Eurobike: Schubkarren statt Fahrräder testen
Beim Bike-Hersteller Liteville lässt man sich von der aktuellen 27.5-Zoll-Euphorie zwar durchaus anstecken, hat aber einen eigenständigen Ansatz entwickelt, um mit den drei Laufradgrössen umzugehen.Das Motto lautet «Scaled Sizing»: Die Antwort auf die Frage nach der maximal sinnvollen Reifengrösse – vorne und hinten – ist bei Liteville abhängig von der Rahmen- und damit Körpergrösse.
Ein Bike – zwei Raddurchmesser
Und da der Hersteller zusätzlich zwischen geschobenem und gezogenem Rad unterscheidet, gibt es mehrere Kombinationen. Beim XS-Rahmen und einer damit verbundenen durchschnittlichen Körpergrösse von 157 Zentimetern kommen hinten ein 24- und vorne ein 26-Zoll Rad zum Einsatz. Für den 175er Fahrer mit Rahmengrösse M sollen hinten ein 26- und vorne ein 27.5-Zoll Rad hinhalten. Für grosse Fahrer mit Rahmengrösse XL rund um die 192 Zentimeter Körpergrösse heisst das Rezept 27.5 hinten und 29 Zoll vorne.
Geschobenes und gezogenes Rad
Für die unterschiedlichen Radgrössen hinten und vorne hat Liteville auch eine Erklärung bereit. Ein gezogenes Hinterrad überrolle Hindernisse ganz einfach – und könne deshalb am Hinterrad zugunsten von Steifigkeit und guter Beschleunigung auch kleiner ausfallen. Ein gestossenes Rad – beim Bike also das Vorderrd – habe es schwieriger Hindernisse zu überfahren, und deshalb sei hier ein grösserer Umfang richtig am Platz. Um dem Kunden das Konzept «Ein Bike – zwei Radgrössen» auf unkonventionelle Art erfahrbar zu machen, stellt der deutsche Hersteller Schubkarren hin, mit denen à la «gezogen» und «geschoben» Hindernisse zu überwinden sind.
Detailarbeit beim 601: die Version «MK3»
Das vielfach als «Superenduro» beschworene Modell 601 erfährt auf das Modeljahr 2014 eine Überarbeitung. Neu ist beim Übergang zwischen Steuer- und Unterrohr eine Aluplatte eingearbeitet, die verhindern soll, dass beim Gebrauch von Doppelbrückengabeln Dellen beim Lenkkopf entstehen.
Auch frisch revidiert zeigt sich der Umlenkhebel und dessen Aufnahme am Unterrohr. Am Umlenkhebel hobelt die Fräse ein paar Gramm Alu mehr weg als bisher – und der vordere Drehpunkt sitzt neu nicht oberhalb des Unterrohrmittelpunkts, sondern ist zentral ins Unterrohr eingesetzt. Durch diesen tiefer positionierten Drehpunkt verspricht Liteville ein antriebsneutrales Fahrverhalten und ein sensibleres Ansprechen auf den ersten Zentimetern des Federwegs.
Und noch eine Neuigkeit versteckt sich in der MK3-Version: Während beim MK2-Rahmen ausschliesslich für eine Stealth-Stütze von Rockshox vorgesorgt war, können mittels Öffnungen im Oberrohr auch Fernbedienungskabel von alternativen absenkbaren Sattelstützen aufgeräumt montiert werden.
Durch die Anpassungen am Hinterbau reduziert sich das 601-Gewicht trotz der Integration der Verstärkung im Lenkkopf um circa 30 Gramm. Erstmals verfügbar sein soll der 601 MK3 Rahmen rund um Weihnachten 2013.