter verpasste sie knapp, startet deshalb mit Marcel Guerrini als zwölfter und Nicola Rohrbach als 16. ab der zweiten Startlinie.