Test: Trickstuff Piccola HD Titanium – wenn Bling-Bling auf Power trifft | Ride MTB

Test: Trickstuff Piccola HD Titanium – wenn Bling-Bling auf Power trifft

Test: Trickstuff Piccola HD

Die Bremse ist das wichtigste Bauteil an einem Bike. Es tönt brutal, aber sie entscheidet in gewissen Situationen über Leben oder Tod. Die Bandbreite an Produkten ist riesig, zuoberst auf dem Podest stehen die Bremsen von Trickstuff, sie gelten als absolutes Premiumprodukt. Doch kann man dieser fast schon filigranen Bremse sein Leben anvertrauen?

Das Wichtigste in Kürze

Die Trickstuff Piccola HD Titanium kombiniert den C42-Bremssattel mit der Piccola-Bremspumpe und einem 3D-gedruckten Titanhebel. Hier triff Fräskunst auf additive Fertigung und schafft eine Bremse, die mehr Kunstwerk als Bauteil ist. Der Sattel fasst vier Bremskolben und wird mit Bionol-Bremsflüssigkeit betrieben, die einen Siedepunkt von 360 Grad hat. Das Bremsset wiegt ohne Scheiben gerade mal 400 Gramm, eine 180er-Disc schlägt mit 118 Gramm zu Buche.

Erster Eindruck

Bei der Montage ist etwas Vorsicht geboten, die Schrauben und Bauteile sind alle etwas «zarter» konstruiert als bei den Bremsen der Marktführer. Die Befestigung der mehrteiligen Bremshebelbride verlangt ein bisschen mehr Fingerfertigkeit als bei anderen Herstellern. Muss die Bremse nach dem Anschliessen der Leitung entlüftet werden, geht das mit der Anleitung von Trickstuff ohne Probleme.

Der Bremshebel hat eine Wabenstruktur, die dem Bremsfinger guten Halt gewähren soll. Auch wenn das filigrane Design vermittelt, dass der Hebel Flex haben könnte, bietet er eine gute und direkte Kraftübertragung. Die Hebelweite lässt sich über eine Wabenschraube mit einem 2-mm-Inbusschlüssel anpassen. Der Druckpunkt ist gegeben und lässt sich nicht verändern.

Beim Bremssattel werden die Beläge wie gewohnt von oben eingeführt und mit einer Feder in Position gebracht. Das gelingt mühelos.

Im Einsatz

Wie alle Bremssysteme braucht es auch bei der Piccola ein paar Abfahrten, bis sich die Beläge und die Bremsscheiben eingeschliffen haben und die maximale Bremswirkung entfalten. Ist der Zeitpunkt gekommen, heisst es: Vorsicht. Denn der Biss ist heftig, vor allem wenn man nicht dosiert bremst, sondern ordentlich den Hebel zieht.Da katapultiert es einen fast über den Lenker, erst recht, wenn 200-mm-Bremsscheiben montiert sind. Aus diesem Grund wurde die meiste Zeit mit 180er-Scheiben getestet. Die Brems-Power ist damit mehr als ausreichend. Um die Dosierung der Bremskraft maximal auszureizen, braucht es feinfühlige Finger. Hat man den Dreh raus, gelingt es einem gut, die Bremskraft gerade so zu definieren, dass nicht unnötig Geschwindigkeit «vergeudet» wird und Mensch und Maschine mit maximalem, aber kontrolliertem Tempo unterwegs sind. Die Trickstuff-Bremse hat sehr viel Kraft, verlangt aber keine ab. Selbst bei Abfahrtsorgien im vierstelligen Tiefenmeterbereich gibt es keine müden Finger oder Hände. Die Piccola überhitzt auch bei lang anhaltenden Schleifbremsungen nicht.

Sie hat einen konstanten Druckpunkt, der aber nicht so klar definiert ist wie bei anderen Herstellern. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, dass der Hebel nach Erreichen des finalen Bremspunkts noch weiter zum Lenker gezogen werden kann und sich dann etwas schwammig anfühlt. Nach ein paar Fahrten ist dieses Gefühl normal und es stört nicht mehr.

Die Wabenstruktur des Bremshebels ist mehr als nur Show. Gerade bei Regen oder schlammigen Bedingungen bietet er das gewisse Extra an Grip, als verankere sich der Handschuh im Hebel. Doch die Reinigung der Löcher braucht nach einem Schlammbad etwas mehr Zeit.

Mit der Piccola kommt man schnell klar. Nur etwas ist wirklich gewöhnungsbedürftig, das etwas eigene Geräusch des Bremsvorgangs. Eine Art metallisches Rubbeln, wenn die Beläge auf die Bremsscheibe treffen. Das ist weder gut noch schlecht, sondern einfach ungewohnt.

Fazit

Die Trickstuff Piccola HD Titanium setzt den Benchmark für Scheibenbremsen. An der Verarbeitung, der Dosierbarkeit und der Bremsfähigkeit gibt es gar nichts zu rütteln. Ob sie den hohen Anschaffungspreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber eins ist klar, sie «rettet» Leben.

Empfehlung

Trickstuff bietet vier verschiedene Bremsbeläge, dass Modell «Power» liegt preislich in der Mitte und hat sich in Sachen Verschleiss und Performance behauptet.

Preis: CHF 1175.00 / EUR 1217,90

Hersteller

www.trickstuff.com