Blog: Mehr Mut zur Individualität!
Nicht nur das: Mit wenigen Ausnahmen schauen auch noch alle praktisch gleich aus. Nicht alle Teams haben das Glück, einen Landes- oder Weltmeister in ihren Reihen zu haben – die bringen mit ihren Meistertrikots wenigstens noch etwas Farbe rein. Klar, die UCI lässt den Teams in Sachen Trikots nicht viel Spielraum. Auch während meiner Zeit als Crosscountry-Profi war es normal, einer Einheit anzugehören (und ich war auch stolz darauf), in der alle Mitglieder wie geklonte Schafe aussahen (man erinnere sich an Dolly). Heute sehe ich das anders: Es gibt zu viele Dollys.
Wenn im Rennsport bei Trikots schon nicht viel zu machen ist, wie wäre es wenigstens mit einem anderen Helm-Design? Die Downhiller und auch die Enduro-Fahrer machen es vor. Wer dort etwas auf sich hält, lässt seinen Helm von einem Airbrush-Künstler verschönern. Selbst die Helme der Red-Bull-Athleten sind nicht alle gleich – jeder ist ein eigenes Kunstwerk, das trotzdem unmissverständlich an Red Bull erinnert. Warum heben sich Crosscountry-Fahrer nicht ebenfalls von ihren Team-Kameraden ab? Sie sollten zumindest den Spielraum ausnutzen, den die UCI zulässt – bei Helm-Designs, Socken, Brillen, Handschuhen oder Schuhen. Florian Vogel vom Focus-Team machts vor, er trägt immerhin andere Socken als seine Team-Kameraden. Teams, die nicht bei der UCI gemeldet sind, sollten sogar jedem Fahrer eine andere Trikotfarbe geben. Ok, das könnte vielleicht den finanziellen Rahmen sprengen, aber ein Gedanke ist es wert. Schliesslich gehen einige Enduro-Teams auch teilweise mit anderen Trikot-Designs an den Start.
Betrachten wir die Marketingsicht: Firmenchefs sehen es gerne, wenn alle Fahrer gleich aussehen. Nehmen wir aber ein Team mit vier hochkarätigen Fahrern und rüsten diese mit unterschiedlichen Schuhmarken aus. Der fiktive Bike-Sponsor des Teams «Superride» will seine Bikes an möglichst vielen Orten sehen. Weil alle Fahrer einen eigenen Schuhsponsor haben und jeder Schuhsponsor seinen Fahrer in seinem Katalog abgebildet haben will, sind die Bikes der Marke «Superride» bereits in vier anderen Katalogen zu sehen. Nicht schlecht, oder? Haben die vier Fahrer noch unterschiedliche Helme, verdoppelt sich die Reichweite für «Superride» bereits.
Klar, alles graue Theorie. Doch eines ist sicher: Das Erscheinungsbild der Crosscountry-Fahrer muss cooler als bisher werden. Individualisten braucht das Cross-Country-Land!