Weltcup-Downhiller Max Hartenstern über die Kunst, niemals aufzugeben | Ride MTB

Weltcup-Downhiller Max Hartenstern über die Kunst, niemals aufzugeben

Der Deutsche Max Hartenstern behauptet sich seit fast zehn Jahren im harten Umfeld des Downhill-Weltcup.

Foto: Monica Gasbichler

Seit neun Jahren startet der Deutsche Max Hartenstern für den Cube-Rennstall im Downhill-Weltcup. Ein zweiter Platz in Les Gets 2021 war sein bisher bestes Ergebnis, aktuell muss er verletzt pausieren. Mit Ride sprach er darüber, wie er trotz Rückschlägen im harten Profi-Business die Motivation behält.

Hinter den großen Stars wie Jackson Goldstone, Asa Vermette oder Amaury Pierron fahren eine Vielzahl fast ebenbürtiger Fahrer im Downhill-Weltcup, denen ein Platz an der medialen Sonne aber nur selten gegönnt ist. Der 27-jährige Deutsche Max Hartenstern ist einer dieser Racer, die zwar seit Jahren mehr oder weniger solide Ergebnisse einfahren, aber dennoch nur am Rande wahrgenommen werden. Dieser Kampf um Aufmerksamkeit ist für Profis ebenso wichtig wie der um Podiumsplätze. Denn nur wer im Rampenlicht steht, taugt auch als Werbeträger für Sponsoren. Hartenstern kennt diesen harten Wettbewerb nur zu gut, wie er im Gespräch mit Ride erzählt, und der sei zuletzt sogar noch härter geworden.

Harter Kampf um Startplätze im Weltcup-Finale

«Die Leistungsdichte der Fahrer ist seit Jahren auf enorm hohem Niveau, zuletzt hat sich aber vor allem die Technik der Bikes nochmal stark verbessert. Von den Top 50-Leuten kann dadurch an einem guten Tag jeder ein Rennen gewinnen, aber es gibt eben nur 30 Startplätze im Finale», erklärt er den verschärften Wettbewerb, den auch die Reglement-Änderungen beeinflusst haben. Die beiden Qualifikations-Läufe im Vorfeld sieht er mit gemischten Gefühlen. Q1, in dem die ersten 20 Finalplätze vergeben werden, sei der einfachere der beiden, sagt Hartenstern: «Wenn das mal Klick gemacht hat und man versteht, wie man diesen Lauf mental angehen muss, kann man relativ leicht den Rhythmus finden, um ihn zu schaffen. Im Vorjahr ist mir das oft gut gelungen.» Ganz anders verhalte es sich mit Q2, in dem nochmals zehn Startplätze fürs Finale vergeben werden. Das sei jedes Mal eine nervenaufreibende Angelegenheit für die Fahrer: «Immer wieder ein echter Krimi, in meinen Augen wäre das sogar besser für die Fans anzusehen, als das Finale selbst. Denn da fahren immer wirklich gute Leute mit, die sich gegenseitig an ihre Limits und darüber hinaus pushen.»

Die Beschränkung auf 30 Fahrer im Finale, das seit der Vergabe der Übertragungsrechte an Warner Bros. Discovery nur mehr im Pay-TV gezeigt wird, hält Hartenstern für eine Fehlentwicklung: «Viel Sichtbarkeit und gute Einschaltquoten sind für die Athletinnen und Athleten wichtig. Das neue Reglement mitsamt der neuen Übertragungsart haben das für uns schwieriger gemacht.» Auch die Abkehr vom 5er-Podium im Downhill-Weltcup sei aus seiner Sicht ein Fehler gewesen: «Es tut niemandem weh, ob da drei oder fünf am Podium stehen, doch gerade für die Fahrer bedeutet es wertvolle Sichtbarkeit in einem Sport, der ohnehin nicht viele Chancen bietet, gesehen zu werden.»

Pech und Pannen 2026

Für Privateers sei der Weltcup-Zirkus angesichts dieser Neuerungen, zu denen auch neue Tour-Stops wie jener im weit entfernten Südkorea zählen, noch schwieriger geworden. Hartenstern hat das Glück, seit 2017 Teil von Cube Factory Racing zu sein, wie er selbst sagt. Wobei auch dieser Startplatz im Werksteam immer wieder neu verdient werden muss. «Ob ich 2027 weiter für Cube starten werde, ist noch nicht garantiert. Ich hoffe es sehr, aber die Gespräche dazu laufen noch und ich kann dem nicht vorgreifen.» Nach einer soliden Saison 2025, in der er Top-Ten-Ergebnisse erzielen konnte und im Overall unter den Top 20 landete, verlief die aktuelle Saison weniger erfolgreich für den Sachsen. Aktuell muss er zudem wegen einer bei der WM in Val di Sole gebrochenen Kniescheibe eine Zwangspause einlegen. Davor waren es vor allem technische Defekte, die ihn bei den Rennen ausgebremst haben. Das sei frustrierend, sagt Hartenstern, aber genau in solchen Situationen dürfe man nicht aufgeben.

«Ich hatte über acht Jahre lang keine grosse Verletzung. Das ist in diesem Sport eine lange Zeit. Und auch jetzt verläuft die Heilung zum Glück erstaunlich gut», ist Hartenstern zuversichtlich. Auch nachdem Max seine Saison öffentlich bereits für beendet erklärt hatte, liebäugelte er insgeheim noch mit einem Start beim Weltcup-Rennen im kanadischen Whistler Ende September. Vergangene Woche erhielt er dafür jedoch keine ärztliche Freigabe. Sein Fokus liegt nun vollständig auf einer umfassenden Rehabilitation, damit er die Off-Season bestmöglich nutzen und 2027 so stark wie möglich zurückkehren kann. Genau dieses unerschütterliche Mindset sei im Downhill-Weltcup, den er als «Formel 1 des Mountainbikens» bezeichnet, unerlässlich. Man müsse sich immer bis zur Grenze der eigenen Möglichkeiten pushen. Um das zu schaffen, genüge nicht allein Technik und körperliche Fitness, auch die mentale Stärke gehöre dazu. Daher setzt der Deutsche neben Fahr- und Krafttraining auch auf einen Mentalcoach in der Vorbereitung. Das sei im Downhill Weltcup mittlerweile Standard.

Nach der Saison ist vor der Saison

Genau wie die Fitness der Athleten, steht die Technik der Bikes im permanenten Fokus. Zusammen mit seinem Team arbeitet der Deutsche daran, das Setup zu perfektionieren. Dazu wird an kleinsten Stellschrauben gedreht, denn massgebliche technische Neuerungen an den Bikes seien aktuell nicht zu erwarten, glaubt Hartenstern: «Du kannst das Fahrrad nicht neu erfinden. Derzeit ist der Stand der Technik enorm hoch, es wird wohl nur mehr Feintuning am Material geben.» Neuerungen wie dem 32er-Laufrad, das Konkurrent Martin Maes bei der WM erstmals im Rennen versuchte, attestiert er wenig Zukunft im Downhill-Sport. Hartenstern selbst fährt auf seinem Cube ein Mullet-Setup mit 29er-Laufrad vorne und 27,5 Zoll hinten. An der Entwicklung seines neuen Renngerätes hat er intensiv mitgearbeitet, was nicht einfach gewesen sei. Denn die vielen Änderungen und Anpassungen am Rad hätten ihn eingebremst: «Nach der Saison 2025 hatte ich hohe Erwartungen, aber mit dem neuen Bike hatten wir uns heuer anfangs etwas verbastelt. In der Sommerpause haben wir dann nochmal viel Arbeit hineingesteckt und meinen Rahmen etwas verkleinert, plötzlich war der Speed zurück.» Doch dann kam die Verletzung.

Weil sich der Start in Übersee nicht mehr ausgeht, konzentriert sich der Deutsche nun auf das Wintertraining, um 2027 wieder angreifen zu können. Wer Hartenstern abseits des Renngeschehens beim Training erleben will, hat dazu im tschechischen Bikepark Klínovec (zu deutsch auch Keilberg genannt) die besten Chancen. Dorthin zieht es den Sachsen in der Off-Season, weil es nah an seiner Heimat liegt und ihm perfekte Trainingsbedingungen bietet. «Wir haben dort eine eigene Teststecke und für mich ist das Gebiet besser als Morzine. Tschechien kann ich nur jedem empfehlen: gutes Essen, noch bessere Strecken und das zu einem fairen Preis», sagt Hartenstern.

Zur Person

Max Hartenstern (27) ist deutscher Mountainbike-Profi, der seit 2017 für das Team von Cube im Downhill-Weltcup startet. Seine Radsport-Karriere hat er auf dem BMX begonnen, wo er bis 2012 Erfolge im Nachwuchssport verbuchen konnte. 2016 wurde Hartenstern als Junior erstmals Deutscher Meister im Downhill der Elite-Klasse. Der Titel wurde ihm nachträglich zuerkannt, weil seine Junioren-Zeit schneller war, als die der besten Herren. Es folgten fünf weitere Titel als Deutscher Meister. Im Weltcup fuhr er 2021 mit dem zweiten Platz in Les Gets sein bislang bestes Ergebnis ein.