Kilian Bron setzt bei den MTB-Filmen die neue Messlatte
Was im Jahr 2022 an den Felsbändern der Dolomiten begann und über das entlegene Dolpo-Tal in Nepal führte, findet nun in den südamerikanischen Anden sein grosses Finale. Gemeinsam mit seinem eingespielten Medienteam – Valentin Birant, Pierre Henni und Pierre Vieira – präsentiert Kilian Bron mit «Mirage» das letzte Kapitel seiner Filmtrilogie.
Wie gewohnt liefert der Franzose spektakuläre Bilder und vertikales Terrain. Doch für Bron steht längst nicht mehr nur die sportliche Grenzerfahrung im Mittelpunkt: Das Kennenlernen fremder Kulturen, lokale Legenden und echte menschliche Begegnungen machen für ihn heute den Kern seiner Expeditionen aus.
Offene Rechnung am Huayna Potosí
Der Dreh- und Angelpunkt von «Mirage» liegt in Bolivien am Huayna Potosí (6088 m ü. M.). Bereits 2022, während der Dreharbeiten zum Film «Fuego», war Bron an diesem Berg gescheitert. Nun kehrte das Team zurück, um die Besteigung und die lückenlose Abfahrt vom Gipfel ins Tal zu vollenden.
Dabei betrat Bron buchstäblich Neuland: die Befahrung eines Gletschers jenseits der 6000-Meter-Marke auf zwei Rädern. Eine Unternehmung, die klassische Hochgebirgslogistik mit Steigeisen, Seilschaft, Trägern und Eispickeln verlangte. Vor dem Erfolg standen wochenlange Akklimatisierung in Argentinien, Höhenkrankheit, physische Erschöpfung und quälende Selbstzweifel.
Allein am Grat
Der Schlüsselmoment des Films spielt sich am exponierten Gipfelgrat ab: Nachdem die Filmcrew den Abstieg angetreten hatte, blieb Bron allein auf über 6000 Metern zurück. Ohne Seilsicherung und Steigeisen, nur auf sich und sein Bike gestellt, warteten messerscharfe Kanten, Gletscherspalten und bodenlose Tiefblicke.
Bron beschreibt diesen Augenblick als zutiefst emotional und verletzlich. Es sei mit Abstand die heikelste und am stärksten exponierte Mission seiner bisherigen Karriere gewesen – ein Abenteuer, das er auch als stilles Gedenken an in den Bergen verunglückte Freunde versteht.
Kultureller Mehrwert statt reiner Rekordjagd
Wie schon in Nepal, wo Bron Hilfsprojekte für einheimische Kinder initiierte, setzt er auch in Bolivien auf eine tiefere gesellschaftliche Ebene: Als Bergführerinnen verpflichtete die Crew die «Cholitas Escaladoras». Die indigenen Aymara-Bergsteigerinnen erregten weltweit Aufsehen, weil sie die höchsten Gipfel Südamerikas in ihren traditionellen, farbenfrohen Röcken besteigen und sich aktiv für Frauenrechte und kulturellen Respekt einsetzen.
Der nächste Coup steht bereits fest
Ausruhen kommt für den Franzosen trotz einer aktuellen Handgelenksfraktur nicht infrage. Noch vor Jahresende plant Bron sein nächstes Grossprojekt in Südamerika: eine Nonstop-Abfahrt vom höchsten Gipfel des Kontinents bis hinab an den Ozean – von knapp 7000 Metern Meereshöhe bis auf Meereshöhe, in weniger als 24 Stunden. Im Gegensatz zu den bisherigen Filmprojekten soll dieser Rekordversuch in Echtzeit über die digitalen Kanäle begleitet werden.